Das neugeborene Fohlen

Die erste Bekanntschaft des Fohlens mit dem Menschen sollte durch eine ruhige und freundliche Herangehensweise geprägt werden. Lassen Sie dem Fohlen Zeit, sich an seine neue Umwelt zu gewöhnen.
 
© N.Beschedsnick
Fohlen werden gerade in den ersten Lebenstagen noch recht schnell müde und schlafen viel.
Bereits nach wenigen Minuten wird das Fohlen das erste Mal versuchen aufzustehen. Instinktiv sucht es als Erstes nach dem Euter seiner Mutter. Diese erste Milch enthält das Kolostrum, das für unser Fohlen beim Start ins Leben von entscheidender Bedeutung ist. Mit dieser Milch wird zum einen das Darmpech freigesetzt, das den Darmausgang des Fohlens verstopft und unbedingt gelöst werden muss; zum anderen gibt die Stute über diese erste Milch nicht nur besonders gehaltvolle Nahrung, sondern auch Antikörper an das Fohlen weiter, das auf diese Weise seine erste „Impfung“ erhält.

Nach etwa sechs Stunden sollten wir beobachten können, dass das Darmpech abgeht bzw. dass das Fohlen Kot absetzt. Andernfalls muss der Tierarzt eingreifen, um eine gefährliche Verstopfung zu verhindern. 

Imprinting

Beim so genannten Imprinting, das aus Amerika zu uns kommt, wird das Fohlen direkt nach der Geburt noch vor dem ersten Aufstehen durch den Menschen niedergehalten und in allen Körperöffnungen berührt, bis es keinen Widerstand mehr leistet. Dieses Vorgehen ist unbedingt abzulehnen! Hier wird in unverantwortlich grausamer Weise in das natürliche Erleben des Fohlens ebenso wie in die Mutter-Kind-Beziehung eingegriffen.

Erste Gehversuche

Einige Stunden nach der Geburt steht das Fohlen schon recht sicher auf den Beinen und versucht sich in ersten Sprüngen. Auf der Weide geborene Fohlen sind nun klar im Vorteil, aber auch dem „Boxenkind“ sollten wir schon heute etwas Auslauf gönnen. Wenn draußen die Aprilstürme toben oder Schnee und Kälte herrschen, ist es eventuell sinnvoll, damit noch etwas zu warten – doch ein paar Regentropfen oder etwas kühlere Temperaturen werden dem Fohlen nicht schaden.

Wenn das Fohlen nicht in der Herde geboren wurde, gönnen wir ihm noch etwas Ruhe vor neugierigen Pferden. Eine verletzungs- und fohlenausbruchssicher eingezäunte Extra-Koppel nahe am Stall bietet sich für diesen Zweck an.

Wenn wir die Stute herausführen, wird das Fohlen von alleine dicht bei seiner Mutter bleiben. Dennoch sollten ein paar Helfer vor allem die Engstellen sichern: Es gilt dafür zu sorgen, dass das Fohlen auch die Stalltür und das Weidetor richtig „trifft“. Wenn es einmal auf der falschen Seite der Wand oder des Zauns gelandet ist, wird es sich nicht allein zurechtfinden – in diesem Fall müssen wir die Stute noch einmal zurückführen und das Fohlen abholen, ehe es in Panik gerät.

Fohlen werden gerade in den ersten Lebenstagen noch recht schnell müde und schlafen viel. Sorgen Sie für eine trockene, saubere und warme Liegefläche, damit sich das Fohlen von seinen anstrengenden Ausflügen erholen kann. (Britta Schön)
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