Die Skala der Ausbildung

Die Skala der Ausbildung beschreibt die verschiedenen Phasen der Ausbildung des jungen Pferdes. Sechs Punkte benennen sowohl den Weg als auch das Ziel. Erst nach Jahren ist die höchste Stufe erreicht.
 
Takt, Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung, Geraderichten, Versammlung – so lauten die einzelnen Stufen der Skala der Ausbildung. Die hier scheinbar klar vorgegebene Reihenfolge ist jedoch selbstverständlich nicht so chronologisch umzusetzen, zwangsläufig entwickeln sich manche Aspekte parallel und greifen ineinander, während andere klar aufeinander aufbauen.

Der Weg ist das Ziel

Als höchste Stufe der Ausbildung steht die Versammlung am Ende der Skala. Nur, wenn alle vorhergehenden Phasen erfolgreich abgeschlossen wurden, kann das Pferd ehrlich und korrekt versammelt werden. Aber nicht jeder Reiter strebt die Versammlung seines Pferdes als Ziel der Ausbildung an: Manchen ist ein frisches Vorwärts entschieden lieber, andere möchten vielleicht nur gemütlich durch den Wald gondeln. Doch auch in diesen Beispielen verliert die Skala der Ausbildung nichts von ihrer Bedeutung. Die Ausbildung des jungen Pferdes dient nicht dazu, auf Turnieren zu Ehren zu kommen oder die Bedürfnisse des Reiters zu erfüllen – diese Dinge sind sozusagen Nebenprodukte. Eigentliches Ziel der Ausbildung muss es sein, das Pferd in die Lage zu versetzen, seine Aufgabe als Reitpferd gesund und schmerzfrei zu erfüllen. Pferde sind von der Natur nicht dafür geschaffen geworden, Menschen zu tragen: Wir sind daher verpflichtet, sie entsprechend auszubilden, damit sie keinen Schaden nehmen.

So ist jeder Aspekt der Skala für sich genommen wichtig und unverzichtbar. Nur das losgelassene und geradegerichtete Pferd kann seinen Reiter korrekt tragen. Versammelnde Übungen erhöhen die Tragkraft.

Die Gewöhnungsphase

Die ersten drei Punkte der Skala der Ausbildung werden als Gewöhnungsphase bezeichnet. Dies schlägt sich auch in der Benennung der „Gewöhnungsprüfung“ für drei- und vierjährige Pferde nieder. Zu Beginn der Ausbildung stehen also die Punkte Takt, Losgelassenheit und Anlehnung im Vordergrund. Mit diesen drei Punkten wird die Zusammenarbeit von Reiter und Pferd aufgebaut, gefestigt und verfeinert, so dass eine tragfähige Basis für die weiterführende Ausbildung des Pferdes geschaffen wird.

Schubkraft und Tragkraft

Die Entwicklung der Schubkraft des Pferdes wird durch die Losgelassenheit, die Anlehnung, den Schwung und das Geraderichten gefördert. Schubkraft kommt aus der Hinterhand des Pferdes. Ein aktives Abfußen der Hinterhufe, ein weites Untertreten unter den Schwerpunkt und ein damit verbundener entsprechender Raumgewinn werden gewünscht. Die Entwicklung der Schubkraft stellt bereits hohe Ansprüche an Reiter und Pferd.

Schwung, Geraderichten, Versammlung – in diesen drei Punkten der Ausbildungsskala geht es um die Entwicklung der Tragkraft. Die Last wird vermehrt mit der Hinterhand aufgenommen, am Ende der Entwicklung steht das versammelte Pferd.

Das tägliche Training

Die Skala der Ausbildung ist einerseits ein Langzeitplan, der den langen Prozess der Ausbildung des Pferdes beschreibt. Andererseits lässt sie sich jedoch auch sinnvoll auf das tägliche Training übertragen. Takt, Losgelassenheit und Anlehnung: Diese Punkte beschreiben die Lösungsphase, die am Beginn jeder Reitstunde stehen muss. Je nach Ausbildungsstand können im weiteren Verlauf der Trainingseinheit auch die weiteren Punkte erarbeitet werden. (Britta Schön)
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