Steckbrief: Blauer Taggecko | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief: Blauer Taggecko

Der Blaue Taggecko ist ein ausgesprochen großer und sehr kräftig wirkender Taggecko mit einer Gesamtlänge von bis zu knapp 30 cm. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Systematik, Nachwuchs, Aufzucht, Sinnesleistungen, Ernährung und Haltung des Blauen Taggecko.
 
© Bernd Kröger / Fotolia
Ungefähr zwei Drittel der Taggeckonahrung besteht aus Insekten.

Steckbrief

  • Körperlänge: bis 15 cm, gesamt bis 26 cm
  • Lebenserwartung: 15, selten über 22 Jahre
  • Verbreitung: SW-Madagaskar
  • Lebensraum: Trockenwälder, Dornbusch-Savanne, einzelne hohe Bäume
  • Lebensweise: territorial, paarweise lebernd
  • Artbestand: gefährdet nach BartschV, WA Anhang B

Systematik

  • Klasse: Reptilien (Kriechtiere)
  • Ordnung: Squamata (Schuppenkriechtiere)
  • Familie: Gekkonidae (Geckoartige)
  • Gattung: Phelsuma (Taggeckos)
  • Art: Phelsuma standingi (Blauer Taggecko)

Aussehen

Der Blaue Taggecko ist ein ausgesprochen großer und sehr kräftig wirkender Taggecko mit einer Gesamtlänge von bis zu knapp 30 cm. Die Tiere haben sehr kleine, kaum einzeln zu identifizierende Schuppen und kräftige Haftlamellen, die sie befähigen, selbst kopfüber an Terrariendecken entlangzulaufen. Der Kopf wirkt dreieckig, bei Männchen wuchtiger, und die großen Augen sind schwarz. Die Farbgebung ist ziemlich spektakulär, wobei hier die Qualität des angebotenen Lichtes und der Gemütszustand des Tieres maßgeblich beteiligt sind. Der Kopf ist gelblich mit grünlich-grauer Marmorierung, der Rücken türkisfarben und der Schwanz blau gehalten. Weibliche Tiere zeigen ab Erreichen der Geschlechtsreife Kalksäcke auf beiden Seiten des Schädels wie viele andere Geckoarten auch.

Nachwuchs und Aufzucht

Die Geschlechter sind schon ab einem Alter von ungefähr drei Monaten zu unterscheiden, da der Kloakenbereich der männlichen Tiere immer einen gelblichen Farbton aufweist. Später erkennt man die Männchen an ihren vergrößerten Femoralporen an den Oberschenkeln und die Weibchen an den erwähnten Kalksäcken. Die Paarungen finden im Frühling und Sommer statt und gestalten sich, im Vergleich zu anderen Taggeckos, als relativ unblutig und friedlich. Nach drei bis fünf Wochen werden für gewöhnlich zwei Eier auf dem Boden abgelegt (im Unterschied zu vielen anderen Phelsumenarten, die ihre Eier an Gegenstände kleben). Hierbei legt sich das Weibchen auf den Boden und dreht die Eier nach dem Austritt aus der Kloake so lange, bis die Kalkschale ausgehärtet ist. Dabei sollte man die Tiere keinesfalls stören! Die Eier werden im Terrarium belassen. Je nach Ort und Temperatur des Ablageplatzes schlüpfen die Jungtiere nach 57 bis 65 Tagen, oft mit ein bis fünf Tagen Unterschied, und suchen den Schutz der Eltern. Die jungen Taggeckos haben eine quergebänderte, bunte „Signalfarbe“, wohl damit die Elterntiere sie nicht mit Beuteinsekten verwechseln. Blaue Taggeckos sind längst nicht so produktiv wie andere Große Taggeckos – so sind zwischen vier und acht Jungtiere pro Jahr die Regel, was sich positiv auf das Gesundheitsbefinden der Weibchen auswirkt. Bis zur Ablage der nächsten Generation kann der Nachwuchs unbedenklich bei den Alttieren verbleiben, Junge im Inkubator sind deutlich anfälliger und komplizierter aufzuziehen.

