Pferdebeurteilung: Exterieur und Bewegungsqualität | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Pferdebeurteilung: Exterieur und Bewegungsqualität

Das eigene Pferd wird oft gänzlich kritiklos geschätzt und geliebt. Und das ist auch gut so. Doch nun schauen Sie genau hin: Werfen Sie einen ehrlichen und vorurteilsfreien Blick auf Ihr Pferd.
 
Es ist immer interessant, das eigene Pferd einmal kritisch zu beurteilen. Im Hinblick auf einen möglichen Zuchteinsatz ist es unverzichtbar. Vier Augen sehen mehr als zwei: Um größt mögliche Objektivität zu gewährleisten, empfiehlt es sich unbedingt, eine zweite Person, möglichst einen Fachmann, hinzuzuziehen. Des Weiteren benötigt man eine „Vorführhilfe“: einen hilfsbereiten Menschen, der das Pferd vorführt und präsentiert.

Im Stand

Die Vorgehensweise entlehnen Sie dem Gang der offiziellen Beurteilung durch berufene Richter bei einer Stutenschau. Wie dort beginnen Sie also mit der seitlichen Aufstellung: Das Pferd wird parallel zu den „Richtern“, also zu Ihnen und Ihrem Fachmann, aufgestellt. Korrekt steht das Pferd mit der „offenen Seite“ zu den Richtern, d.h. Vorder- und Hinterbein der gegenüberliegenden Seite sind näher beieinander als die Beine auf der Ihnen zugewandten Seite.

Folgende Punkte können Sie nun begutachten: den Rasse- und Geschlechtstyp, die allgemeine Harmonie des Körperbaus, Kopf und Hals, Schulter und Widerrist, Rumpf, Rücken, Hinterhand, die Gliedmaßen seitlich mit den Gelenken und die Hufe. Dies alles wird im Hinblick auf die mögliche Nutzung des Pferdes beurteilt (siehe Bewertungskriterien im Stand).

In der Bewegung

Nachdem das Pferd sich im Stand präsentiert hat, wird es nun in der Bewegung vorgeführt. Dabei hat sich das Dreieck bewährt: Die Richter stehen an der unteren Spitze. Der Vorführer läuft nun gerade von den Richtern weg, so dass diese beobachten können, wie die Hinterhufe des Pferdes auffußen. Die lange Seite des Dreiecks befindet sich gegenüber den Richtern. Hier zeigt sich die Trabfolge im Seitenbild, wobei Schwung und Elastizität des Ganges bewertet werden können. Zuletzt geht es wieder gerade auf die Richter zu, die nun die Vorderbeine im Visier haben.

Auch dem Schritt kommt große Bedeutung zu. Bitten Sie den Vorführer, das Pferd in einem großen Kreis um Sie herumzuführen. Der Galopp kann nicht an der Hand gezeigt und beurteilt werden, sondern muss freilaufend präsentiert werden (siehe Bewertungskriterien in der Bewegung).

Konsequenzen

Kaum ein Pferd entspricht in allen Punkten der Idealvorstellung. Und immer wieder überzeugen auch Pferde mit deutlichen Abweichungen vom Ideal, mit Gebäudefehlern oder Fehlstellungen, mit erstaunlichen Leistungen. Nicht jede Abweichung, nicht jeder Fehler des Pferdes kommt einer Katastrophe gleich oder stellt direkt die Zuchttauglichkeit in Frage.

Es kommt nun darauf an, das Pferd in seiner Gesamtheit beurteilend einzuordnen. Und zu dieser Gesamtheit gehört nicht zuletzt ebenso wie die Rittigkeit auch der Charakter, der bei der überwiegend äußerlichen Beurteilung bei einer Zuchtschau oft stark ins Hintertreffen gerät, obwohl ein ruhiges Wesen beim Freilaufen durchaus hervortreten kann. (Britta Schön)
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