Steckbrief: Goldbaumsteiger | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief: Goldbaumsteiger

Goldbaumsteiger können gut sehen, wie man beim abrupten Verharren und Kopfdrehen feststellen kann, wenn ihnen Beutetiere ins Blickfeld geraten. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Systematik, Nachwuchs, Aufzucht, Sinnesleistungen, Ernährung und Haltung des Goldbaumsteiger.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Dendrobates auratus kommt in Costa Rica an beiden Ozeanküsten vor.

Steckbrief

  • Körperlänge: 38 mm (Männchen), 42 mm (Weibchen)
  • Lebenserwartung: 6 - 8 Jahre
  • Verbreitung: Südliches Mittelamerika bis nördliches Südamerika
  • Lebensraum: Bodenbereiche, Sträucher, Fließgewässer
  • Lebensweise: ständig auf Nahrungssuche
  • Artbestand: gefährdet nach BartschV 2, WA Anhang B

Systematik

  • Klasse: Amphibien (Lurche)
  • Ordnung: Anura (Froschlurche)
  • Familie: Dendrobatidae (Pfeilgiftfrösche)
  • Gattung: Dendrobates (Blattsteiger)
  • Art: Dendrobates auratus (Goldbaumsteiger)

Aussehen

Der Goldbaumsteiger ist ein mittelgroßer Pfeilgiftfrosch, bei dem die Weibchen deutlich größer und massiger gebaut sind als die männlichen Tiere. Die Färbung ist sehr unterschiedlich, die Basisfarbe ist entweder Schwarz oder Braun, hier allerdings auch in verschiedenen Abstufungen. Die Flecken, Streifen oder sonstigen Muster, die die Tiere zieren, sind blau bis grün oder gelblich angelegt. Rot oder Orangefarben kommt in der Musterung nicht vor. Der Bauch ist stets schwarz gefärbt. Mitunter sind seitliche Rückenstreifen vorhanden, die relativ breit ausfallen und sich von Blau über Grün bis Gelb in allen möglichen Abstufungen präsentieren.

Nachwuchs und Aufzucht

Wenn sich ein paarungsfähiges Weibchen von den schnarrenden Rufen des Männchens angezogen fühlt, bedrängt es das männliche Tier regelrecht, und das Terrarium wird nach einem geeigneten Ablageplatz durchsucht. Wichtig bei den Paarungsritualen ist die Vorderbeinbewegung des Weibchens: Erst wird gewinkt und dann dem Froschmännchen über den Rücken gestreift. Auf dem erwählten Platz, meist einem Blatt, legt das Weibchen fünf bis zehn Eier, die vom Männchen befruchtet werden. In Menschenobhut wird das Gelege entnommen und in flache Schalen gegeben, worin sie bei 25° C leicht umspült werden. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit sollten die Schalen abgedeckt werden. Nach dem Schlupf, also nach ungefähr zwei Wochen, werden die geschlüpften Quappen einzeln, da sie sich gegenseitig oft anfressen, bei 1 mm Wasserstand, der bei jedem Wasserwechsel langsam bis auf 5 cm erhöht wird, in geeigneten Gefäßen untergebracht. Zur Aufzucht finden Fischfutter, gehackte Regenwürmer, Frostfutter und Hundeflocken Verwendung. Hygiene ist äußerst wichtig, d.h. die Nahrungsreste und Ausscheidungen müssen täglich entfernt werden. Nach ungefähr 60 bis 70 Tagen gehen die Fröschlein an Land. Dies muss ihnen erleichtert werden, damit die Jungen nicht ertrinken. Sie werden in Kleinstterrarien gehalten und mit gut vitaminisierten und mineralisierten Kleinen Drosophila gefüttert.

Lebensweise und Verhalten

Meist hält sich Dendrobates auratus am Boden auf, er erklettert aber auch niedrige Sträucher und andere Vegetation. Gerne halten sich die Tiere im Laub verborgen, wo sie aufgrund ihrer Färbung sehr gut getarnt sind; meistens sind kleinere Fließgewässer in der Nähe. Ihre Hauptbeschäftigung ist die ständige Suche nach Nahrung, ihre Reproduktionszeit erstreckt sich über das ganze Jahr. Nach der Befruchtung bewacht das Männchen das Gelege, befeuchtet es immer wieder und trägt die geschlüpften Kaulquappen auf dem Rücken ins nächste geeignete Gewässer. Aufgrund ihres Hautsekretes und ihrer Signalfärbung haben Goldbaumsteiger nichts von Beutegreifern zu befürchten.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Goldbaumsteiger können gut sehen, wie man beim abrupten Verharren und Kopfdrehen feststellen kann, wenn ihnen Beutetiere ins Blickfeld geraten. Welche Rolle der Geruchssinn spielt, ist nicht geklärt. Dem Gehör muss Rechnung getragen werden, da ja die weiblichen Frösche die arttypischen, knarrenden Rufe der Männchen unter denen von anderen, gemeinsam im Habitat vorkommenden Froschlurchen identifizieren können. Die Motorik ist eine wichtige Form der Kommunikation, da die Weibchen die Initiative übernehmen und es ohne ihre Vorderbein-Gestik und dem „Streicheln“ des männlichen Tieres überhaupt nicht zur Paarung kommen würde.

Ernährung

Angereichert mit einem entsprechenden Vitamin-Mineral-Gemisch, um Missbildungen auch gerade bei den Nachzuchten vorzubeugen, finden mehr oder weniger beide Arten der Fruchtfliege (Drosophila) als einziges Futter Verwendung. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Springschwänze zu verfüttern. Im Gegensatz zu den Blattsteigern (Phyllobates) scheint der Schlund von Dendrobates auratum selbst für kleinste Grillen oder Heimchen zu eng zu sein. Ab und zu werden auch ganz kleine Würmer verzehrt.

Haltung

Die Haltung sollte in Terrarien der Maße 80 x 50 x 60 cm (Länge x Tiefe x Höhe) erfolgen, deren Wände mit Terrassen aus Kork beklebt sein können, damit speziell die rufenden Männchen auch erhöht sitzen können. Eine reichhaltige Bepflanzung, etwa mit kleinblättrigen Ficus-Arten, die das ganze Becken zuwuchern, schafft Verstecke und hält die Luftfeuchte im Becken. Zudem sieht es ansprechend aus, wenn wir einen Mini-Regenwald schaffen. Als Besatz können drei bis vier Tiere eingesetzt werden, bei mehreren Männchen können diese sich aus dem Weg gehen. Die Temperatur sollte 24 bis 29° C am Tag und 18 bis 21° C nachts betragen. Die Luftfeuchtigkeit muss hoch, im Frühling bis Herbst nahezu 100% sein. Aus diesem Grund muss das Terrarium gut belüftet sein, um Staunässe zu vermeiden. Ein kleines Wasserbecken darf nicht fehlen, ein imitierter Bachlauf mit einem Außenfilter erhöht die Luftfeuchtigkeit und steigert das Wohlbefinden der Frösche. Ein Muss sind Ablageplätze sowie halbe Kokosnussschalen oder kleine Blumentöpfe mit einem Einstiegsloch und welken Eichenblättern als Ablageplatz darunter.

Hätten Sie's gewusst?

Dendrobates auratus kommt in Costa Rica an beiden Ozeanküsten vor. Die beiden Populationen sind nicht nur sehr unterschiedlich gezeichnet und bewohnen verschiedene Habitate, sie erkennen sich auch bei einer potenziellen Paarung gegenseitig nicht zweifelsfrei.

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