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Steckbrief: Gestreifter Blattsteiger

Gestreifte Blattsteiger hören ausgezeichnet, da sie den ihrer Art eigenen Lockruf identifizieren müssen. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Systematik, Nachwuchs, Aufzucht, Sinnesleistungen, Ernährung und Haltung des Gestreiften Blattsteiger.
 
© Luis Cesar Tejo / iStockphoto
Scheinbar entsteht die namensgebende Giftigkeit der Blattsteiger nur durch die spezielle Nahrungszusammensetzung im Originalhabitat.

Steckbrief

  • Körperlänge: um 30 mm, Männchen bis 26 mm
  • Lebenserwartung: unter 10 Jahren
  • Verbreitung: Mittelamerika (Costa Rica, Panama)
  • Lebensraum: Bodenbereiche bis max. 1 m Höhe in Bachnähe im Regenwald
  • Lebensweise: bodenliebend, Männchen attackieren sich häufig
  • Artbestand: gefährdet, BartschV 2, WA Anhang B

Systematik

  • Klasse: Amphibien (Lurche)
  • Ordnung: Anura (Froschlurche)
  • Familie: Dendrobatidae (Färberfrösche)
  • Gattung: Phyllobatus (Blattsteiger)
  • Art: Phyllobatus vittatus (Gestreifter Blattsteiger)

Aussehen

Ein mittelgroßer Blattsteiger, der an der Oberseite eine schwarze Grundfarbe zeigt. Zwei auffällige und namensgebende Streifen in gelboranger bis goldoranger Farbe ziehen sich von der Kopfspitze bis zum Hinterteil über den gesamten Körper. Einige Exemplare weisen zudem einen medianen Rückenstreifen auf. Die Seiten sind häufig türkisfarben und unregelmäßig schwarz gemustert, der Bauch ist grünlich bis bläulich-grün mit schwarzer Sprenkelung. Die Extremitäten sind ebenfalls türkis und mit kleinen schwarzen Punkten versehen.

Nachwuchs und Aufzucht

Wie alle Pfeilgiftfrösche haben auch die Gestreiften Blattsteiger ein sehr interessantes und spezialisiertes Fortpflanzungsverhalten. Die männlichen Frösche sitzen vor oder auf ihrer Bruthöhle und versuchen durch ein artspezifisches Trillern, das mehrere Sekunden zu hören sein kann, ein paarungswilliges Weibchen anzulocken. Gelingt ihnen dies, legt das Weibchen sein Gelege in die Höhle auf den Boden, wo es vom Männchen befruchtet, bewacht und bewässert wird. Nach dem Schlupf der Kaulquappen bringt der Frosch seinen Nachwuchs auf dem Rücken in das nächste stehende Gewässer. In Menschenobhut entnimmt man das befruchtete Gelege und stellt es, bei 25° C Wassertemperatur, 1bis 2 mm vom Wasser umspült, dunkel ab. Nach ca. zwölf Tagen schlüpfen die ungefähr 1 cm großen Quappen. Sie werden in 20 x 20 cm großen Aquarien bei einem Wasserstand von 4 bis 5 mm und mit einigen Eichenblättern (die verwelkt sein müssen) zum Verstecken aufgezogen. Wenn der Dottersack aufgebraucht ist, also nach drei Tagen, wird gefüttert. Nach und nach erhöhen wir den Wasserstand. Zwei Wochen später werden die Jungen in ein schon länger betriebenes Aquarium verbracht, in dem sie sparsamer gefüttert werden, da sie hier zusätzlich Algen fressen. Nach etwa 75 Tagen gehen die Nachzuchten an Land und beziehen ein Terrarium, möglichst mit fließendem, aber auch flachem Wasser.

