Headshaking-Syndrom beim Pferd | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Headshaking-Syndrom beim Pferd

Plötzliches Schlagen und Hochreißen des Kopfes, vor allem während des Reitens, muss keine „Unart" des Pferdes sein. Das Tier könnte vielmehr unter dem sogenannten Headshaking-Syndrom leiden und sich vielleicht mit einer permanenten Überreizung quälen.
 
Kopfschütteln bei Pferden © Pixabay/Marabu
Hinter übermäßigen "Kopfschütteln" verbirgt sich oftmals das Headshaking-Syndrom
Obwohl keine Mücke zu sehen ist, prustet das Pferd beim Reiten ständig. Es schlägt immer wieder ruckartig mit dem Kopf nach oben, schüttelt ihn oder versucht, die Nase an den Vorderbeinen zu reiben. Bei einigen Pferden ist das Verhalten so schlimm, dass es unmöglich wird, sie zu reiten.

Mögliche Auslöser für Headshaking beim Pferd

Diese Erkrankung wird als equines Headshaking oder „Kopfschütteln“ bezeichnet. Der Begriff ist allerdings irreführend, weil es sich mehr um unvermutetes Hochschlagen des Kopfes handelt, weniger um Schütteln, erklärt der Tierarzt Dr. Christian Bingold. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der rätselhaften Erkrankung, für die es viele Auslöser und bisher kaum Therapien gibt. Ursachen können sowohl Probleme mit den oberen Halswirbeln als  auch entzündliche Erkrankungen am Kopf sein, bei denen die Nervenversorgung eine Rolle spielt. Welches Problem jeweils zugrunde liegt, ist nicht leicht herauszufinden. Das Tier muss genau untersucht werden. Auch Reiter, Sattelzeug und Umfeld werden dabei in Augenschein genommen. Eine Zeit lang wurde Sonnenlicht als Hauptauslöser betrachtet. Eine Überempfindlichkeit gegenüber grellem Licht, oft gekoppelt mit Allergien, schien bei den meisten Pferden vorzuliegen: Ein Gehirnnerv (Trigeminusnerv) reagiert übermäßig auf Reize im Kopfbereich. Ein Kopfschutz mit UV-Filter bringt, wie eine Sonnenbrille, oft Linderung.

Überempfindlichkeit des Trigeminusnervs

Dennoch: „Die Bedeutung des Lichtes ist etwas zurückgetreten“, erklärt Dr. Bingold. Vielmehr scheint das Zusammenspiel mehrerer Faktoren zur Überempfindlichkeit des Trigeminusnervs (Näheres siehe Kasten) zu führen. Laut der Tierärztlichen Hochschule Hannover zeigten weitere Studien, dass oft eine direkte Erkrankung des Trigeminusnervs vorliegt.

Menschen leiden unter einer ähnlichen Krankheit

Beim Menschen gibt es etwas Ähnliches: die schmerzhafte Trigeminusneuralgie. Daher muss man davon ausgehen, dass auch Pferde starke Schmerzen verspüren. Konsultieren Sie bei folgenden Symptomen Ihren Tierarzt:

- Gelegentliches Zittern der Gesichtsmuskeln, Schnauben.
-  Die Symptome treten regelmäßig unter identischen Bedingungen auf. Häufig verstärken sie sich beim Reiten.
- Ausgeprägtes Kopfzucken, Schlagen oder Treten mit dem Vorderbein Richtung Kopf.
- Das Pferd ist unkontrollierbar und unreitbar. Zum Teil zeigt es bizarre Verhaltensmuster. Aber wie bereits erwähnt: Dem Headshaking muss nicht zwingend eine Trigeminus-Erkrankung zugrunde liegen!

Checken sie alle möglichen Gründe. Überdenken Sie Ihre Reitweise, lassen Sie Ausbinder weg, probieren Sie eine andere Zäumung. Es ist zwar selten, aber nicht ausgeschlossen, dass auch solche Faktoren die Schmerzen verursacht, auf die ihr Pferd mit Kopfschütteln reagiert, und ihm leicht geholfen werden kann

INFO: Der Trigeminusnerv ist ein großer Gesichtsnerv, der für die sensorische Wahrnehmung im Kopfbereich verantwortlich ist und z.B. die Kaubewegungen steuert. Im Falle von Headshaking zeigt er eine stark herabgesetzte Reizschwelle und überreagiert ständig. Betroffen sind meist Pferde ab sechs Jahren. Anfangs tritt Headshaking nur im Frühjahr/Sommer auf, später das ganze Jahr. Man weiß noch nicht, was den Nerv überreagieren lässt, eventuell ein Herpesvirus oder Hormone. Medikamente, die in den Gehirnstoffwechsel eingreifen (z.B. Serotonin-haltige), lindern die Symptome. Eine Operation, die beim Menschen oft Hilfe bringt, kann man beim Pferd leider nicht durchführen.

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Fotos: 
Pixabay/Marabu
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