Gardian-Reitweise | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Gardian-Reitweise

Die Gardians sind die Rinderhirten der Camargue. So ist die Gardian-Reitweise untrennbar mit den weißen Pferden und den schwarzen Stieren dieser einzigartigen Landschaft verbunden.
 
Kennzeichen der Camargue sind die Sümpfe. In dieser eher feindlichen Umgebung werden Mensch und Pferd große Leistungen abverlangt. Hier leben die berühmten schwarzen Kampfstiere der Camargue, die relativ klein, aber äußerst wendig und flink und darüber hinaus als sehr aggressiv bekannt sind.

Ursprünge
Die Arbeit des Gardians ist ähnlich der des spanischen Vaqueros oder des amerikanischen Cowboys – er hütet die Rinder, sortiert einzelne Tiere aus, treibt die Herde um und kontrolliert die riesigen Weideflächen. Erschwert wird das durch die sumpfige Umgebung, in der ein Fehltritt fatale Folgen haben kann. Statt des Lassos arbeitet der Gardian vom Pferd aus mit dem Dreizack, „Trident“ genannt. Da die schwarzen Stiere durchaus gefährlich sind, muss der Gardian stets auf der Hut sein.

Charakteristik
Eine Besonderheit dieser Reitweise ist die untrennbare Verbindung mit der dazugehörigen Pferderasse, da das Gardian-Reiten tatsächlich nur im überschaubaren Gebiet des Rhône-Deltas praktiziert wurde. Die bekannten Schimmel dieser Landschaft, die Camargue Pferde, leben halbwild auf großen Flächen, ebenso wie die schwarzen Rinder. Im Verlauf ihrer Ausbildung werden sie langsam und schonend aufgebaut, so dass sie schließlich absolute Verlasspferde sind, die auf kleinste Signale reagieren. Bei der Arbeit werden die Pferde einhändig auf blanke Kandare geritten, nachdem sie zunächst mit dem Kappzaum eingeritten und dann mit vier Zügeln an die Kandare gewöhnt wurden. Ebenso wie andere Arbeitsreitweisen ist das Gardian-Reiten eine Signalreitweise. Bequemlichkeit für den Reiter steht ebenso wie beim Westernreiten im Vordergrund. Wendigkeit und Trittsicherheit des Pferdes sind unverzichtbar, ebenso wie Spurtstärke und schnelle Reaktionen. Aufrichtung und Versammlung gehören ebenfalls untrennbar zum Gardian-Reiten: Hier zeigen sich wie bei der Doma Vaquera deutliche Unterschiede zum Westernreiten. Auch wenn die Camargue Pferde als Hirtenpferde gezüchtet sind, stehen sie doch deutlich im barocken Typ und zeigen ein natürliches Talent für die Versammlung.

Gardian-Reiten heute
In den letzten Jahrzehnten hat sich eine kleine Turnierszene entwickelt. Hier gibt es sowohl Prüfungen mit dem Schwerpunkt auf der Dressur als auch Wettkämpfe, die die Arbeit mit den Rindern in den Vordergrund stellen. Von Vorführungen auf Pferdeshows her bekannt und beliebt ist das Spiel mit dem Blumenstrauß, der aus vollem Lauf vom Pferd aus aufgehoben werden und dem Besitzer abgejagt werden muss.  Eine Hauptaufgabe der Camargue Pferde heute ist darüber hinaus nicht mehr nur die Arbeit mit den Rindern, sondern auch die Arbeit mit den Touristen. Viele Pferde tragen zuverlässig Tag für Tag Besucher und Urlauber durch die ursprüngliche Landschaft.
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