Haltung von Streifenhörnchen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Haltung von Streifenhörnchen

Spätestens seit Disneys A-Hörnchen und B-Hörnchen gehören die Streifenhörnchen zu den beliebtesten Nagern. Man darf nicht vergessen, dass Streifenhörnchen keineswegs so domestiziert sind wie andere Nager, die als Heimtier gehalten werden.
 
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Asiatische Streifenhörnchen leben in freier Wildbahn in lockeren Kolonien.
Als echte Wildtiere stellen sie Streifenhörnchen ihre ganz eigenen Anforderungen an die Haltung in Menschenobhut. Deshalb sollten Sie vorher gut überlegen, ob Sie sich ein Streifenhörnchen als Heimtier anschaffen, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden. Denn ein Tier zu erwerben, einfach weil es „niedlich“ aussieht, ist sicher der falsche Weg und schadet letztlich dem Tier, das durch sein vom Halter nicht bedachtes Verhalten letztlich abgegeben wird oder schlimmstenfalls in seinem Gehege dahinvegetieren muss.

Vor der Anschaffung eines Streifenhörnchens sind also folgende Fragen wichtig:
  1. Habe ich mich ausreichend über die Ansprüche und Bedürfnisse von Streifenhörnchen informiert?
     
  2. Habe ich ausreichend Zeit, um mich mit meinem Streifenhörnchen zu beschäftigen?
     
  3. Ist mir bewusst, dass Streifenhörnchen viel Platz benötigen?
     
  4. Bin ich bereit, regelmäßig Zeit zum Reinigen des Käfigs zu investieren?
     
  5. Was passiert mit meinem Streifenhörnchen im Urlaub?
     
  6. Sind die Kosten für Futter, Streu und Gemüse im Haushaltsbudget eingeplant?
     
  7. Bin ich bereit, die für die Behandlung eines kranken Streifenhörnchens anfallenden Tierarztkosten zu tragen?
     
  8. Ist mir bewusst, dass Streifenhörnchen keine Kuscheltiere sind und sich nur ungern anfassen lassen?
     
  9. Ist mir bewusst, dass Streifenhörnchen Einzelgänger sind, die ich nicht dauerhaft paarweise halten kann.
     
  10. Habe ich einen ausreichend ruhigen Platz zur Verfügung, in den das Gehege während der Winterruhe des Streifenhörnchens gestellt werden kann?
Nur wenn Sie alle zehn Fragen mit einem klaren Ja beantworten, können Sie sich ernsthaft Gedanken zum Einzug eines Streifenhörnchens machen. Bei dieser Entscheidung ist  natürlich auch die Meinung der übrigen Familienangehörigen zu beachten. Nur wenn diese auch mit der Anschaffung einverstanden sind, ist ein dauerhaftes friedvolles Zusammenleben gewährleistet.

Welche Art?

Bei denen im Zoofachhandel angebotenen Streifenhörnchen handelt es sich um ganz unterschiedliche Arten, die sich nicht nur durch ihre Herkunft und ihr Aussehen, sondern insbesondere durch ihr Verhalten voneinander unterscheiden. Zu den wohl am häufigsten angebotenen Arten zählt das asiatische Streifenhörnchen (Tamias sibiricus), das auf dem Rücken fünf  schwarzbraune Streifen hat, denen vier helle Streifen anliegen. Das Streifenbackenhörnchen oder Chipmuk wird inzwischen in Deutschland kaum noch gehalten. Bei ihm liegen den fünf dunklen Streifen nur zwei helle Streifen seitlich an. Außerdem geht der unter dem Auge verlaufende Streifen nur bis zum Auge. Weiterhin werden Palmen- und Schönhörnchen ebenfalls oftmals fälschlicherweise unter dem Namen Streifenhörnchen gehandelt. Die folgenden Seiten befassen sich ausschließlich mit der Haltung des Asiatischen Streifenhörnchen oder Burunduk, da dieses die wohl häufigste Art in Menschenobhut darstellt.

Woher bekommt man Streifenhörnchen?

