Steckbrief: Grüner Leguan | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief: Grüner Leguan

Das Alter eines Grünen Leguans wird in erster Linie von seiner richtigen Ernährung im Terrarium bestimmt. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Systematik, Nachwuchs, Aufzucht, Sinnesleistungen, Ernährung und Haltung des Grünen Leguan.
 
© M. Hauk
Der Gattung Iguana gehören nur zwei Arten an.

Steckbrief

  • Körperlänge: bis 220 cm, meist kleiner bleibend
  • Lebenserwartung: über 20 Jahre
  • Verbreitung: Südliches Mexiko bis zentrales Südamerika, in Florida und Hawai eingeführt
  • Lebensraum: Wälder
  • Lebensweise: tagaktiv, baumbewohnend
  • Artbestand: WA II, nicht meldepflichtig

Systematik

  • Klasse: Reptilien
  • Ordnung: Squamata (Schuppenkriechtiere)
  • Familie: Iguanidae (Leguane)
  • Gattung: Iguana (Echte Leguane)
  • Art: Iguana iguana (Grüner Leguan)

Aussehen


Die männlichen Grünen Leguane (Kopf-Rumpf-Länge bis etwa 50 cm) sind deutlich größer als die Weibchen, zudem haben sie unübersehbar größere Stachelschuppen auf Rücken und Schwanz. Ferner sind bei ihnen die Hemipenistaschen deutlich am Schwanzansatz erkennbar. Grüne Leguane zeichnen sich durch einen kräftigen, seitlich leicht abgeflachten Körper mit stabilen, gut entwickelten Extremitäten, einen langen stabilen Schwanz und einen massigen Kopf aus. Letzterer weist eine große, teils stachlige Kehlwamme sowie auffallend breite Backen und eine stark vergrößerte Schuppe unter dem Trommelfell auf, die bei Männchen ebenfalls größer als bei den Weibchen sind. Exemplare der Unterart rhinolopha weisen auf der Schnauze zwei bis drei hochstehende, weiche Stachelschuppen auf. Grüne Leguane sind nicht immer grün gefärbt, nur die Jungtiere zeigen eine kräftig grüne Färbung. Viele ausgewachsene Exemplare sind besonders im Alter eher gräulich- bis bräunlichgrün, bisweilen zeigen Männchen eine partielle orange- bis rotbraune Färbung.

Nachwuchs und Aufzucht

In der Natur findet die Paarungszeit während der Trockenzeit von November bis Janauar statt. Männchen fixieren das Weibchen nach dem imponierenden Kopfnicken während der Paarung mit einem Nackenbiss. Ist das Weibchen nicht bereit, dann versucht es zu fliehen oder beißt, ist es bereit, hebt es den Schwanz an. Dies ist das zustimmende Zeichen für das Männchen, das daraufhin die etwa zehnminütige Paarung vollzieht. Trächtige Weibchen haben ein erhöhtes Trinkbedürfnis! Nach einer Trächtigkeit vonacht bis zehn Wochen setzen die Weibchen durchschnittlich 30 bis 40 Eier (max. 10 bis  60) ab. Diese wiegen durchschnittlich 15 Gramm bei einer Größe von 37 bis 40 x 27 bis 28 mm. Die Eier werden auf Vermiculite, Perlite oder einem Torf-Sand-Gemisch bei 30° C und einer relativen Luftfeuchte von 90 bis 100% gezeitigt. Bis zum Schlupf der Jungtiere dauert es unter diesen Bedingungen 70 bis 80 Tage. Die Jungtiere weisen eine Gesamtlänge von 180 bis 260 mm (Kopf-Rumpf-Länge 55 bis 70 mm) auf und bringen 8 bis 12 g auf die Waage. Sie werden in separaten Terrarien aufgezogen.

Lebensweise und Verhalten

Grüne Leguane bevorzugen Tieflandwälder in der Nähe größerer Gewässer wie Flüsse oder Seen als Lebensraum. Sie sind Bewohner des Flachlandes und überschreiten nur manchmal die Grenze von 1.000 Metern über dem Meeresspiegel. Es sind tagaktive, baumbewohnende Echsen, die gut schwimmen können. So sind sie vor allem im Gesträuch und in Bäumen anzutreffen. Fühlen sie sich bedroht, flüchten sie weiter nach oben oder springen in das unter ihnen befindliche Gewässer. Grüne Leguane sind besonders durch die Zerstörung ihres natürlichen Lebensraumes, des Regenwaldes, gefährdet, aber auch durch die Jagd für menschliche Nahrung.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Männchen imponieren, wenn sie sich begegnen, indem sie sich die vertikal abgeflachte und deshalb größer erscheinende Körperseite zudrehen. Dabei spreizen sie ihre Kehlwammen auf und nicken einander mit Kopf und Vorderkörper zu. Wenn solchermaßen dargebotenes Imponieren nicht ausreicht, um die Situation zu klären, werden sogar Kämpfe ausgefochten, die erst mit der Flucht des Unterlegenen enden. Bereits bei Jungtieren kann dieses Imponiergehabe beobachtet werden. Sie benutzen auch ihren kräftigen langen Schwanz als Waffe, indem sie ihn seitlich peitschend bewegen. Grüne Leguane zeichnen sich durch ein gutes Sehvermögen aus, wobei sie Bewegungen schon aus großer Entfernung wahrnehmen.

