Anschaffung & Materialen für das Terrarium | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Anschaffung & Materialen für das Terrarium

Allen Terrarien sind einige Details gemein, egal aus welchem Material sie gefertigt werden. Sie müssen eine Zu- und eine Abluft aufweisen, zu öffnen, zu schließen und ggf. zu verschließen sein, sowie den Bewohnern die nötigen Bedingungen schaffen.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Alle Terrarien sollten übrigens im Idealfall nur nach einer Seite einsehbar sein.

Terrarien aus Glas

Ausrangierte oder intakte Aquarien eignen sich nur bedingt, da allgemein kein genügender Gasaustausch gegeben ist. Außerdem bedeutet der Zugriff von oben für zahlreiche Arten Stress, da Beutegreifer meist von dort angreifen. Ein weiterer Nachteil ist, dass selbst bei einem gut schließenden Gaze-Deckel bei jedem Hantieren schnell Futterinsekten entweichen können. Nichtsdestotrotz können einige Amphibien (Feuersalamander, Agakröte) oder auch aquatile Schildkröten (Wasserschildkröten) so gehalten werden.  Die meisten im Fachhandel angebotenen Terrarien sind aus Glas hergestellt. Bei notwendiger Luftfeuchtigkeit oder auch Nässe hat dieser Werkstoff durchaus seine Berechtigung. Zu öffnen sind sie an der Frontseite durch Schiebescheiben, die in Doppel-U-Profilen geführt werden. Meist befindet sich die Öffnung für die Lüftung in einem Glasschacht unter der unteren Schiebescheibenleiste und die Abluft entweicht über einen Lochblechstreifen in der Deckscheibenmitte. Abgesehen davon, dass manche Pfleglinge durch den unteren Streifen permanent Bodengrund nach außen verbringen, besteht auch bei einigen Tieren durchaus die Gefahr, dass sie sich dort die Krallen abreißen. Ein weiteres Manko bei dieser Art Becken besteht darin, dass UVB-Strahlen, die bei der Pflege vieler tagaktiver Echsen und Schildkröten unabdingbar sind, nicht durch Glas oder die relativ klein bemessenen Löcher des Deckenstreifens dringen können. Also müsste die UV-Versorgung im Becken angebracht werden, was die Temperaturgestaltung und den vorhandenen Platz beeinflussen kann und insgesamt vermieden werden sollte. Außerdem ist die Wärmedämmung von Glas sehr gering und durch seine Bruchgefahr sind Terrarien nur bis zu einer gewissen Größe herzustellen.

Wird die Glasdicke der Länge des Behälters angepasst, was aus Sicherheitsgründen zwingend notwendig ist, muss mit Glasdicken von 8 - 10 mm gearbeitet werden, was die Herstellung nicht nur sehr kostenintensiv, sondern das fertige Terrarium auch sehr schwer macht. Wird die Frage der Belüftungsöffnungen befriedigend geklärt, mit waagerecht angebrachten Zuluftöffnungen und Gazekreisen für die UVB-Versorgung, sind mit Silikon verklebte Vollglasterrarien bis zu einer Kantenlänge von 150 - 200 cm durchaus gut zu verwenden. Die handelsüblichen Glasbecken sind für die Pflege von Wirbellosen, Amphibien über Echsen bis hin zu mittelgroßen Schlangen geeignet.

Wie bei Terrarien aus allen Werkstoffen muss auch bei Glas eine absolute Dichtheit vorhanden sein, um Pfleglinge und/oder Futtertiere am Entkommen zu hindern. Glasterrarien sollten auf einer Unterlage aus Moosgummi oder Styropor stehen, um das Platzen oder Springen der Bodenplatte zu vermeiden.

Terrarien aus Kunststoff

Diese Behälter sind relativ neu auf dem Markt und werden meist in Form eines nach vorne offenen Kastens, der mit Schiebescheiben versehen ist, angeboten. Manchmal sind Lüftungs- und Beleuchtungsöffnungen werksseitig vorhanden, in manchen Fällen müssen sie nachträglich angebracht werden. Pluspunkte dieser Becken sind ihr geringes Gewicht und ihre Unempfindlichkeit gegen mechanische Einflüsse. Leider machen sie optisch nicht viel her und werden oft bei Tieren benutzt, wo Wert auf hygienische Haltung (Bodengründe) gelegt wird. Alle Terrarien sollten übrigens im Idealfall nur nach einer Seite einsehbar sein, da dies dem Sicherheitsbedürfnis der Tiere entgegenkommt (und der Pfleger muss dann nur eine Seite Scheiben putzen). Gegen große Hitzeentwicklung sind manche Plastikterrarien nicht resistent. In dem Zusammenhang muss darauf hingewiesen werden, dass eine direkte Sonneneinstrahlung in das Becken eher von Nachteil ist, da wir durch den Lupeneffekt schnell eine Überhitzung haben, die für die Insassen tödlich enden kann.

Terrarien aus Metall/Stationäre Anlagen

Hierbei handelt es sich meist um sehr großvolumige Behälter, die starke, wehrhafte und oft auch gefährliche Tiere beherbergen. In einem Rahmen aus Metall befinden sich Stahlblech- oder Drahtglasplatten. Die Türen sind zum Klappen und zusätzlich mit Sicherheitsschlössern ausgestattet. Im Regelfall werden diese Terrarien an Ort und Stelle montiert und sind nicht dazu gedacht, nach ihrer Fertigstellung bewegt zu werden. Viele öffentliche Einrichtungen wie z.B. Zoologische Gärten oder Publikumsaquarien bedienen sich dieser Art Unterbringung.