Lebensweise und Verhalten

Phelsuma standingi ist ausgesprochen territorial und lebt auf Madagaskar ebenfalls paarweise. Selten hat ein Männchen mehr als ein Weibchen, was auch daran liegt, dass die weiblichen Tiere untereinander ausgesprochen unverträglich sind. Zumeist sind sie nicht in Siedlungsnähe anzutreffen, sondern bevorzugen menschenferne Gebiete. Der Tagesablauf beginnt mit Sonnenbaden. Nach Erreichen der Vorzugstemperatur wird mit dem Jagen und vehementem Revierverteidigen begonnen. Nur bei Reife von bestimmten süßen Früchten und Insektenmangel wird der Lebensbaum zeitweilig verlassen.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Taggeckos können sehr gut sehen und hören. Trotzdem spielt der Geruch ebenfalls eine Rolle, daher bezüngeln die Tiere Gegenstände oder sich gegenseitig. Lebendes Futter wird über weite Entfernungen optisch wahrgenommen, bewegungslose Nahrung wird mithilfe des Geruchs gefunden. Im Gegensatz zu vielen anderen Geckos sind sie nahezu stumm, und die innerartliche Kommunikation erfolgt durch Bewegungsabläufe, also motorisch. Die Jungtiere haben einen bestimmten, quäkenden Signallaut, wenn sie sich in Gefahr wähnen.

Ernährung

Ungefähr zwei Drittel der Taggeckonahrung besteht aus Insekten passender Größe, hier muss natürlich auf die Größe des zu fütternden Tieres Rücksicht genommen werden. Es bilden sich individuelle Vorlieben und Abneigungen heraus, so favorisiert bspw. ein Tier Rosenkäferlarven und ein anderes Wanderheuschrecken. Hartschalige Käfer finden keinen Anklang. Das letzte Drittel besteht aus süßen Früchten wie Papaya, Mango oder Banane, Babybrei, Joghurt oder fertigem Taggeckofutter aus dem Fachhandel. Hier kann leichter mit vitaminisierten Kalkpräparaten zugefüttert werden als bei den Insekten. Blaue Taggeckos neigen stark zur Verfettung und sollten außerhalb der Reproduktionszeit mindestens zwei bis drei Fastentage in der Woche einhalten.

Haltung

Das verwendete Terrarium sollte die Maße 75 x 75 x 100 cm (Länge x Tiefe x Höhe) nicht unterschreiten, in der Höhe kann gerne auch noch etwas zugegeben werden. Die Einrichtung sollte möglichst glatt, z.B. mit Korkplatten, gestaltet werden, und als Klettermöglichkeit und Sonnplatz findet Bambus Verwendung, in den auch einige Verstecke eingelassen werden können. Der Boden sollte aus Terrarienhumus bestehen und kann z.B. mit Sansiveria oder Epipremum bepflanzt werden. Ein Trinkschälchen darf nicht fehlen, ebensowenig wie ein Behälter für die vegetarische Nahrung, gerne auch auf halber Höhe am Bambus befestigt. Der Beleuchtungsrhythmus liegt bei zwölf Stunden, und es sollten unbedingt Gasdampfdrucklampen wie HQL oder HCI verwendet werden, da hier Lichtfülle, Wärme und UVB-Bestrahlung mit einer Lampe erreicht werden können. Im oberen Bereich des Beckens können bis zu 40° C erreicht werden. Wird es den Geckos zu heiß, nehmen sie entweder Deckung oder schieben sich langsam den Bambus hinunter. Ohne ausreichende Lichtfülle werden die Tiere nie ihr volles Farbspektrum zeigen! Das tägliche Besprühen des Behälters sollte abends und mit Rücksicht auf die Herkunft der Tiere relativ kurz erfolgen.

Hätten Sie's gewusst?

Alle Phelsumen koten gerne an glatte Oberflächen, sodass die Frontscheibe nahezu täglich zu putzen ist. Wenn allerdings das Terrarium unten 10 cm breiter ist als oben, haben wir eine sich nach oben verjüngende Scheibe, und die Tiere, die beim Defäkieren die Kloake leicht anheben, lassen ihre „Hinterlassenschaften“ auf den Terrarienboden fallen.

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