Das Verladetraining | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Das Verladetraining

Nicht nur Sport- und Turnierpferde müssen verladefromm sein. Jedes Pferd kann schwer erkranken und muss dann schnell in die Klinik transportiert werden: Sicheres Verladen ist unverzichtbar.
 
© Foto: Britta Schön
Foto: Britta Schön
Oft führt das Verladen zu einer Stresssituation bei Pferd und Besitzer. Wenn das Pferd schnell in die Klinik muss, wenn man eigentlich schon zu spät für die erste Prüfung auf dem Turnier dran ist, wenn viele neugierige Zuschauer sich einfinden, dann fehlt es an der nötigen Ruhe und Gelassenheit. Umso wichtiger ist es, schon im Vorfeld ganz in Ruhe das Verladen zu üben.

Vorbereitungen

Ehe es losgeht, muss gegebenenfalls die Halfterführigkeit verbessert werden. Das Pferd lässt sich problemlos führen, es folgt dem Menschen vertrauensvoll und respektvoll (siehe Das Führen).

Ehe das Pferd herangeführt wird, wird der Hänger vorbereitet. Er ist sicher angehängt und auf Verkehrstauglichkeit überprüft worden. Die Klappe ist geöffnet, und die hintere Begrenzungsstange wurde herausgenommen. Es wird darauf geachtet, dass die Hängerklappe gleichmäßig aufliegt, sodass sie nicht wackelt, wenn das Pferd hinaufsteigt.

Schritt für Schritt

Das Pferd wird ruhig und gerade vor den Hänger geführt. Ein Helfer hält sich zunächst ruhig im Hintergrund. Wenn das Pferd vor der Rampe stockt, darf es in Ruhe schauen und auch an der Rampe schnuppern. Wenn es weiterhin zögert, hebt der Helfer einen Huf und setzt ihn auf die Rampe. So merkt das Pferd, dass die Rampe verlässlich trägt. Sobald das Pferd wieder ruhig steht, wird der zweite Huf gesetzt. Nun kann das Pferd Huf für Huf auf die Rampe gebracht werden. Normalerweise wird es nach den ersten Schritten freiwillig weitergehen. Der Helfer achtet darauf, dass das Pferd gerade hinaufgeht und nicht seitlich von der Rampe tritt - häufig der Grund für Verletzungen.

Manche Pferde haben Angst vor der Enge des Hängers, die sich bis zur Panik steigern kann. Solche Pferde fahren besser in einem Eineinhalb-Pferde-Hänger, der ihnen mehr Platz bietet. Im Doppelhänger kann die Trennwand herausgenommen werden, und es können durchgehende Begrenzungsstangen vorne und hinten eingesetzt werden. Das Pferd darf erst dann angebunden werden, wenn sowohl die Begrenzungsstange als auch die Klappe geschlossen sind. Ebenso wird es beim Ausladen erst vorne losgebunden, ehe die Klappe geöffnet wird.

Auch beim Ausladen ist es wichtig, dass ein Helfer draußen steht, der das Pferd geradehält. Das Pferd sollte ruhig und Schritt für Schritt rückwärts hinausgehen, und dies gerade. Es sieht kaum, wo es hintritt, braucht also seitlich Führung, wenn es nicht schon sehr erfahren ist, um nicht seitlich von der Rampe zu stürzen.

Problemlösungen

Wenn das Pferd sich ängstlich weigert, den Hänger zu betreten, ist Zeit ein wichtiger Verbündeter. Solange kein Notfall vorliegt, kann das Training durchaus einige Tage dauern. Wichtig ist, dass Sie das, was Sie anfangen, auch jeweils abschließen. Steigern Sie daher die Anforderungen ganz langsam. Am Anfang reicht es, wenn das Pferd an die Hängerklappe herantritt und dort ruhig stehen bleibt. Nehmen Sie sich Zeit. Wenn das sicher klappt, geht es die ersten Schritte auf die Rampe hinauf. Bleiben Sie geduldig, aber konsequent. Wenn das Pferd im Hänger steht, loben Sie es ausgiebig. Zunächst wird noch nicht gefahren: Nach einigen Minuten darf das Pferd wieder aussteigen.

Eine weitere Methode besteht darin, dem Pferd den Hänger sozusagen als Rückzugszone schmackhaft zu machen. Das heißt: Solange es nicht in den Hänger geht, wird gearbeitet, es muss folgen, anhalten, rückwärts weichen usw. in schneller Folge. Sobald es auf die Rampe und in den Hänger tritt, wird es gelobt, der Stress weicht Entspannung.

Wenn es im Ernstfall schnell gehen muss, hilft eine Longe, besser noch zwei, die hinter dem Pferd in gebührendem Abstand gekreuzt werden. Bei zwei Longen ist es leichter, das Pferd vor dem Hänger geradezuhalten. Eine Longe wird auf einer Seite am Hänger festgebunden und hinten um das Pferd herumgeführt. Zwei Helfer halten die Longen mit leichtem Druck am Pferd. So wird ein Zurückweichen des Pferdes verhindert. Folgt es dem Führer nicht in den Hänger, kann der Druck allmählich verstärkt werden. Die Longen müssen jederzeit schnell nachgelassen werden können und entsprechend sensibel geführt werden, um heftige Gegenreaktionen zu vermeiden, die im Sich-Überschlagen des Pferdes gipfeln können. Da hier erheblicher Zwang ausgeübt wird und das Pferd die Situation entsprechend negativ erleben kann, sollte diese riskante Methode nur im Notfall angewendet werden. (Britta Schön)
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