Nachzucht von Terrarientieren | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Nachzucht von Terrarientieren

Unter guten Grundvoraussetzungen kann die Vermehrung manchmal ganz von selbst klappen, häufig sind jedoch einige Vorkehrungen notwendig.
 
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Brauchen wir ein jahreszeitlich wechselndes Klima, um zur Paarung zu stimulieren?
Oft ist in der Terraristik von „Zucht“ die Rede, was, genau betrachtet, falsch ist. Zucht setzt nämlich, durch Selektion einiger, bestimmter Merkmale, ein Zuchtziel voraus, weshalb auch immer nur mit einigen, ausgewählten Elterntieren gezüchtet wird. In unserem Metier hat diese Methode bei einigen wenigen Arten (Leopardgecko, Kornnatter) Fuß gefasst, hier ist die Kreierung neuer und spektakulärer Farbmorphen das erklärte Zuchtziel. Einerlei wie man diesem Phänomen gegenübersteht, der größte Teil der Terrarianer vermehrt Tiere der gleichen Art, ohne ein bestimmtes Zuchtziel im Auge zu haben. Führen wir uns vor Augen: Trotz Nachwuchs über mehrere Generationen und dies teilweise über Jahrzehnte, bleiben unsere Pfleglinge Wildtiere und sind nicht wie Nutztiere durch gezielte Zucht domestiziert worden. Wichtig für unsere Belange sind neben der artgerechten Haltung das Vorhandensein beiderlei Geschlechter (es sei denn, wir pflegen Tiere, die sich durch Jungfernzeugung, also Parthogenese, reproduzieren können) und genaue Kenntnis der nachzuchtfördernden Umstände. Brauchen wir ein jahreszeitlich wechselndes Klima, um zur Paarung zu stimulieren? Winterschlaf? Regenzeiten? Sollten die Elterntiere ganzzeitlich zusammengehalten werden? Legen unsere Tiere Eier ab oder setzen sie vollentwickelte Junge (Ovoviparie) in die Welt? Lassen wir die Eier im Terrarium oder nutzen wir einen geeigneten Inkubator? Sollten dann die Temperatur und die Luftfeuchte konstant bleiben oder benötigen wir Schwankungen in den Bedingungen? All diese Fragen sollen zumindest angerissen werden.

Wirbellose

Bei einigen Insekten (Gespenstschrecken) herrscht Parthogenese vor, d.h. in der geeigneten Jahreszeit legt das Weibchen jeden Tag ein Ei, aus dem ein weiteres Weibchen schlüpft. Paart sich ein Männchen mit dem weiblichen Tier, sind die Nachkommen beidgeschlechtlich. Dies gilt auch für Stabschrecken und einige Gottesanbeterinnen. Bei vielen Gliedertieren betrachtet das Weibchen das Männchen im Regelfall als Beute und deswegen dürfen die Paare nur nach dem Einhalten bestimmter Rituale unter Aufsicht zur Kopula zusammengelassen werden. Hier muss bei Vogelspinnen und Skorpionen in den meisten Fällen das Verhalten darüber Aufschluss geben, wann ein Paarungsversuch erfolgreich sein könnte). Achatschnecken wiederum sind, wie alle Schnecken, echte Zwitter, d.h. ihre Geschlechtsorgane paaren sich über Kreuz. Sind die Wirbellosen herbivor, können die Jungen bedenkenlos bei den Alttieren verbleiben, wenn das Terrarium dicht genug ist. Aber auch viele fleischfressende Tiere wie Spinnen oder Skorpione kümmern sich eine gewisse Zeit aktiv um ihren Nachwuchs, so dass dieser erst später separiert werden muss.

Froschlurche

Hier kann man in vielen Fällen die Alttiere das ganze Jahr zusammenhalten, obwohl bei manchen Arten die Männchen Gefahr laufen, von den vielfach größeren Weibchen verspeist zu werden. Nur Tiere aus tropischen und subtropischen Gefilden paaren sich das ganze Jahr, bei den anderen muss eine Ruhephase eingelegt werden, damit zu Beginn des Frühlings oder der Regenzeit zur Fortpflanzung geschritten werden kann. Der Laich oder die Quappen sollten schon aus hygienischen Gründen separiert werden, außerdem fressen die meisten Froschlurche ihren Nachwuchs auf. Bei Anuren, bei denen die Elterntiere aktiv die Aufzucht betreiben (Färberfrosch), muss alles im Naturzustand belassen werden. Wenn zum Beispiel Agalyschnis callydryas (Rotaugenlaubfrosch) vermehrt werden soll, muss die Hälfte des Jahres ein nahezu trockenes und in der anderen Zeit ein fast überschwemmungsartiges Beregnungsmilieu mit den entsprechenden Temperaturunterschieden angeboten werden. Bei einigen Arten sind die Aussichten auf Nachwuchs vielversprechender, wenn mehr Männchen als Weibchen vorhanden sind, da das Gedränge um ein Weibchen jenes scheinbar stimuliert, befruchtbare Eizellen zu produzieren. Hat sich allerdings ein Paar für die Begattungsumklammerung gefunden, kann es nötig werden, die leer ausgegangenen Männchen zu entfernen, um den Stress zu minimieren. Bei allen Froschartigen werden die Jungen ab einer bestimmten Reife in Extrabehältern aufgezogen.

