Verhalten & Beschäftigung bei Steppenlemmingen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Verhalten & Beschäftigung bei Steppenlemmingen

Steppenlemminge sind gesellige Tiere, im Freiland leben sie in großen Gruppen von bis zu 50 Tieren. Deshalb dürfen sie – anders als Hamster – keinesfalls einzeln gehalten werden.
 
© Daniel Schüller
Es kommt immer wieder einmal vor, dass Sie fremde Steppenlemminge aneinandergewöhnen müssen.
Ihr natürliches Sozialerhalten können sie nur ausleben, wenn sie mindestens zu zweit gehalten werden. Die Frage, ob man eher Männchen-, Weibchen- oder gemischte Gruppen bzw. Paare vergesellschaften sollte, hängt davon ab, ob man Nachwuchs haben möchte. Möchte man keine Jungtiere, darf man nur gleichgeschlechtliche Tiere zusammen halten.

Weibliche Lemminge lassen sich meist problemlos paarweise halten. Nur selten kommt es hier zu Spannungen oder Beißereien. Bei der Paarhaltung von männlichen Steppenlemmingen kommt es hingegen immer wieder zu Streitereien und Beißereien. Es gibt aber auch gegenteilige Erfahrungen. Generell kann man Steppenlemminge auch in größeren Gruppen halten, wobei natürlich der Platzbedarf zunimmt. Reicht für zwei Tiere eine Grundfläche von 80 x 40 cm aus, benötigen vier oder fünf Tiere schon eine Grundfläche von mindestens 100 x 40 cm.

Bei gemischtgeschlechtlichen Gruppen sollte die Anzahl der Weibchen größer als die der Männchen sein. Eine ideale Lemminggruppe besteht aus einem Männchen und drei bis vier Weibchen. Befinden sich mehre Männchen in einer Gruppe, kann es zu Rangkämpfen kommen, durch die das rangniedrigste Tier so gestresst wird, dass es die Nahrung verweigert und verhungert. Zwischen den geschlechtsreifen Männchen kommt es regelmäßig zu Beißereien, Weibchen sind da deutlich friedlicher. Von einer reinen Männergruppe ist deshalb abzuraten. Wichtig ist, dass Sie die Lemminge nicht zu jung erwerben, da wissenschaftliche Studien gezeigt haben, dass vor allem Tiere, die früh von den Eltern getrennt wurden, nicht ausreichend sozialisiert sind und zu Aggressionen neigen. Erwerben Sie deshalb keine Lemminge, die jünger als 6 Wochen sind.

Vergesellschaftung: aus Fremden werden Freunde

Es kommt immer wieder einmal vor, dass Sie fremde Steppenlemminge aneinandergewöhnen müssen, z. B. wenn ein Partner verstorben ist. Während die Vergesellschaftung von jungen, noch nicht geschlechtsreifen Steppenlemmingen meist problemlos funktioniert, ist die Vergesellschaftung erwachsener Lemminge nicht ganz so unkompliziert. Deshalb sollte man beim Zusammensetzen von Steppenlemmingen äußerste Vorsicht walten lassen. Niemals darf man das neue Tier einfach in das Gehege setzen. Dies würde sofort sein Revier verteidigen und den Eindringling jagen und beißen. Lassen Sie die Tiere deshalb immer auf neutralem Boden erstmals zusammentreffen.

Bewährt haben sich hierfür kleine Plastik-Terrarien (Fauna-Boxen), welche im Zoofachhandel erworben werden können. Beobachten Sie die Tiere bei ihrem ersten Zusammentreffen genau. Fallen sie übereinander her oder kommt es zu heftigen Verfolgungsjagden, müssen die beiden Streithähne sofort getrennt werden. Um sich selber vor Verletzungen zu schützen, sollte man aus diesem Grund bei jedem Vergesellschaftungsversuch Lederhandschuhe bereitliegen haben, denn Lemminge können heftig beißen und unterscheiden im Eifer des Gefechts nicht zwischen Freund und Feind. (Ralf Sistermann)
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