Das Durchgehen

Ein durchgehendes Pferd ist der Alptraum jedes Reiters. Der Kontrollverlust geht mit einem großen Unfallrisiko einher. Dieses Problem muss immer ernst genommen werden.
 
Das durchgehende Pferd entzieht sich der Einwirkung des Reiters und lässt sich nicht regulieren. Häufig geschieht das in schnellem Galopp, doch kann ein Pferd durchaus auch im Trab und sogar im Schritt durchgehen. Für dieses Verhalten gibt es verschiedene Ursachen.

Durchgehen als Fluchtverhalten

Auch in diesem Fall können gesundheitliche Probleme oder eine unpassende Ausrüstung Schmerzen verursachen, denen das Pferd zu entkommen versucht. Doch auch die Angst vor dem Tiger im Gebüsch kann eine wilde Flucht auslösen. Nachdem die erstgenannten Ursachen ausgeschlossen wurden, muss das ängstliche Pferd lernen, sich seinem Reiter anzuvertrauen und auch in Schrecksituationen auf ihn zu achten und ihm zu folgen. Auch hier können Haltung und Fütterung eine Rolle spielen (siehe auch Gesundheit, Ausrüstung).

Angst vor der Geschwindigkeit

Es gibt sie: die Angst vor der eigenen Geschwindigkeit. Gerade bei jungen, noch unausbalancierten Pferden ist zu beobachten, dass sie dem fehlenden Gleichgewicht mit immer mehr Tempo beizukommen suchen, sie laufen in gewisser Weise ihrem Schwerpunkt hinterher. Doch auch bei älteren Pferden kann es vorkommen, dass aus einem schnellen Galopp scheinbar grundlos eine panische Flucht wird. Hier beeinflusst das Verhalten das Empfinden: In der Natur ist die Höchstgeschwindigkeit meist mit der Flucht aus einer Gefahrensituation verknüpft.

Stalldrang

Manche Pferde gehen brav und ruhig unter ihrem Reiter, solange sie sich vom Stall entfernen, doch auf dem Rückweg drängen sie immer mehr vorwärts und sind schließlich nicht mehr zu regulieren. Es ist klar: Sie wollen möglichst schnell nach Hause. Dieses Verhalten zeugt allerdings von einer großen Respektlosigkeit dem Reiter gegenüber, dem sich das Pferd offensichtlich darüber hinaus auch nicht anvertrauen mag.

Was tun, wenn das Pferd durchgeht?

Das erste Gebot für den Reiter auf einem durchgehenden Pferd lautet: Ruhe bewahren. Er muss die Übersicht behalten, um rechtzeitig abwenden zu können, wenn eine Gefahrenquelle näher kommt. Wenn Platz genug ist, wird das Pferd in einen großen Kreis gelenkt, der nach und nach enger (und damit auch langsamer) wird. Achtung: Das Pferd muss gut am Außenzügel gehalten werden, um das Risiko eines Sturzes zu vermindern. Besteht diese Möglichkeit nicht, nimmt der Reiter die Zügel energisch an, um direkt wieder nachzugeben. Dies wird solange wiederholt, bis das Pferd auf das Annehmen der Zügel reagiert.

Ursachenbekämpfung

Langfristig muss daran gearbeitet werden, dass die Krisensituation gar nicht erst entsteht. In der Reitbahn wird die Durchlässigkeit und Aufmerksamkeit des Pferdes verbessert und gefestigt, so dass die Reiterhilfen immer feiner werden. Auch im Gelände wird mithilfe von Übergängen und großen Wendungen die Aufmerksamkeit des Pferdes gefordert und erhalten und auf einen sensiblen Kontakt Wert gelegt. Hat sich der Reiter nicht nur im Sattel, sondern auch im täglichen Umgang den Respekt und das Vertrauen seines Pferdes erworben und sich als souveräner Führer erwiesen, wird das Pferd ihm auch in einer scheinbaren Gefahrensituation folgen. (Britta Schön) 
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