Erste Hilfe beim Pferd | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Erste Hilfe beim Pferd

Im Falle eines Falles ist selten der Tierarzt sofort zur Hand. Schnelles Handeln ist gefragt, um etwa Blutungen zu stoppen, erste Verbände anzulegen und Schlimmeres zu verhindern.
 
© N.Beschedsnick
Oberstes Ziel der Ersten Hilfe ist es, das Pferd zu stabilisieren und optimale Bedingungen für die nachfolgende tierärztliche Behandlung zu schaffen. Wohlmeinende Maßnahmen ohne die entsprechende Sachkenntnis können jedoch auch Schaden anrichten: Eine mit dem beliebten Blauspray behandelte Wunde beispielsweise kann später nicht mehr genäht werden. Jeder Pferdebesitzer sollte sich daher zumindest mit den Grundlagen der Ersten Hilfe auskennen.

Im Vorfeld

Die Vorbereitung auf den Notfall darf nicht erst im Ernstfall beginnen. Einige Dinge sollten schnell griffbereit sein: Natürlich gehört ausreichend sauberes Verbandsmaterial in jede Stallapotheke, das geschützt vor Schmutz und Feuchtigkeit gelagert werden muss. Dazu kommen ein Fieberthermometer und eine Nasenbremse, die durch die von ihr ausgelöste Endorphinausschüttung dazu beitragen kann, das Pferd ruhigzustellen. Ein Stethoskop ermöglicht es dem Pferdehalter, sicher die Puls- und Atemfrequenz des Pferdes zu bestimmen. Darüber hinaus braucht das Pferd eine Grunderziehung, sodass es möglichst stillhält, wenn die Wunden versorgt und Verbände angelegt werden. Auch Verladetraining ist unverzichtbar: Im Ernstfall ist keine Zeit, lange vor dem Hänger zu diskutieren. Beim Weg in die Klinik können Minuten durchaus entscheidend werden. Es gibt Erste-Hilfe-Kurse und Seminare für Pferdebesitzer, die Ihnen dabei helfen können, sich für den Ernstfall zu wappnen.

Die PAT-Werte

Die sogenannten PAT-Werte sind wichtig für jeden Pferdebesitzer. PAT steht für Puls – Atem – Temperatur.
Die Temperatur kann nicht nur nach Tageszeit, sondern auch abhängig von Alter und Rasse schwanken. Es ist deshalb sinnvoll, an gesunden Tagen mehrere Kontrollmessungen vorzunehmen, um die Normaltemperatur seines Pferdes genau zu kennen. Fohlen haben andere Werte als erwachsene Pferde, daher wird hier der Normalwert in regelmäßigen Abständen neu bestimmt. Es kommen Werte zwischen etwa 37 und 38,5 ° vor. Die Atemfrequenz liegt als Ruhewert beim erwachsenen Pferd bei circa acht bis zwölf Atemzügen pro Minute. Der Ruhepuls beim erwachsenen Pferd variiert zwischen circa 28 und 40 Herzschlägen in der Minute.

Notfall Kolik

Kolik ist keine eigentliche Erkrankung, sondern lediglich ein Begriff für Bauchschmerzen. Bei einer Kolik wird umgehend der Tierarzt benachrichtigt. Das Pferd wird von Wasser und Futter ferngehalten. Falls das Pferd normale Pulswerte aufweist und sich problemlos führen lässt, kann es bis zur Ankunft des Arztes leicht bewegt werden; liegt es ruhig, darf es auch liegen bleiben. Eine Decke wärmt und entspannt das Pferd.

Der Beinverband

Verbände werden vor allem am Pferdebein angelegt. Ein Verband beginnt immer mit einer sterilen und nicht fusselnden Wundabdeckung. Es folgt eine polsternde Schicht, abgeschlossen wird mit einer selbstklebenden Binde. Die Polsterung ist besonders im unteren Beinbereich, wo kaum Gewebe zwischen Haut und Knochen liegt, unverzichtbar, da bei zu viel Druck die Haut absterben kann. Die selbstklebende Binde ist besonders einfach zu verarbeiten, sodass auch der ungeübte Pferdebesitzer einen sicheren Verband anlegen kann. Beinverbände werden grundsätzlich von unten nach oben aufgebaut, um ein Rutschen des Verbandes zu verhindern. Bei starken Blutungen wird das Bein nicht abgebunden. Meist ist der Blutverlust weniger dramatisch, als man beim Zusehen meint. Stattdessen wird ein Druckverband angelegt. Desinfektionsmittel sind bei einer Erstversorgung nicht sinnvoll.

Der Tierarzt

Erste Hilfe kann – wie der Name schon sagt – nur erste Sofortmaßnahmen bieten. Entscheidend ist in jedem Notfall, dass ein Tierarzt das Pferd möglichst schnell versorgt. Das heißt im konkreten Fall: Wenn Ihr Tierarzt nicht zur Verfügung steht, weil er möglicherweise zu weit weg ist oder gerade einen anderen Notfall versorgt, dann rufen Sie sofort einen Kollegen! Jetzt ist jeder Tierarzt recht, der die Behandlung umgehend vornehmen kann. (Britta Schön)
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren