Dekoration und Einrichtungsgegenstände für das Terrarium | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Dekoration und Einrichtungsgegenstände für das Terrarium

Genauso wichtig wie die Wahl des Terrarienformates ist die Innenausstattung, um den Ansprüchen des jeweiligen Bewohners so gut wie möglich gerecht zu werden.
 
© pixabay.com/Joergelman (CC0 Public Domain)
Für fast alle Terrarienbewohner ist ein reines, durchsichtiges Glasbecken Tierquälerei.
Einer kletternden Schlange nützt ein Becken im Hochformat herzlich wenig, wenn sie nicht mittels Kletterästen die Möglichkeit hat, die ihr zusagende Höhe aufzusuchen. In diesem Zusammenhang kann auf die Wichtigkeit einer artentsprechenden Rückwandgestaltung nicht genug hingewiesen werden. Es gibt Geckos, die absolut glatte Flächen bevorzugen; bei ihnen reicht eine hinter das Terrarium geklebte Folie in der entsprechenden Optik, wie wir sie aus der Aquaristik kennen, vollkommen aus. Es geht ja nicht nur darum, dass wir hinter unserem Behälter die Tapete nicht mehr sehen, sondern die Tiere sollen verschiedene Licht- und Wärmebereiche in der Rückwand (und ggf. den Seitenwänden) als Verstecke aufsuchen und ihre Nutzungsfläche somit vergrößern können. Für fast alle Terrarienbewohner ist ein reines, durchsichtiges Glasbecken Tierquälerei, da die Einsicht von allen Seiten negative optische Irritationen liefert – die Bewohner kommen sich vor, wie auf dem sprichwörtlichen Präsentierteller.

Rückwände

Hier kann auf eine Vielzahl von Möglichkeiten zurückgegriffen werden. Im gutsortierten Fachhandel gibt es fertig modellierte Terrarienrückwände aus GFK (glasfaserverstärktem Kunststoff) oder anderen Plastikverbindungen. Diese haben ihren Preis und sehen nicht immer wirklich natürlich aus. Ganz wichtig ist die Verankerung dieser Module mit der Beckenrückwand, diese muss bspw. durch Aquariensilikon erfolgen und absolut dicht sein, da sich sonst unsere Pfleglinge und auch lebende Futterinsekten dahinter jeglicher Einflussnahme entziehen. Ebenso kann man Kokosfaserplatten, auch mit eingearbeiteten Pflanzmulden, erwerben. Kork, ob als Dämmstoff aus der ökologischen Bauindustrie, oder in gepressten Naturstücken, eignet sich nicht unbedingt für insektenfressende Tiere, da Grillen bald eigene Gänge in das natürliche Material gefressen haben. Man kann aus Natursteinen (Gewicht bedenken!), Schieferplatten oder Natursteinimitaten schöne Rückwände modellieren, bei denen die Fugen mit Zementverbindungen verschlossen werden. Eine schöne Möglichkeit, eine mineralische Rückwand herzustellen (z.B für Leopardgeckos), ist auf der Basis von geschnitztem Styropor oder Bauschaum mit Flex-Fliesenkleber. Der letzte Anstrich erfolgt mit Pigment- oder Abtönfarben oder farbiger Sand wird aufgetragen.

Die Vorlage sollte immer möglichst natürlich wirken, den Bedürfnissen der Tiere entgegenkommen und keine für den Terrarianer unkontrollierbaren Verstecke aufweisen. Anstelle von Fliesenkleber kann auch Epoxydharz benutzt werden, hier ist absolute Akkuratesse bei der Verarbeitung gefragt. Holz, wie bspw. Robinienrinde (oft fälschlich Akazie genannt), oder Bambus eignen sich bei Schlangen z.B. (Kettennatter) hervorragend als Rückwand, da die Plateaus hier nicht gleich mit eingearbeitet werden müssen. Dünne Korkplatten von 2 - 3 mm Stärke, chemisch unbehandelt, kann man im Becken plan auf die Wände kleben, bei manchen Geckos oder Saumfingern (Blauer Taggecko, Rotkehlanoli) können sie aus hygienischen Gründen hinter das Glas geklebt werden. Bei hygienisch strukturierten Becken können Fliesen Verwendung finden, wer ein Großterrarium auszustatten hat, kann lackierte Fototapete nutzen, oder, sofern gewisse künstlerische Fähigkeiten vorhanden sind, eine entsprechende Landschaft an die Rückwand malen. Bei extrem feuchten Becken (z.B. für Goldbaumsteiger) kann eine „lebende“ Rückwand eingesetzt werden, hierzu verwendet man Platten von Baumfarn (Xaxim), der (regelmäßig befeuchtet) sowohl Farne und Moose austreibt, als auch die Basis für viele Aufsitzerpflanzen ist.

