Steckbrief: Zwergbartagame | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief: Zwergbartagame

Zwergbartagamen sehen wirklich aus wie die Große Bartagame (P. vitticeps) en miniature, nur dass die Rücken- und Flankenzeichnung heller ausfällt. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Systematik, Nachwuchs, Aufzucht, Sinnesleistungen, Ernährung und Haltung der Zwergbartagame.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Die Zwergbartagame wird erst in den letzten zehn Jahren einigermaßen regelmäßig in unseren Terrarien vermehrt.

Steckbrief

  • Körperlänge: bis 13 cm
  • Lebenserwartung: bis maximal 15 Jahre
  • Verbreitung: NO-Australien
  • Lebensraum: Halbwüste, buschige, baumbestandene Steppen
  • Lebensweise: Lauerjäger, wärmeliebend
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Reptilien (Kriechtiere)
  • Ordnung: Squamata (Schuppenkriechtiere)
  • Familie: Agamidae (Agamen)
  • Gattung: Pogona (Bartagamen)
  • Art: Pogona henrylawsoni (Zwergbartagame)

Aussehen

Zwergbartagamen sehen wirklich aus wie die Große Bartagame (P. vitticeps) en miniature, nur dass die Rücken- und Flankenzeichnung heller ausfällt. Bei genauerem Hinsehen fällt allerdings auf, dass der Bart fehlt und der Kopf, statt dreieckig zu wirken, eher rundlich ausfällt. Die Stacheln sind in der Kopfregion weniger stark ausgeprägt, dafür an den Seiten in mehreren Reihen angeordnet. Die Mundschleimhäute (wenn ein Tier mit offenem Maul droht) erscheinen deutlich orangefarben. Die Farbzucht ist bei dieser Art noch nicht so weit gediehen wie bei ihrer größeren Verwandten.

Nachwuchs und Aufzucht

Auch hier unterscheiden sich die Zwergbartagamen deutlich von ihren größeren Vettern, da die Paarungsbereitschaft des Männchens, ob im Paar oder in der Gruppe mit mehreren Weibchen, nur einige Wochen nach der Winterruhe anhält. Wichtig ist, dass man nur Weibchen nach dem vollendeten zweiten Lebensjahr zur Vermehrung einsetzt, da ansonsten Mangelerscheinungen bis hin zum Versterben drohen. Nach erfolgreicher Befruchtung und Eiablage (zehn bis 15 Stück) erfolgt die Inkubation bei annähernd 100 Prozent Luftfeuchte und Temperaturen zwischen 27 und 33° C. Unabdingbar scheint eine gute Belüftung der Gelege zu sein. Nach dem Schlupf, meist nach 50 bis 60 Tagen, werden die Kleinen separat aufgezogen. In den ersten Tagen scheinen sie kaum zu viel UVB-Strahlung bekommen zu können.

Lebensweise und Verhalten

Zwergbartagamen, die in Menschenobhut oft bei Weitem nicht so zahm werden wie Pogona vitticeps, sind Ansitzjäger, d.h. sie jagen weniger aktiv, sondern lauern darauf, dass die Beutetiere sich in ihre Reichweite begeben. Um ihre recht hohe Aktivitätstemperatur zu erreichen, sonnen sich Zwergbartagamen so lange, bis sie nur noch auf Zehenspitzen stehend sozusagen auf Betriebstemperatur sind, um dann ihr Revier nach Essbarem abzusuchen. Verstecke für den Notfall müssen natürlich, wie bei allen kleineren Echsen, vorhanden sein.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Der Gesichtssinn von Zwergbartagamen ist ausgesprochen gut, sowohl Futter als auch potenzielle Bedrohungen werden schon von Weitem erkannt. Neue Einrichtungsgegenstände im Terrarium werden, wie wir es von Schlangen kennen, durch Bezüngeln „berochen“. Das Gehör soll nicht so weitläufig ausgebildet sein wie bei anderen Echsen. Interessanterweise fehlt die bei den großen Bartagamen blauschwarze Kehle im Erregungszustand völlig, und die Paarungen verlaufen heftiger als bei der großen Art, sodass die Weibchen schon einmal blutende Stellen im Nackenbereich aufweisen können. Sollte die Tagestemperatur zu hoch für die Tiere sein, kann es vorkommen, dass sie ihr Verhaltensrepertoire in die Nacht hinein fortsetzen. Allgemein kann gesagt werden, dass das Verhalten dieser Art im Freiland so gut wie überhaupt nicht erforscht ist.

Ernährung

Alle Insekten, die überwältigt werden können, passen in das Beuteschema der Zwergbartagame, allerdings gibt es auch hier bemerkenswerte individuelle Vorlieben oder Abneigungen. Schlüpflingen muss man den Verzehr von Vegetabilien regelrecht beibringen. Tiere, die ausschließlich mit Insekten ernährt werden, leiden oft an Mangelkrankheiten und bringen weniger gesunde Junge zur Welt. Doch vermutlich weil sie kleiner und wendiger sind, ist der Fleischanteil größer als bei den anderen Bartagamen.

Haltung

Für ein Paar oder 1,3 Tiere (ein Männchen, drei Weibchen) ist eine Grundfläche von 120 x 70 cm angemessen, die Höhe kann etwas vernachlässigt werden. Versteck- und Sonnenflächen sind genauso wichtig wie eine gute UVB-Versorgung. Die Sonnenflächen sollten eine Temperatur von 45° C nicht überschreiten. Was die Bedingungen ihrer Herkunft betrifft, spielen interessanterweise Wasser und Luftfeuchtigkeit eine große Rolle bei der Haltung von Zwergbartagamen. So sollte der Behälter jeden Tag einmal übersprüht werden, und ein angemessen großes Badebecken, das aber wegen der Ertrinkungsgefahr nicht zu tief sein darf, muss vorhanden sein. Viele Tiere setzen ihren Kot ausschließlich im Wasser ab.

Hätten Sie's gewusst?

Die Zwergbartagame wird erst in den letzten zehn Jahren einigermaßen regelmäßig in unseren Terrarien vermehrt. Wegen der australischen Naturschutzgesetze ist mit Nachschub durch Wildfänge nicht zu rechnen. Die Geschlechterbestimmung ist bei nicht voll erwachsenen Tieren nahezu unmöglich, bei ausgewachsenen Männchen sieht man die Hemipenistaschen an der Unterseite des Schwanzes.

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