Trägheit an der Hand | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Trägheit an der Hand

Schon kurze Wege gestalten sich mühsam, wenn das Pferd sich wie in Zeitlupe Schritt für Schritt am Halfter hinterherziehen lässt. Dieses Verhalten ist in jedem Fall ernst zu nehmen.
 
In diesem Fall ist es besonders wichtig, genau hinzuschauen, welcher Grund ursächlich für das Verhalten des Pferdes ist. Die wenigsten Pferde sind generell faul und träge.

Ursachenforschung
Wenn ein Pferd unlustig, träge, stumpf und uninteressiert wirkt, dann sollte das immer als Warnzeichen ernst genommen werden. Der erste Blick gilt daher dem Fütterungs- und Gesundheitszustand des Pferdes: Ist das Pferd zu mager? Glänzt das Fell? Sind die Zähne in Ordnung, geht das Pferd lahm oder hat sonstige Schmerzen? Wann wurde zum letzten Mal entwurmt? Schmerzen und Schwäche lassen jedes Pferd faul und träge erscheinen. Beobachten Sie Ihr Pferd auch auf der Weide und in der Gruppe: Verhält es sich normal? Der zweite Blick gilt Haltung und Training. Eine artgerechte Haltung trägt viel zur Zufriedenheit des Pferdes bei. Wirkt das Pferd ausgeglichen und freundlich oder desinteressiert und stumpf? Arbeitet es freudig mit? Ist der Arbeitsalltag eintönig oder abwechslungsreich? Die Motivation des Pferdes ist ein wichtiger Punkt. Dazu gehört auch Abwechslung im Training, ohne das Pferd zu über- oder unterfordern. Manche Pferde sind aber auch lediglich unkonzentriert und trödeln herum, weil sie sich schnell ablenken lassen. So wird der Vogel im Gebüsch wichtiger als der Führer, ebenso wie das Gras am Wegrand. Hier fehlt es an Respekt und Vertrauen gegenüber dem Menschen. Und es gibt tatsächlich Pferde, die es gerne gemütlich mögen und sich nicht mehr bewegen als unbedingt nötig.

Was tun?
In der konkreten Situation ist es wichtig, die richtige Ausrüstung zur Hand zu haben. Vor allem braucht der Führer eine lange Gerte, mit der er das Pferd an der Hinterhand erreichen kann. So kann er zusätzlich zu einem auffordernden Stimmkommando die Gerte unterstützend einsetzen. Dazu reicht ein kurzer Tick. Reagiert das Pferd nicht darauf, wird der Führer sofort energischer. Sobald das Pferd fleißiger geht, wird es gelobt. Wenn der Führer vor dem Pferd steht, sich zu ihm umwendet und dann am Strick zieht, geht meistens gar nichts mehr. In keinem Fall darf der Führstrick gespannt und das Pferd tatsächlich gezogen werden. Stattdessen lässt sich der Führer ausnahmsweise relativ weit neben dem Pferd zurückfallen und geht auf Schulterhöhe des Pferdes. So erreicht er am besten die Hinterhand des Pferdes mit der Gerte und behält das Pferd gewissermaßen vor sich. Bei wirklich jedem Führen wird das Pferd dazu animiert, fleißig auszuschreiten. Bei entsprechender Konsequenz wird das schnell zur Selbstverständlichkeit. (Britta Schön)
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