Streifenhörnchen werden inzwischen in jedem größeren Zoofachgeschäft angeboten. Allerdings sind die Tiere dort meist nicht das ganze Jahr verfügbar. Vor allem im Frühjahr ist das Angebot aber groß. Bei diesen Tieren handelt es sich aber meist um Importtiere, die für die private Haltung nur bedingt geeignet sind. Bei diesen Tieren ist das Alter nicht bekannt, auch können sie mit Krankheitserregern oder Parasiten behaftet sein, weshalb sie in die Hände von Spezialisten gehören. Zudem bleiben diese Tiere oftmals scheu, und was hat man schon von einem Heimtier, das bei jedem Geräusch sofort in sein Häuschen flüchtet! Achten Sie deshalb darauf, dass Sie Nachzuchttiere erwerben, die meist im Frühsommer abgegeben werden.

Wollen Sie sicher sein, dass Sie ein Nachzuchttier erwerben, holen Sie Ihr Streifenhörnchen direkt beim Züchter. Dieser bietet Ihnen eine ausführliche und sachkundige Beratung, außerdem können Sie sich beim Züchter die bisherigen Haltungsbedingungen der Tiere anschauen. Dabei fällt meist so mancher Tipp für die eigene Haltung ab. Da Streifenhörnchen-Züchter aber nur selten in der direkten Nachbarschaft wohnen, muss man manchmal einen weiteren Anfahrtsweg machen, was man aber im Sinne der Tiere gerne in Kauf nehmen sollte.

Den Kontakt zu einem Züchter erhält man z. B. über das Internet oder über die Kleinanzeigen in Fachzeitschriften. Eine weitere Möglichkeit, Streifenhörnchen zu erwerben, sind die inzwischen bundesweit stattfindenden Tierbörsen. Hierbei handelt es sich meist um Terrarienbörsen, auf denen auch exotische Kleinsäuger angeboten werden. Auf solchen Veranstaltungen trifft man Gleichgesinnte, mit denen man fachsimpeln kann. Zudem kann man nicht nur Streifenhörnchen, sondern auch artgerechtes Zubehör zu erwerben. Aber auch auf solchen Veranstaltungen stehen professionelle Händler. Achten Sie also darauf, dass Sie tatsächliche Nachzuchttiere erhalten. Um Weihnachten herum angebotene Streifenhörnchen, die angeblich noch nestjung sind, sind niemals Nachzuchten.

Streifenhörnchen aus dem Tierheim

Da Streifenhörnchen nicht zu den massenhaft verbreiteten Heimtieren gehören, sind sie in Tierheimen glücklicherweise selten anzutreffen. Dennoch lohnt es sich, auch einmal dort nachzufragen, wenn Sie sich ein Hörnchen anschaffen wollen. Vielleicht können Sie ja auf diese Weise dafür sorgen, dass ein im Tierheim untergebrachtes Tier ein tiergerechtes Leben führen kann. Denn wie alle Nagetiere, die sehr lärmempfindlich sind, leiden auch Streifenhörnchen unter den Bedingungen im Tierheim sehr. Manchmal hilft auch der Blick in den Anzeigenteil der lokale Zeitung bei der Suche nach einem neuen Hausgenossen, denn ab und an werden auch dort Tiere angeboten. Oft sind dies ältere Streifenhörnchen, die aus verschiedensten Gründen abgegeben werden. Mit dem Erwerb dieser Tiere können Sie eventuell verhindern, dass sie im Tierheim landen.

Die Auswahl der Tiere

Vor dem Erwerb eines Streifenhörnchens sollten Sie unbedingt seinen Gesundheitszustand überprüfen. Einen Hinweis gibt dabei schon der erste Eindruck des Geheges bzw. der Verkaufsanlage. Ist diese stark verdreckt, wurde der Kot über längere Zeit nicht entfernt oder riecht die Einstreu muffig, ist dies bereits ein Warnsignal. In einem solchen Fall sollten Sie von einem Kauf Abstand nehmen. Achten Sie auch darauf, ob die Tiere ausreichend mit frischem Futter und Wasser versorgt sind.

