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Steckbrief: Chinesische Rotbauchunke

Chinesische Rotbauchunken sind tagaktiv und dämmerungsaktiv. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Systematik, Nachwuchs, Aufzucht, Sinnesleistungen, Ernährung und Haltung der Chinesischen Rotbauchunke.
 
© Stephane Hachey / iStockphoto
Chinesische Rotbauchunken sollte man keinesfalls mit anderen Unkenarten, egal ob europäische oder asiatische, vergesellschaften.

Steckbrief

  • Körperlänge: 60 mm
  • Lebenserwartung: 20 - 25 Jahre
  • Verbreitung: nordöstl. China, Korea, östl. Sibirien, Tsushima und Kyushu-Inseln, Japan
  • Lebensraum: fließende und stehende Gewässer, Sümpfe, Reisfelder
  • Lebensweise: tag- und dämmerungsaktiv
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Amphibien (Lurche)
  • Ordnung: Anura (Froschlurche)
  • Familie: Bombinatoridae (Unkenartige)
  • Gattung: Bombina (Unken)
  • Art: Bombina orientalis (Chinesische Rotbauchunke)

Aussehen

Bombina orientalis hat einen flachen, an Kröten erinnernden Körper. Der abgeflachte Kopf endet in einer runden Schnauze, die hervorstehenden Augen zeigen herzförmige bis dreieckige Pupillen. Die Oberseite der Unke ist mit zahlreichen Warzen besetzt, die Bauchseite erscheint glatter. Die Extremitäten enden in jeweils vier Zehen. Die Oberseitenfärbung kann kräftig grün, bronzefarben oder bräunlich sein, immer ist sie mit schwarzen Flecken und Strichen gezeichnet. Die Zehen weisen eine rötliche oder gelbliche Spitze auf. Die Bauchseiten sind gelb- bis kräftig rot in der Grundfarbe, dazu kommen schwarze Flecken. Die Variation dabei liegt zwischen nahezu Ungefleckt bis fast Schwarz. Männliche Unken kann man an den längeren Extremitäten, den deutlich größeren Schwimmhäuten der Hinterfüße und während der Paarung an den Brunftschwielen erkennen.

Nachwuchs und Aufzucht

Bereits während der Überwinterung bilden die Männchen ihre Brunftschwielen aus, die Weibchen bisweilen schon den ersten Laichansatz. Lässt sich ein Weibchen von einem rufenden Männchen anlocken, wird es sofort in der Lendenregion umklammert. Eine Paarung kann sich über mehrere Tage hinziehen. Der Laich wird meistens nachmittags oder abends abgesetzt und liegt nach der Besamung am Boden oder haftet an Pflanzen. Die Larven schlüpfen nach wenigen Tagen (drei bis sieben Tage bei 20 bis 25° C Wassertemperatur) und werden in Behältern in Gruppen von zehn bis 15 Stück mit leichtem Pflanzenbewuchs aufgezogen. Ein mehrmals tägliches Füttern und Teilwasserwechsel sind ratsam. Je nach Temperatur des Wassers vollzieht sich die Metamorphose zum Froschlurch in 30 bis 50 Tagen.

Lebensweise und Verhalten

Chinesische Rotbauchunken sind tagaktiv und dämmerungsaktiv. Sie besiedeln langsam fließende Bäche in hügeligem Gelände und unteren Bergbereichen. Zur Fortpflanzungszeit begeben sie sich in stehende Gewässer, dabei bevorzugen sie Sümpfe und Reisfelder. Außerhalb der Fortpflanzungszeit verbringen sie den Tag versteckt in feuchten Nischen und Hohlräumen, verlassen diese aber bei Regen sofort zur Nahrungssuche. An Land bewegen sie sich hüpfend fort, wobei sie mehrere Sprünge hintereinander ausführen, um dann eine Pause zu machen. Im Wasser sieht man sie oft an oder knapp unter der Oberfläche mit ausgestreckten Hinterbeinen treibend. Bei normalen Schwimmbewegungen werden die Vorderbeine ausgestreckt gehalten, bei einer schnellen Flucht werden sie an die Körperseiten angelegt. Zum Schutz vor Beutegreifern können sie giftige Sekrete aus Drüsen absondern, zudem den „Unkenreflex“ als Schutz- und Drohverhalten anwenden. Dabei werden Kopf und Afterregion angehoben sowie die Vorder- und Hinterbeine nach oben gebogen, bis man die auffallend gefärbte Unterseite sieht.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Wie alle Unkenarten, reagieren auch die Chinesischen Rotbauchunken auf die Änderungen von Luftdruck und auf Niederschläge. Die Männchen rufen während der Paarung. Dabei sind die Lungen dermaßen mit Luft angefüllt, dass sie in diesem Stadium nicht abtauchen können. Wird aus Versehen ein anderes Männchen umklammert, so gibt dieses einen Befreiungsruf ab. Beim Aufspüren von Beutetieren spielen neben dem gut entwickelten Sehen auch Berührungsreize eine Rolle, die mit der Haut aufgenommen werden. Die in der Unterhaut befindlichen Farbzellen sind in der Lage, sich auszubreiten und zusammenzuziehen. Dadurch kann das farbliche Erscheinungsbild der Unke aufhellen oder abdunkeln.

Ernährung

Die natürliche Nahrung stellen Wirbellose wie Insekten, deren Larvenformen und Würmer. Im Terrarium können alle üblichen Futtertiere angeboten werden: verschiedene Arten von Grillen, Heimchen, Würmerarten, Fliegen, Maden und Asseln. Kaulquappen werden anfangs mit Löwenzahn, Wegerich und Salatblättern ernährt. Später können geringe Mengen Fischflocken angeboten werden. Erst nach der Metamorphose werden den Jungfröschen Tubifex und Mückenlarven als erste Nahrung geboten.

Haltung

Die Unken sind empfindlich gegen Austrocknung, daher empfiehlt sich als Aquaterrarium für zwei Männchen und drei bis vier Weibchen ein Glasbecken von 100 x 50 cm Grundfläche. Ein Freilandbecken sollte deutlich größer sein und einen Teich mit großzügigen Flachwasserzonen aufweisen. Eine Bepflanzung ist empfehlenswert, jedoch sollten freie Schwimmräume nicht fehlen. Das Filtern des Wassers ist anzuraten, jedoch nicht zwingend notwendig. Die Wassertemperatur sollte 20 bis 24° C betragen, eine Heizung ist in normal temperierten Wohnräumen nicht unbedingt erforderlich. Auf einem Landteil sollte durch Beleuchtung ein Temperaturspot von etwa 30° C angeboten werden. Die Überwinterung sollte bei 4 bis 6° C in Extra-Becken mit nur geringem Wasserstand durchgeführt werden. 

Hätten Sie's gewusst?

Chinesische Rotbauchunken sollte man keinesfalls mit anderen Unkenarten, egal ob europäische oder asiatische, vergesellschaften. Denn sonst kann es unbeabsichtigt zur Erzeugung von Arthybriden (Artbastarden) kommen.

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