Ernährung

Das Alter eines Grünen Leguans wird in erster Linie von seiner richtigen Ernährung im Terrarium bestimmt. Sie werden zu 80 bis 90 Prozent vegetarisch und nur zu zehn bis maximal 20 Prozent mit tierischer Kost ernährt. 30 bis 40 Prozent des vegetarischen Anteils sollten aus Früchten bestehen, der Rest aus Gemüsesorten. Als vegetarisches Futter eignen sich besonders Blätter, Keimlinge und Sprossen von Salaten, Löwenzahn, Sauerampfer, Rhabarber, diverse Kohl- und Kräuterarten, Breitwegerich, Zitronenmelisse, Beinwell, Luzerne, Kresse, Linsen, Erbsen, Buchweizen, Sonnenblumenkerne, Weizen, Senf, Leinsamen, Rettich und Sojabohnen, an Gemüse Gurke, Paprika, Tomaten, Auberginen, Zucchini, Mohrrüben und weitere. An Früchten haben sich Bananen, Weintrauben, Erd- und Himbeeren, Äpfel, Apfelsinen, Pflaumen, Melonen, Kiwi, Birnen, Pfirsich, Pflaumen und andere bewährt. Als tierische Nahrung kommen die üblichen Futterinsekten in Frage, es können aber auch Mäuse und sogar Fische angeboten werden. Eine Aufwertung der Nahrung mit Mineralstoffpräparaten hat sich bewährt und sollte durchgeführt werden.

Haltung

Bei einer Terrarienhaltung muss die Endgröße dieser prächtigen Leguane beachtet werden! Der kleine grüne Kerl, den man zumeist ersteht, kann eine nicht zu unterschätzende Gesamtlänge erreichen. Daher sollte ein Becken für ein Paar die Mindestmaße von 200 x 200 x 100 cm (L x H x T) aufweisen – größer ist in diesem Falle besser! Sollten 1,2 Tiere (ein Männchen, zwei Weibchen) gepflegt werden, muss das Terrarium noch höhere Maße aufweisen. Die Einrichtung (Kletteräste, Wandterrassen) sollte aufgrund der Größe und Masse der Leguane ausgesprochen robust sein. Wegen der vegetarischen Ernährung muss auf Pflanzen verzichtet werden. Empfehlenswerte Bodengründe für ausgewachsene Exemplare sind Hobelspäne (nicht für Jungtiere!), Kunstrasen, Papier oder Beton. Eine ausreichend großzügig bemessene Wasserschale gehört ebenfalls in das Terrarium (Wassertemperatur 25 bis 28° C). Aufgrund der tagaktiven Lebensweise eignen sich besonders HQI-, HQL- und HCI-Lampen, die entsprechendes helles Licht, UV-B-Strahlung und Wärme abgeben. Eine zwölfstündige Beleuchtung ist optimal, wobei die Lufttemperaturen zwischen 25 und 32° C am Tage und nicht unter 20° C nachts betragen sollten. Am Sonnenplatz können bis zu 45° C erreicht werden. Die Luftfeuchtigkeit sollte am Tag zwischen 50 und 80 Prozent liegen und in der Nacht auf 80 bis 100 Prozent ansteigen.

Hätten Sie's gewusst?

Der Gattung Iguana gehören nur zwei Arten an: der hier genannte Grüne Leguan und der Karibische Grüne Leguan Iguana delicatissima. Seinen wissenschaftlichen Namen verdankt er der Tatsache, dass die Insulaner ihn gern auf ihre Speisekarte setzen, weil er eben sehr gut schmeckt. Diesem Schicksal erliegen auch zahllose Grüne Leguane. Als Mahlzeit werden sie „Green Chicken“ oder „Tree Chicken“ genannt. Seit einigen Jahren werden Grüne Leguane in großen Mengen in Farmen gezogen, um die Bedürfnisse des internationalen Handels sowie der Gourmets zu befriedigen und die natürlichen Populationen zu schonen.

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