Lebensweise und Verhalten

Trotz seines deutschen Namens hält sich der Gestreifte Blattsteiger fast ausschließlich auf dem Boden und in flachen Gewässern auf. Er bevorzugt Hohlräume, die sich am Rand jener Bachläufe bilden, die sein Biotop durchziehen. Wichtig bei schnell fließenden Bachläufen ist auch, dass sich ab und zu ruhige Flachwasserstellen bilden, wo die Kaulquappen eingesetzt werden können. Aufgrund seines Hautgiftes muss er Beutegreifer nicht fürchten. Diese Froschart pflanzt sich das ganze Jahr hindurch fort, und die Männchen unterbrechen ihr Werben nur, um Futter zu erjagen. Rivalen werden erbittert attackiert und in einer Art Ringkampf auf den Boden gedrückt. In den meisten Fällen flüchtet der Eindringling ziemlich schnell.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Gestreifte Blattsteiger hören ausgezeichnet, da sie den ihrer Art eigenen Lockruf identifizieren müssen. Ihr Gesichtssinn ist gut ausgeprägt, bei der Fütterung im Terrarium kann man sehr gut beobachten, wie das (teilweise sehr kleine) Futter durch wiederholte Kopfbewegungen fokussiert wird, bevor es mit der Zunge „geschossen“ wird. Über ihren Geruchssinn lassen sich wenig Aussagen treffen. Nicht paarungswillige Weibchen bemühen sich, den Männchen aus dem Weg zu gehen, oder ignorieren sie einfach. Wie groß der Anteil der Atmung durch die Haut genau ist, kann nicht exakt festgestellt werden.

Ernährung

Neben bei den Dendrobaten üblichen Fruchtfliegen (Drosophila) stehen auch kleine Wachsmaden, Grillen, Heimchen und Springschwänze auf dem Speiseplan von P. vittatus. Mindestens einmal wöchentlich werden die Insekten durch ein Vitamin-Kalk-Gemisch aufgewertet. Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der hochwertigen Ernährung der Alttiere, speziell der Zuchtweibchen, und der Vermeidung von Missbildungen („Streichholzbeine“) beim Nachwuchs. Quappen werden zuerst mit Trockenfutter aus der Aquaristik, Mückenlarven, Wasserflöhen und Frostfutter gefüttert. Frisch metamorphierte Frösche werden wie die Alttiere gefüttert, nur in der Größe angepasst.

Haltung

Da der Aktionsradius dieser Froschart ziemlich groß ist, muss für 1,2 (ein Männchen, zwei Weibchen) Gestreifte Blattsteiger ein Terrarium (natürlich wasserdicht verklebt) der Größe 80 x 40 x 40 cm (Länge x Tiefe x Höhe) eingerichtet werden. Sollen mehrere Männchen gemeinsam gepflegt werden, kann dies nur in Behältern ab 120 cm Länge geschehen, damit einzelne Reviere gebildet werden können. Die Temperatur muss zwischen 26 und 30° C am Tag und 21 bis 25° C in der Nacht betragen; die Beleuchtung spielt keine so große Rolle. Die Luftfeuchtigkeit sollte 80 Prozent nicht unterschreiten, und eine Bepflanzung sieht nicht nur gut aus, sondern bietet auch Verstecke und erhält das Mikroklima. Wurzeln und Steine schaffen neben den eigentlichen Bruthöhlen (hier eignen sich kleine Blumentöpfe mit einer Einschlupföffnung auf einer Petrischale) leicht erhöhte Plätze, die von den Männchen gerne zum Rufen aufgesucht werden. Unabdingbar ist ein Bachlauf, der über einen kleinen Außenfilter laufen sollte. Das Wasser darf nicht zu tief sein! Die Aquarien zur Jungenaufzucht sollten nur grob gefiltert werden, da die kleinen Frösche viel von den Schwebstoffen fressen.

Hätten Sie's gewusst?

Scheinbar entsteht die namensgebende Giftigkeit der Blattsteiger nur durch die spezielle Nahrungszusammensetzung im Originalhabitat, da Versuche ergeben haben, dass Gestreifte Blattsteiger nach mehreren Monaten in Menschenobhut nur noch einen Bruchteil ihrer Toxität aufweisen und somit zum Vergiften von Blasrohrpfeilspitzen nicht mehr geeignet wären. Nehmen wir einen Gestreiften Blattsteiger ungeschützt in die Hand, sind unsere Schweiß- und Sekretabsonderungen durch seine Hautatmung für ihn gefährlicher als er für uns. Deswegen ist es Unsinn, dass Dendrobaten in manchen Bundesländern als gefährliche Tiere gelten.

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