Welche Reitweisen gibt es?

Die deutsche Reitweise hat eine lange Tradition. Grundlage sind die „Richtlinien für Reiten und Fahren", herausgegeben von der FN (Fédération Equestre Nationale = Deutsche Reiterliche Vereinigung).
 
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Welche Reitweisen gibt es?
Umgangssprachlich wird die deutsche Reitweise oft fälschlich als „Englischreiten“ bezeichnet. Woher dieser Begriff kommt, ist nicht ganz klar; eindeutig ist jedoch, dass sich die deutsche Reitweise in Deutschland entwickelt hat und deutlich von der traditionellen englischen Reitweise abweicht, in der vor allem das Jagdreiten einen großen Stellenwert hatte, während Dressur kaum eine Rolle spielte.

Die Ursprünge

Die deutsche Reitweise hat sich über Jahrhunderte hinweg entwickelt. So finden wir heute noch in den schweren Dressurprüfungen Elemente der Hohen Schule der Barockreitens. Später gingen die Impulse für die Reiterei vor allem vom Militär aus. So kam das Leichttraben hinzu, das den Soldaten ermöglichte, auf dem Weg zur Front kräfteschonend lange Strecken in schnellem Tempo zurückzulegen. Auch natürliche Hindernisse mussten überwunden werden, das Klettern hangauf, hangab war ebenso wichtig wie das Durchreiten von Furten beispielsweise. Durch diese militärische Tradition weist die deutsche Reitweise auch heute noch große Vielseitigkeit auf: Dressur ist die Basis, doch auch Springen und das Reiten im Gelände sind unverzichtbare Bestandteile der Ausbildung von Reiter und Pferd.

Heute finden wir diese Vielseitigkeit im großen Sport eben in der Vielseitigkeit, der Military, auch die „Krone der Reiterei“ genannt, bei der drei Teilprüfungen in den Disziplinen Dressur, Springen und Gelände absolviert werden.
Der Springsitz allerdings leitet sich nicht von einem Deutschen, sondern von einem Italiener ab: Der Rittmeister Federico Caprilli entwickelte den modernen Springstil, der den Rücken des Pferdes entlastet und mit der Bewegung des Pferdes mitgeht.

Charakteristik

In der deutschen Reitweise steht der Reiter in ständigem Kontakt mit dem Pferd. Über Gewichts-, Schenkel- und Zügelhilfen wirkt er auf das Pferd ein und erhält jederzeit eine Rückmeldung. Das Pferd steht an den Hilfen und geht in Anlehnung, d.h. Reiterhand und Pferdemaul stehen kontinuierlich über die Zügel in leichter Verbindung. So erfordert diese Reitweise eine hohe Konzentration auf das Pferd und unterscheidet sich dadurch deutlich von den Arbeitsreitweisen wie beispielsweise dem Westernreiten, der Doma Vaquera oder der Gardian-Reitweise.

Ziel ist ein losgelassenes, sich selbst tragendes und ausbalanciertes Pferd, das in Harmonie mit dem Reiter agiert. Die dressurmäßige Gymnastizierung ist die Grundlage der Pferdeausbildung und als solche auch für den Springparcours und den Geländeritt unabdingbar. Grundsätzlich ist jedes Pferd für diese Reitweise geeignet, der Turniersport wird jedoch von Warmblütern wie den deutschen Reitpferderassen dominiert.
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