Abwechslung im Pferdealltag | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Abwechslung im Pferdealltag

Spielanregungen bringen Abwechslung in den Pferdealltag, mehr noch, sie machen ein Pferd intelligenter, geschickter, kooperationsbereiter und sie sind eine gute Hilfe bei Problempferden.
 
Pferde sind Fluchttiere mit einer zutiefst verwurzelten Angst vor allem Unbekannten. Ein unvermutetes lautes Geräusch in ihrer Nähe, ein nie gesehenes Hindernis, das plötzlich auf dem gewohnten Weg auftaucht, können nicht einfach ignoriert werden. Je nach Nervenkostüm reicht die spontane Reaktion eines Pferdes von einem panischen Satz zur Seite und Flucht über starr stehen bleiben und rückwärts drängen bis zu neugierigem Erkunden.

Gelassenheit kann auch das Pferd lernen

Jeder Reiter kennt solche Situationen zu Genüge. Und wer ein panisch veranlagtes Pferd hat, wünscht sich dann nichts sehnlicher als einen Partner mit Nerven wie Drahtseilen. Solche Nervenstärke ist selten perfekt angeboren, auch wenn einige Pferderassen (z.B. Quarter Horse) für ihre Gelassenheit bekannt sind, aber man kann sie trainieren. Je selbstbewusster ein Pferd ist, je mehr es gesehen und erlebt hat, desto weniger schreckhaft wird es. Routine macht viel aus. Und eben immer wieder Neues kennen lernen, erkunden und ausprobieren. Wer seinem Pferd helfen will, Ängste abzubauen, lässt es spielen. Und erreicht damit gleich noch mehrere, kaum weniger gewichtige Nebeneffekte: Das Pferd wird neugieriger, wacher und geschickter, es schult seine Konzentration – und durch gemeinsames Spiel wird es kooperationsbereiter.

Spiel ist mehr als nur Beschäftigung

Lernspielzeug muss nicht gekauft werden. Es findet sich in jedem Haus/Stall. Brauchbar ist fast alles vom Autoreifen bis zum Wassereimer (ohne Henkel). Wichtig ist nur, dass ein Pferd sich an seinem Spielzeug nicht verletzen oder an ihm hängen bleiben kann, es auch nicht verschlucken oder beim Zerlegen auf gefährliche Teile stoßen kann.

Eine Plastikplane ist Spielzeug für das Pferd

Plastikplanen z.B. sind ein einfaches und effektvolles Spielzeug, wenn sie auf dem Boden rascheln oder am Tor wehen; ebenso Fransenvorhänge, die am besten genau über frisch serviertem Grün aufgehängt werden; ein surrendes Windrad auf einem Zaunpfosten oder eine flatternde Fahne - aber Vorsicht! Konfrontieren Sie es nicht unvorbereitet. Es soll ja keine Angst oder gar Panik bekommen, sondern die Neugier soll geweckt werden. Kleiden Sie beispielsweise eine Vogelscheuche in ein altes Hemd und Hut und stellen Sie den „Fremden“ auf der Koppel auf, sodass das Pferd Abstand halten kann und sich dem Unbekannten allmählich nähern. Er wird den Besuch nicht lange überleben, dafür sorgt schon die sehr raue Neugier der Bewohner. Ein alter Autoreifen wird durch die Gegend geschleppt, Fässer, Kisten, Kartons oder Stofftiere, die plötzlich auf der Koppel stehen, werden systematisch auseinander genommen. Auf Ballspiele stehen Pferde weniger. Aber stellen Sie Ihr Pferd vor ein Problem, das seine Intelligenz fordert: Verstecken Sie Futter in einer Tonne mit Deckel, in einem aufgehängten Eimer oder lassen Sie mal eine Karotte in einer Wanne mit Wasser schwimmen.

Spielen zu zweit schafft Vertrauen

Bei gemeinsamen Aktionen liegt das größte Problem in der Anpassung aneinander. Es ist eben ein Unterschied, ob man aufrecht auf zwei Beinen geht oder viel größer ist und vier Beine koordinieren muss. Wer je versucht hat, ein Pferd am Boden rückwärts durch ein Labyrinth zu leiten, weiß, wie groß dieses Problem ist. Trotzdem sind gerade solche „Führ-Spiele“ wichtig. Sie verbessern nicht nur die Konzentration des Pferdes, seine Körpergeschicklichkeit und die Kooperation, der beteiligte Mensch profitiert genauso davon! Natürlich fängt man nicht mit dem „L“ an, sondern mit einfachen Übungen, Tempo-Wechseln und dann ein paar Stangen auf dem Boden, die überschritten werden. Das ist viel schwieriger, als es aussieht. Und deshalb sollte hinterher auch nicht mit Lob gespart werden. (Jutta Aurahs)
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