Klettermöglichkeiten

Der Klassiker sind Äste oder Wurzeln, wobei natürlich auf die jeweilige Tierart eingegangen werden muss. Riesenschlangen (Königspython) haben Angst vor zu dünnen Ästen, da sie sich bei einem Sturz verletzen können. Andere Tiere hingegen  (Jemenchamäleon) lieben Reisig, das sie umgreifen können, oder in dem sie sich verbergen können (Stabschrecken). Ein Vergleich des Körperumfanges des Tieres mit dem Durchmesser des Astes schadet nicht. Geeignete Hölzer sind Moorkienwurzeln, wie aus der Aquaristik bekannt, Eiche, Weide, Obsthölzer oder auch getrocknete Weinreben. Bis auf einige Geckos, die bspw. Bambus bevorzugen (Tokeh), sollten die Äste auf keinen Fall aus parasitären Gründen entrindet und somit geglättet werden, da die Kletterhilfe dann wegfällt, besser ist eine ungefährliche Desinfektion mit einem verträglichem Mittel. Ungeeignet sind Weichhölzer, die schnell zerfallen; hierzu zählen Pappel, Linde oder Birke. Im Fachhandel sind auch seit geraumer Zeit Lianen in allen möglichen Längen erhältlich, diese sind sehr hart und unverwüstlich.

Es gibt allerdings auch Terrarientiere, die ursprünglich aus Habitaten ohne Holz stammen (Bartagame), hier werden die Kletterbedürfnisse durch Steine (echt oder imitiert) befriedigt. Finden Natursteine Anwendung, sind diese unbedingt gegen ein Umfallen zu sichern, indem man sie aneinander oder an der Bodenplatte fixiert. Wenn bspw. eine Echse (Stachelschwanzwaran) in tagelanger Kleinarbeit einen sicher geglaubten Felsbrocken unterhöhlt und dieser dann auf sie fällt, kann dies das Ende des Tieres bedeuten. Manche Tiere klettern auch gerne an Sisal- oder Kunststoffseilen, genauso wie an echten oder Kunststoffpflanzen.

Pflanzen

Ein bepflanztes Terrarium sieht nicht nur besser aus, es beinhaltet auch ein günstigeres Mikroklimat. Dass keine giftigen Pflanzen (z.B. Dieffenbachia) eingesetzt werden dürfen, sollte selbstverständlich sein. Ob die Pflanzen direkt in den Boden verbracht werden (Dränierung nicht vergessen!) oder im Topf in den Bodengrund versenkt werden, hängt davon ab, ob die zu pflegenden Tiere stark graben (Agakröte). Viele Schlangen (Amurnatter) teilen unsere Vorstellung von Dekoration nicht. Ob nun ständig die Wurzeln freigelegt werden oder die Pflanze wöchentlich unter Kotmengen verschwindet, ist dann einerlei. Bei schweren Reptilien und Tieren, die sich auch herbivor (pflanzlich) ernähren, stellt sich die Frage sowieso nicht. Chamäleons z.B. lieben rankende Pflanze wie die Efeutute (Epipremum), da sie an den Stielen klettern und von den Blättern trinken können. Der Königsweg sind die mittlerweile in einer großen Vielfalt angebotenen Kunststoffpflanzen, hier verteilt sich das Sprühwasser wie bei den Echten und der Behälter sieht nicht gar so karg aus, den Bewohnern ist es egal. Keinesfalls sollten Imitate benutzt werden, bei denen Stücke verschluckt werden und für Darmverschluss sorgen können (z.B. Seidenblumen). Bei Terrarientieren, die Pflanzen bspw. zur Fortpflanzung brauchen, (Streifenblattsteiger), haben wir keine andere Wahl, als die benötigte Flora anzubieten. Bei manchen Wasserschildkröten (Moschusschildkröte), macht es Sinn, die Pflanzen so darzubieten, dass sie von den Tieren nicht erreicht werden können. Selbstverständlich müssen alle verwendeten Gewächse dünger- und pestizidfrei sein.