Wichtig vor dem Kauf ist auch eine ausführliche Beratung seitens des Verkäufers. Sowohl seriöse Zoofachhändler als auch seriöse Züchter beantworten Ihnen Ihre Fragen gerne und ausführlich. Schauen Sie sich auch den Umgang des Anbieters mit dem Streifenhörnchen genau an. Fasst er ständig in das Gehege , um sein Hörnchen zu präsentieren, oder lässt er sie weitestgehend in Ruhe? Und wie reagieren die Hörnchen? Reagieren sind mit Panik und Stress, sollten Sie ebenfalls Abstand vom Kauf nehmen, denn Stress macht Streifenhörnchen extrem krankheitsanfällig. Und erwerben Sie niemals aus Mitleid ein Tier aus schlechter Haltung, denn der Verkäufer wird dieses meist sehr schnell durch ein Neues ersetzen. Auf diese Weise unterstützen Sie nur unseriöse Verkäufer. Melden Sie schlechte Haltungsbedingungen unbedingt der zuständigen Gemeinde oder dem Tierheim.

Sind diese Punkte geklärt, sollten Sie nun dazu übergehen, das in Frage kommenden Tier aus einiger Entfernung beobachten. Ist es lebhaft oder läuft es verstört umher bzw. liegt apathisch herum? Zeigt es Stereotypien wie Purzelbaumschlagen? Verlieren Sie aber niemals die Tageszeit aus dem Auge. Streifenhörnchen sind zwar tagaktiv, dennoch wird vor allem in den Mittagsstunden gerne geruht.

Haben Sie letztlich ein Tier in die engere Auswahl genommen, gilt es nun, dieses einem gründlichen Gesundheits-Check zu unterziehen. Gesunde Tiere haben klare Augen und ein glänzendes Fell, die Afterregion ist trocken und nicht mit Kot verschmiert. Das Hörnchen darf auch nicht so dünn sein, dass die Knochen deutlich hervorstehen, da es sich dann entweder um ein erkranktes oder ein sehr altes Tier handelt. Leider ist dies nur schwer zu erkennen, wenn man das Streifenhörnchen nicht in die Hand nimmt, und dies machen die wenigsten Tiere mit. Auch Felllücken sind ein weiterer Hinweis auf ein hohes Alter oder eine Erkrankung bzw. Parasiten.

Das richtige Alter

Haben Sie ein offensichtlich gesundes Tier gefunden, gilt es zum Schluss noch das Alter zu erfragen. Zwar sind Streifenhörnchen Einzelgänger, dennoch sollte ein Jungtier nicht jünger als acht Wochen sein, damit es alle lebenswichtigen Verhaltensweisen von seiner Mutter lernen konnte.

Einzel- oder Paarhaltung

Asiatische Streifenhörnchen leben in freier Wildbahn in lockeren Kolonien, in denen jedes Individuum sein eigenes Territorium hat und dies auch gegenüber den anderen Tieren verteidigt. Es ist deshalb möglich, Streifenhörnchen einzeln zu halten, ohne dass dies Tierquälerei wäre oder dass die Tiere verkümmern. Möchte man zwei Tiere zusammen halten, sollte der Käfig die Maße für ein Einzeltier deutlich überschreiten. Wichtig ist vor allem, jedem Tier genügend Rückzugsmöglichkeiten zu bieten, um Stress zu vermeiden. Es hat sich bewährt, den Käfig so zu gestalten, dass man ihn notfalls in zwei Hälften unterteilen kann. Dies kann erforderlich werden, wenn man ein Muttertier mit Jungen abtrennen will oder es kurzzeitig zwischen den Tieren zu Streitigkeiten kommt. Möchte man keinen Nachwuchs züchten, empfiehlt sich die Haltung zweier gleichgeschlechtlicher Tiere. Zwei Männchen vertragen sich dabei ebenso gut oder schlecht wie zwei Weibchen. Wichtig ist, bei auftretenden Streitigkeiten sofort einzugreifen, da es ansonsten zu ernsthaften Verletzungen bis hier zu Todesfällen kommen kann. (Ralf Sistermann)
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