Schwanzlurche

Die meisten Schwanzlurche vermehren sich im Frühjahr bei noch geringeren Temperaturen im Wasser. Hierzu zeigt das Männchen durch ein farbenprächtiges Hochzeitkleid seine Bereitschaft an und versucht dem Weibchen zu imponieren. Hat das Weibchen seine Laichschnüre an Pflanzen und Einrichtungsgegenstände geklebt und sind sie vom Männchen befruchtet worden, ist es praktikabel, die Alttiere zu entfernen, um die Eier und später die Larven vor Kannibalismus zu schützen. Aber auch bei den Jungtieren müssen zurückgebliebene, kleinere Exemplare vor ihren größeren Geschwistern geschützt werden. Ebenfalls bei Arten, die Larven oder sogar fertige Jungtiere zur Welt bringen (Feuersalamander). Sie sollten separat aufgezogen werden, um die Eltern am Vertilgen der nächsten Generation zu hindern. Die Aufzucht erfolgt artentsprechend und das jeweilige Futter muss größenkompatibel sein.

Schildkröten

Bei der überwiegenden Mehrzahl der gepflegten Schildkrötenarten empfiehlt es sich, die Alttiere außerhalb der Fortpflanzungszeit nach Geschlechtern getrennt zu halten, wenn nicht im Ausnahmefall sehr große Unterbringungsmöglichkeiten geboten werden können (Griechische Landschildkröte). Von vielen Wasserschildkröten, von denen ein Großteil grundsätzlich einzelgängerisch lebt, ist bekannt, dass die permanenten Paarungsversuche der Männchen die weiblichen Tiere bis hin zum Tode stressen können. Wichtig bei allen Schildkröten ist die geeignete Eiablagemöglichkeit, die den Vorlieben der jeweiligen Art angepasst sein muss. Sonst legt das trächtige Weibchen die Eier in Ermangelung einer geeigneten Stelle frei im Becken ab oder kann sogar an Legenot eingehen, wozu Schildkröten besonders neigen. In großen Freianlagen sollte ein Legehügel so strukturiert sein, dass man sehen kann, ob an ihm gearbeitet wurde und man das Gelege bergen kann. Die Eier werden in selbstgefertigten oder im Fachhandel erworbenen Inkubatoren gezeitigt. Schlüpflinge verharren nach dem ersten Anritzen oft bis zu mehreren Tagen im Ei (Moschusschildkröte), erst wenn sie freiwillig komplett aus der Eihülle gekommen sind, ist der Dottersack absorbiert, von dem sie im Mutterleib gelebt haben. Bei Wasserschildkröten ist es äußerst wichtig, den Wasserstand allmählich zu erhöhen, auch ein bequemer Ausstieg verringert die Gefahr des Ertrinkens. Alle jungen Schildkröten sollten nicht mit den Elterntieren zusammen gehalten werden, da ihre Bedürfnisse anders sind und es selbst bei Pflanzenfressern nicht zuträglich ist, wenn die schweren erwachsenen Tiere sich am Sonnenplatz auf die zarten Babys legen. Bei Landschildkrötenjungen ist das Sicherheitsbedürfnis besonders groß, so dass für ausreichende Versteckmöglichkeiten gesorgt werden muss.

Echsen

Auch bei der Vermehrung von Echsen muss bei der Vergesellschaftung der Paare auf die Bedürfnisse der jeweils gepflegten Art eingegangen werden. Leicht ist die Vermehrung bei den Arten, die sowieso als Paar oder im Familienverband leben (Tokeh), hier geschieht die Eiablage (oder bei manchen Arten die Lebendgeburt) automatisch und die Eier werden im Terrarium belassen. Das Muttertier legt seine Eier instinktiv an einer geeigneten Stelle ab und die Jungen werden nach ihrem Schlupf nicht behelligt, müssen aber natürlich Futter in geeigneter Portionsgröße angeboten bekommen. Die Jungen müssen dann bei vielen Gruppentieren erst im nächsten Jahr, bzw. nach Erreichen der Geschlechtsreife, entnommen werden (Blauer Taggecko). Aber auch bei manchen Geckos die ihrem Nachwuchs nachstellen, kann man die Eier, wenn sie an einer glatten Fläche angeklebt wurden, unter einem Schutz aus feiner Gaze bis zum Schlupf im Behälter lassen. So nutzen wir das Temperatur- und Luftfeuchtikeitsregime im Terrarium und brauchen keinen Inkubator.