Wasserbehälter

Ob wir Bewohner von Wüstengebieten oder Tiere aus Regenwalduferregionen pflegen – danach richtet sich die Einrichtung. Manche Tiere, wie einige Chamäleons oder tropische Schlangen, benötigen überhaupt kein Wasser in stehender Form, andere Tiere baden gerne und oft – und setzen dabei meist ihren Kot ins Wasser ab (Wasseragame). In Terraristikfachgeschäften kann man für fast jedes Tier den richtigen Wasserbehälter erstehen, meist sind diese aus glasiertem Ton oder Kunststoff und so schwer gefertigt, dass sie nicht gleich umgeworfen werden können. Ihre Felsoptik kann passend zur Rückwand gewählt werden; manche sind so angelegt, dass sie in eine Ecke eingepasst werden können.

Natürlich können wir auch normale Blumentopfuntersetzer oder Näpfe aus der Nagerhaltung einsetzen, dies schont vor allem den Geldbeutel. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die Tiere den Wasserbehälter leicht wieder verlassen können; speziell bei Jungtieren droht die Gefahr des Ertrinkens (Griechische Landschildkröte). Ein paar Steine im Wasser oder ein Stück Wurzel als Ausstiegshilfe sind hier vonnöten. Bei größeren Tieren darf es schon eine Schale in Art eines Katzenklos sein. Ist der Behälter besonders schwer (Aquarium), oder hat ein hohes Volumen, macht ein externer Abfluss auf jeden Fall Sinn. Auch Mörtelwannen oder Regenwasserfässer können bei großen Tieren (Boa) ihre Berechtigung haben. Auf keinen Fall stellt man Wassernäpfe in die bevorzugten Laufwege der Tiere. Ärgert sich der Halter über ständig in das Wasserbecken getragenen Bodengrund, hilft eine Umrandung aus bspw. Schieferplatten, auf denen der Großteil des Substrates abgestreift wird.

Verstecke

In einem stark strukturierten Felsterrarium verbergen sich die Tiere naturgemäß in Spalten und Ritzen (Zwerggürtelschweif), in einem Hochterrarium mit Regenwaldmilieu werden hohle Äste oder Bambus bevorzugt. Ganz wichtig ist: Ein Terrarium ohne Verstecke (möglichst in verschiedenen Temperaturbereichen) ist kein Terrarium! Bei den meisten Tieren (z.B. Kornnatter) sollte der Unterschlupf sehr eng gehalten werden, die instinktgeprägten Wechselwarmen wollen am Besten nach allen Seiten Kontakt, da ein Fressfeind sie dort nur sehr schlecht herausbekommt. Hohle Korkstücke, halbiert oder ganz, sind bei vielen Amphibien, Reptilien und Wirbellosen favorisiert und können leicht gereinigt werden. Aber auch wie zuvor für die Rückwand beschrieben, können künstliche Höhlen mineralisch hergestellt werden. Halbierte Kokosnüsse sind ebenso ein Klassiker wie Blumentöpfe der passenden Größe, hier ist es egal, ob der Einschlupf durch ein Extraloch oder die vergrößerte Bodenaussparung ermöglicht wird. Diese Variante (z.B. für Königspython) hat den Vorteil, dass der unglasierte Ton, wenn er übersprüht wird, durch seine Porigkeit die Feuchtigkeit erst nach und nach wieder abgibt. Für manche Sandbewohner reichen dickere Steinplatten, die solide unterhöhlt sind, bei großen Tieren dürfen es auch halbierte Baumstümpfe sein. Auch wenn einige Terrarientiere nach der Eingewöhnung ihr Versteck kaum noch aufsuchen, sollte es doch angeboten werden, Vogelspinnen in der Häutungsphase bspw. sind nahezu wehrlos und suchen in engen Erdhöhlen Schutz.

Lesenswerte Links



Foto:  pixabay.com  ©  Joergelman  (CC0 Public Domain)
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren