Die Technik für ein Terrarium | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Die Technik für ein Terrarium

Um ein Terrarium artgerecht betreiben zu können, werden je nach Tierart verschiedene elektrische Installationen benötigt. Dazu gehören Gerätschaften für die Beleuchtung, Heizung, Luftfeuchtigkeit und Lüftung.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Viele Terrarientiere haben in ihrer natürlichen Umgebung wenig bis keinen Kontakt mit stehendem Wasser.

Beleuchtung

Der angemessenen Beleuchtung eines Terrariums kann bei Berücksichtigung seiner Bewohner kaum zu viel Aufmerksamkeit geschenkt werden. Wir unterscheiden zwischen Lichtfülle, Lichtintensität und UVB-Strahlung. Nachtaktive Tiere benötigen keine besondere Lichtart, hier ist es häufig ausreichend, einen Tag/Nacht-Rhythmus zu simulieren und eventuell vorhandene Pflanzen müssen genug Licht zur Photosynthese erhalten. Energiesparlampen oder Leuchtstoffröhren könnten hier zum Einsatz kommen. Manche Tüftler nutzen die Wärme des Vorschaltgerätes der Leuchtstoffröhren zum Heizen. Wer will, kann (um seine Pfleglinge auch nachts besser beobachten zu können) mit speziellen Schwarzlichtlampen (aus dem Fachgeschäft) arbeiten, deren Lichtabgabe bspw. von Skorpionen oder manchen Geckos entweder nicht wahrgenommen oder ignoriert wird.  Auch die meisten Schlangen kommen ohne UVB-Strahlen aus, d.h. sie können ihre Vitamin-D-Synthese ohne UVB als Katalysator durchführen – sonst wären auch nicht so viele Schlangen dämmerungs- oder nachtaktiv.

Anders sieht es z.B. bei Wüstenbewohnern aus, die einen hohen Lichtbedarf haben. Wenn ein Pärchen kleinerer australischer Agamen auf einer Grundfläche von 120 x 60 cm lebt und sich die Beleuchtung in einer Höhe von ca. 40 cm befindet, so verwendet man mit 3 mal 34 Watt T 5 Leuchtstoffröhren und 1 - 2 extra UV-Lampen definitiv nicht zu viel Licht – die Wärmestrahler noch nicht mitgerechnet.

Eine gute Alternative für viele „Sonnenanbeter“ sind Dampfdrucklampen, ob HQL, HQI oder HCI hängt von der zu pflegenden Tierart ab. Mit diesen modernen Leuchtmitteln ist es mitunter sogar möglich, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, so dass Lichtintensität, Lichtfülle und UVB aus einer Lampe kommen. Man sieht es am Verhalten und manchmal auch an der Farbenpracht der Tiere, wie diese Beleuchtung ihnen zusagt. Es gibt auch reine UVB-Strahler im 160 - 300 Watt Bereich. Diese dürfen allerdings nur für umrissene Zeiteinheiten eingesetzt und der Abstand zum Tier muss ebenfalls eingehalten werden (Herstellerhinweise beachten!), um Augenschäden und Überhitzung vorzubeugen.

Bei Kleinstterrarien kann mit Halogensteckern gearbeitet werden, die über einen Trafo betrieben werden. Diese sind schon ab 5 Watt im Angebot und geben dennoch eine erstaunliche Lichtfülle ab. Herkömmliche Glühlampen liefern für die erzielte Lichtfülle einfach zu viel Wärme, sind energetisch somit äußerst ungünstig und sollten nur Verwendung finden, wenn die erzeugte Wärmeenergie auch erwünscht ist. In Verbindung mit effektiver Beleuchtung steht bei vielen Tieren eine – wenn auch nur zeitweilige – Freilandhaltung, um die Sonnenstrahlung auszunutzen. Hier wird beispielsweise an Landschildkröten aus Europa gedacht, die im reinen Zimmerterrarium kaum artgerecht zu halten sind. Aber auch tropische oder subtropische Reptilien schätzen einen Aufenthalt in der Sommersonne. Leider sind gerade bei den Beleuchtungsartikeln in der Terraristik viele schlechte oder sinnentleerte Produkte auf dem Markt, dass es nicht schadet, Testberichte zu lesen oder sich mit Haltern der gewünschten Tierart auszutauschen. Bei vielen Terrarienausstattungen ist die Beleuchtung der kostenintensivste Einzelposten.

Heizung

Hier lässt sich grundsätzlich unterteilen: Von oben oder von unten! Viele tagaktive Echsen und Schildkröten sind photosynthetisch, d.h. sie verbinden unweigerlich Wärme mit Helligkeit – mit der Sonne eben. So würde uns eine Bodenheizung nicht zum Ziel führen und man muss mit einem Wärmestrahler, der heller als die Umgebung leuchtet, arbeiten. Wichtig ist, dass bei manchen Tieren die Strahlungsquellen gesichert werden müssen. Schlangen etwa haben andere Hautwärmerezeptoren als Echsen und können sich an erreichbaren Heizstrahlern bis hin zum Tod verbrennen. Hier helfen Schutzkörbe über den Lampen oder die Anbringung derselben außerhalb des Terrariums hinter einem stabilen Metallgazefenster.

Die meisten Terrarientiere benötigen einen sogenannten Hot-Spot, der z.B. bei australischen Agamen, je nach Jahreszeit, 35 - 55° C aufweisen muss. Wichtig ist, dass die Tiere sich jederzeit in kühlere Bereiche zurückziehen können. Um einen Überblick über das Temperaturgefälle im Becken zu haben, empfiehlt es sich, das Thermometer an den Stellen messen zu lassen, wo sich die Tiere tatsächlich aufhalten. Ein ungefähr in der Mitte der Terrarienwand befestigtes Thermometer vermittelt nur einen Durchschnittswert und bringt keine verwertbaren Daten. Wird Digitaltechnik verwendet, sollten mehrere Temperaturfühler an verschiedenen Stellen messen.

Zum Wärmen benutzt man normale Strahler (hinten verspiegelt), mitunter kann ein Reflektor helfen, Licht und Wärme zu bündeln. Keramikheizstrahler und Rotlichtglühbirnen haben nur ihre Berechtigung, wenn Tiere gehalten werden, die gleißendes Licht nicht mögen, oder große Becken im oberen Bereich auch nachts, wenn die Umgebung bspw. sehr kalt ist, erwärmt werden sollen. Viel Hitze und auch Licht bringen Halogen-Spots für normale Fassungen, hier entfällt der Einbau eines Transformators. Bei tagaktiven Tieren sollte der Strahler immer auch einen helleren Punkt setzen. Regelmäßige Messungen zu verschiedenen Jahreszeiten helfen, Überhitzung oder Unterkühlung zu vermeiden. Der Einfall von Sonne etwa im Sommer kann durch Fenster- und Terrarienscheiben zu einem Lupeneffekt führen und die Pfleglinge im schlimmsten Fall das Leben kosten.

Die andere Art, Terrarien zu beheizen, wird durch Bodenheizungen (die man auch in die Rückwand integrieren kann), in Form von Heizmatten oder Heizkabeln erreicht. Die Heizung von Wasserteilen sei hier nur am Rande erwähnt, wobei der Unterschied zur klassischen Aquaristik darin besteht, den Heizstab und das dazugehörige Kabel zu sichern, ggf. mit einem Hohlblockziegel und einem Metallringschlauch, wie er an einer Dusche benutzt wird, um etwa größere Wasserschildkröten davon abzuhalten, hineinzubeißen. Wichtig ist, dass die Lufttemperatur unter dem Hot-Spot immer höher sein muss als die des Wassers, da sonst der sogenannte Badewanneneffekt eintritt und Erkältungen drohen. Heizmatten oder -kabel sollten unbedingt ein TÜV-Gütesiegel tragen. Bei Glasterrarien legt man sie am Besten unter das Becken, wobei durch geeignetes Unterlagematerial ein geringer Hohlraum entstehen muss, damit die Bodenplatte nicht springt. Bei Terrarien aus dickeren Materialien wie Metall, Holz oder Kunststoff sollte die Bodenheizung direkt ins Becken verlegt und fixiert werden. Hierzu werden wärmeresistente Klebebänder oder Silikon benutzt.

Günstig ist es, die Heizung mit Fliesen oder schweren, glatten Steinen zu bedecken, damit die Bewohner sie nicht beschädigen. Auch hier muss vor dem Besatz erst einmal gründlich gemessen werden, damit die Bewohner sich nicht verbrennen. Viele nacht- und dämmerungsaktive Schlangen sind durch Bodenheizungen zu erwärmen, da sie sich nicht gerne sonnen. Bei manchen Tieren ist auch eine Kombination aus Heizmatte und Wärmestrahler möglich. Genau wie bei den Heizstrahlern müssen natürlich auch kühlere Bereiche aufgesucht werden können. Heizkabel in der Rückwand können bspw. bei tropischen Laubfröschen, wo im Habitat die Nachttemperatur noch relativ hoch ist, Verwendung finden. Wenn bei den Installationen Zeitschaltuhren zum Einsatz kommen, muss sich vergewissert werden, dass diese Geräte fehlerfrei arbeiten. Das gleiche gilt für elektrische Temperaturfühler, die beim Erreichen einer bestimmten Wärme den Heizkörper automatisch abschalten.

Luftfeuchte und Beregnung

Viele Terrarientiere haben in ihrer natürlichen Umgebung wenig bis keinen Kontakt mit stehendem Wasser. Dies gilt bspw. für viele Chamäleons aus dem tropischen Regenwald, die eher verdursten, als Wasser aus dem Napf zu sich zu nehmen. In diesem Fall hilft entweder ein Miniaturwasserfall oder eine Beregnungsanlage auf elektrischer Basis. Bei einem Wasserfall reicht die Bewegung des fließenden Wassers aus, die Baumbewohner zum Trinken zu animieren, allerdings sollte auch hier kein Gerät aus dem Deko-Laden genommen werden, da es z.B. wichtig ist, dass die Tiere nicht in das Innere des Objektes eindringen können, respektive die Futterinsekten darin verschwinden. Die besten Wasserfälle sind zur Reinigung zerlegbar und haben leise, kleine aber dennoch sehr haltbare Förderpumpen.

Eine Beregnungsanlage besprüht das Terrarium mittels einer oder mehrerer Düsen zu einem festgelegtem Turnus. Die Schläuche werden über dem Becken verlegt und die Düsen ragen (von der Frontscheibe weg nach innen gerichtet) in das Terrarium hinein. Wichtig bei allen diesen Geräten ist, dass die Pumpen niemals leer laufen dürfen, d.h. die Tanks oder Wasserbehälter sollten regelmäßig nachgefüllt werden, da sonst die Membranen und letztendlich auch die Pumpen kaputt gehen. Imitieren wir einen tropischen Regenwald, ist eine Beregnung von 1 - 2 Minuten morgens und abends angezeigt. Wichtig ist auch, dass die Menge des Wassers nach einer bestimmten Zeit verdunstet ist, wie es im Habitat der Fall ist. Eine weitere Möglichkeit, die Luftfeuchte zu erhöhen, sind Ultraschallvernebler. Auch hier kommen nur Geräte in Betracht, deren Frequenz für die Terrarienbewohner ungefährlich ist. Besonders Pfeilgiftfrösche reagieren negativ (bis zum Ableben) auf Geräte mit falscher Frequenz, z.B. aus dem Angebot eines Lebensmitteldiscounters.

Lüftung

Bei geschlossenen Systemen, z.B. Sumpfterrarien (Paludarien), kann es notwendig sein, eine ausreichend gute Be- und Entlüftung mittels elektrischer Hilfsmittel zu gewährleisten. Dadurch wird das ständige Beschlagen der Frontscheiben vermieden, ohne dass großflächige Gazefenster einbebaut werden müssen, die die Sicht behindern und durch die zuviel Wärme verloren gehen würde. Hier kommen kleine Ventilatoren, wie sie ursprünglich zur Kühlung von Computern entwickelt worden sind, zum Einsatz. Sie transportieren die frische Luft in das Terrarium, saugen die verbrauchte ab und sorgen somit für Zirkulation ohne Zugluft. Selbstverständlich müssen alle empfindlichen Installationen, speziell im feuchten Luftregime, vom Fachmann durchgeführt werden. Auch bei gefährlichen Tieren, möglicherweise in Schauanlagen, haben Lüftungssysteme ihre Berechtigung. Natürlich muss die Proportion zwischen eingesaugter und ausgestoßener Luft stimmen. Bei manchen baumbewohnenden Tieren kann ein Ventilator, vorsichtig eingesetzt, im Sommer für etwas Kühlung sorgen, da auch die oberen Zweige im Biotop durch den Wind schwanken, dabei sollte jedoch niemals Zugluft entstehen.

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