Bei vielen anderen Echsen allerdings müssen die Eier künstlich bebrütet werden, da sie von den erwachsenen Tieren gefressen oder zerstört werden. Natürlich muss auch hier ein geeigneter Eiablageplatz geschaffen werden und eventuelle Störenfriede, ob Männchen oder andere Weibchen, entfernt werden (Bartagame). Es kann nämlich durchaus sein, dass das trächtige Tier mehrere Probegrabungen durchführt und dabei sollte es in Ruhe gelassen werden. Bei Echsen, die nur zur Paarung zusammengeführt werden, muss aufmerksam beobachtet werden, ob nicht Unbehagen oder Stress auftritt (Jemenchamäleon). Sollte dies der Fall sein, muss der versuchte Begattungsvorgang unverzüglich abgebrochen werden.

Über die speziellen Bedingungen bei der Inkubation sollte man sich natürlich vorher so exakt wie möglich informieren: Welches Substrat? Welche Luftfeuchtigkeit? Welche Temperatur, ggf. Tag/Nachtschwankungen? Manche Eier sterben sofort ab, wenn auch nur ein Tropfen Wasser auf sie fällt, andere hingegen sind völlig unempfindlich. Äußerst wichtig ist es bei fast allen Echsen, die Eier in genau der Lage im Bebrütungsgefäß zu platzieren, in der man sie im Behälter vorgefunden hat. Um ein Drehen zu vermeiden, kann man die Oberseite mit einem (ungiftigen!) Stift markieren, so dass das Ei nicht abstirbt. Nach erfolgreichem Schlupf werden die Jungen extra aufgezogen, bei einigen Arten ist es sogar angeraten, dies separat zu tun, bzw. unterdrückte oder im Wachstum zurückgebliebene Exemplare einzeln zu halten. Bei einigen Chamäleonarten beginnt das Dominieren und damit der Stress untereinander schon nach einigen Tagen bzw. Wochen.

Schlangen

Die meisten Schlangen sind Einzelgänger und kommen somit nur zur Paarung zusammen. Tiere, die zu mehreren gehalten werden, beginnen nur bei den ihnen zusagenden Bedingungen (bspw. Erwärmung nach der Winterruhe) mit der Kopulation (Amurnatter). Bei Lebendgebärenden muss sichergestellt sein, dass die Babys das Terrarium nicht (z.B. durch den Spalt zwischen den Schiebescheiben) verlassen können (Stumpfbandnatter). Schlangeneier benötigen ungefähr einen Tag zum Aushärten, so dass man, wenn man die Ablage mitbekommt, die Eier noch vorsichtig trennen kann. Dies ermöglicht dann, sie so in den Brutbehälter zu legen, dass sie einander nicht berühren und etwa bei einer Verpilzung eines unbefruchteten Eies nicht das ganze Gelege vernichtet wird. Dies geht nur in den ersten 24 Stunden, sonst beschädigt man die Eier, wenn versucht wird, den Gelegeklumpen auseinander zu ziehen (Kornnatter). Sollte die Eiablage so spät bemerkt worden sein, dass ein Auseinandernehmen der Eier nicht mehr möglich ist, müssen sie eben im Haufen bebrütet werden. Fängt dann ein einzelnes Ei an zu schimmeln, bestreut man es mit feiner Aquarien-Filterkohle.

Einige Pythonarten bebrüten ihre Gelege aktiv, hier ist zu entscheiden, ob man im Terrarium die nötigen Bedingungen (Temperatur, Luftfeuchte, Sichtschutz) bieten kann und der Natur ihren Lauf lässt. Schlüpfen die Schlangen im Inkubator, entnimmt man sie entweder vorsichtig einzeln oder wartet ab, bis alle die Eihülle verlassen haben. Dies hängt vom Verhalten der Schlüpflinge ab: Wenn ein Tier durch wildes Herumkriechen die anderen, die vielleicht gerade ihre Köpfe herausstrecken, am Schlüpfen hindert, ist es vorsichtig zu entfernen. Die Aufzucht erfolgt in der Regel am besten einzeln in Kleinstbehältern, nach der ersten Häutung wird das erste Mal Futter angeboten (Kettennatter). Bevor die Jungschlange nicht wirklich futterfest ist, sollte man jede unnötige Beunruhigung und jedes Hantieren tunlichst unterlassen.

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