Erziehung des Pferdes | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Erziehung des Pferdes

Um ein Pferd zu erziehen, muss man erst lernen, wie man richtig mit ihm kommuniziert. Neben den Ausdrucksmöglichkeiten der Mimik oder der Körpersprache kann auch das geringe Lautrepertoire dem Pferd helfen, sich sinnvoll zu vermitteln.
 
© N.Beschedsnick
Die klassische Situation in Westernfilmen: Pferde geraten in Panik, bäumen sich auf und beginnen zu wiehern. Grober Fehler der Regisseure! Denn Wiehern kann alles Mögliche bedeuten. Auf keinen Fall hat aber das Pferd in diesem Moment Angst!

Der erfahrene Verhaltensforscher Desmond Morris beobachtete im Londoner Zoo die Eigenschaften der Pferde, und er hält auch selber eine kleine Herde. In seinem Buch "Horse-Watching" unterscheidet er das Lautrepertoire in acht verschiedene Hauptlaute.

Acht verschiedene Hauptlaute

Wenn ein Pferd Angst hat, beginnt es mit weit aufgerissenen Augen zu schnauben, allerdings ohne zu wiehern. Desmond Morris beschreibt, dass das lautgebende Tier sein Gesicht zur Gefahrenquelle hinwendet: So können auch die anderen Pferde deren Richtung erfassen. Letzten Endes würde jedes Pferd allerdings die Flucht ergreifen. Eine defensivere Version ist der Schrill-Laut, der z.B. mit "Rück mir nicht näher, sonst muss ich zurückschlagen" übersetzt werden könnte. Sobald dann ein ernsthafter Kampf im Gange ist, kann ein äußerst wütendes "Röhren" vernommen werden. Fälschlicherweise wird das Ortungswiehern als eine weitere Ausdrucksform der Angst angesehen. Ein vereinsamtes Pferd möchte damit lediglich den Kontakt zu seiner Herde wiederherstellen. "Das Wiehern eines Pferdes ist ein persönliches Erkennungsmerkmal und wird als solches von den übrigen Pferden erkannt. Es ist kein Alarmsignal, sondern eine Bitte um Antwort", sagt Desmond Morris.

Unterschiedliches Wiehern

Unterschiedliches Wiehern kann von der Umwerbung und dem Begrüßungswiehern bis hin zum Mutter-Wiehern reichen. Auf ein Fohlen wirkt das Mutter-Wiehern regelrecht zwingend. Bemerkenswert: Jedes Pferd hat einen charakteristischen Klang. Sogar unter den verschiedenen Rassen sind Unterschiede herauszuhören. Das Blasen entsteht durch einfaches Luftausstoßen, wobei das Pferd entspannt die Augen halb geöffnet hat. Übersetzung für Zweibeiner: "Das Leben ist schön, und mir geht es gut." Diese grobe Interpretation schließt jedoch nicht die jeweilige Situation des Pferdes ein. "Keiner der Laute ist auf eine bestimmte Bedeutung beschränkt", so Desmond Morris. Wie beim Menschen zeigt auch die Mimik den Gefühlszustand deutlich. So können Pferde zum Beispiel Ekel und Unbehagen durch einfaches Nüsternrümpfen ausdrücken. Wer diese Ausdrucksmöglichkeiten zu deuten weiß, versteht sein Pferd erst richtig. (Kirsten Drees)
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