Ähnlich gelagert ist die Sache bei der Verwendung von ganzen Räumen (z.B. Kellern) oder Teilen davon. Auch diese sind für sehr große Tiere geeignet, wie z.B. Leguane und Großwarane. Bei ihrer Montage sind solide handwerkliche Fähigkeiten gefragt, da mit Gasbetonsteinen, Dichtststoffen, ESG-Fenstern und ähnlichem gearbeitet wird.

Terrarien aus Holz

Korrekt müsste diese Überschrift eigentlich aus „holzähnlichen Werkstoffen“ heißen, da meist beschichtete Spanplatten oder OSB (Oriented Strand Board) verwendet wird, obwohl auch Echtholz verarbeitet werden kann. Das A und O ist das Abdichten der Fugen und die Imprägnierung mit ungiftigen Stoffen, speziell im Bodenbereich. Für das Abdichten wird Silikon und für das Imprägnieren wasserlöslicher Kautschukanstrich aus dem Sanitärbereich benutzt – unbedingt ungiftig nach der Aushärtung. Diese Art von Terrarium wird in Tischlerqualität im Fachhandel angeboten, kann aber auch selbst angefertigt werden. Der Vorteil ist die leichte Verarbeitung und das relativ geringe Gewicht des Materials.

Wenn das Terrarium sehr feucht gehalten werden soll, wie für manche Regenwaldbewohner, kann auch ein passend geklebtes Aquarium als Bodenteil eingearbeitet werden, obwohl es Terrarien aus Spanplatten gibt, die mehrfach mit Epoxydharz ausgestrichen, seit Jahrzehnten mit feuchtem Bodengrund und Beregnungsanlagen  ihre Funktion erfüllen. Neben der guten Wärmedämmung soll ein Beispiel auf noch einen weiteren Vorteil dieser Terrarienart hinweisen: Wird festgestellt, dass nachträglich noch ein Zugang für bspw. ein Heizkabel benötigt wird, ist dies leicht mit einem Akkuschrauber zu bewerkstelligen, während wir bei einem Glas- oder Metallbecken an unsere Grenzen stoßen. Außerdem können solche Behältnisse – äußerlich mit Farbe, Lasur, Klebefolie oder Tapete verkleidet – leicht in einen Wohnraum integriert werden.

Freiluftkonstruktionen

Hierzu eignen sich alle möglichen Konstrukte, die es ermöglichen, den Terrarientieren temporär oder auch dauerhaft einen Aufenthalt im Freien zu ermöglichen. Ob es sich dabei um Tiere aus nördlichen Gefilden handelt, die das ganze Jahr draußen bleiben (Feuersalamander) oder Sonnenanbeter, die von Mai bis September „Sommerfrische“ genießen sollen, ist egal. Chamäleons oder Taggeckos in einem Setzkescher, aufgehängt in einem Baum, zeigen durch die direkte Sonneneinstrahlung, und wenn es nur einige Stunden in der Woche sind, ein äußerst positives Verhalten.

Wichtig bei allen Freilandunterbringungen ist die Schaffung von beschatteten Flächen, um einen Hitzestau zu vermeiden. Frühbeete aus der Gärtnerei können ebenso Verwendung finden wie Nagerkäfige mit stabiler Drahtabdeckung, da wir unsere Tiere vor Krähen, Katzen und anderen Feinden schützen müssen. Ein Teich für Wasserschildkröten bedarf einer ausbruchssicheren Einzäunung (z.B. Palisadenholz). Diese muss so verarbeitet werden, dass die Tiere sie nicht untergraben können. Sollen die Tiere im Freien überwintern, müssen frost- und nagersichere Hibernationsmöglichkeiten  geschaffen werden.

Die Anlage eines eigentlichen Freilandterrariums ist eine sehr aufwändige Sache, da wir eine untere Schicht, die Durchbruchsversuchen standhält, anlegen müssen. Zugleich muss aber durch Abflüsse und Drainage darauf geachtet werden, dass unsere Pfleglinge nicht bei starken Regengüssen ertrinken. Bei Landschildkröten kommt die Tiefe der Überwinterungsgrube auf das örtliche Klima an: So liegt die Frostgrenze im Berliner Raum mit 150 -180 cm deutlich tiefer als bspw. an der Küste, wo 100 -120 cm ausreichend sind. Bei manchen Tieren muss die Umfriedung einen Überhang nach innen aufweisen, um z.B. Schlangen das Entkommen unmöglich zu machen. Speziell bei Schlangen sollte eine Abdeckung aus grobmaschiger Gaze auf einem Rahmen Standard sein. Ebenso muss genau darauf geachtet werden, dass keinerlei Pflanzen inner- oder außerhalb der Anlage als Fluchtleiter genutzt werden können. Ein extra Strahler (Montage durch den Fachmann!), gekoppelt an einen Temperaturfühler, kann genauso sinnvoll sein, wie die Kombination der Freianlage mit einem Gewächshaus.

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