Steckbrief Griechische Landschildkröte | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief Griechische Landschildkröte

Lange Zeit betrachtete die Wissenschaft die östliche Unterart der Griechischen Landschildkröte als die ursprüngliche und nannte sie daher Testudo hermanni hermanniErfahren Sie im Steckbrief Details zu Aussehen, Nachwuchs, Lebensweise, Ernährung und Haltung der Griechischen Landschildkröte.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Griechische Landschildkröten sollten auch im Freiland gepflegt werden.

Steckbrief

  • Körperlänge: Panzerlänge bis 25 cm
  • Lebenserwartung: 50 Jahre
  • Verbreitung: Spanien, Balearen, südl. Frankreich, Italien, Küstenregion des ehem. Jugoslawien, Albanien, Bulgarien, Rumänien, Griechenland, Türkei
  • Lebensraum: lichte Wälder, Dünenlandschaften, Niederungen
  • Lebensweise: tagaktiv
  • Artbestand: gefährdet laut EU-Artenschutzverordnung, WA Kategorie A

Systematik

  • Klasse: Reptilien (Kriechtiere)
  • Ordnung: Testudines (Schildkröten)
  • Familie: Testudinidae (Landschildkröten)
  • Gattung: Testudo (Europäische Landschildkröten)
  • Art: Testudo hermanni (Griechische Landsschildkröte)

Aussehen

Die bekannteste Europäische Landschildkröte kann bis zu 2,5 kg wiegen. Männchen erreichen nur Panzergrößen von bis zu 20 cm bei etwa 1,5 kg. Der ovale Panzer ist deutlich gewölbt, hat ein geteiltes Schwanzschild und ist von gelblicher Grundfarbe. Gewöhnlich sind die vorderen Bereiche der Schilder schwarz gefärbt, allerdings unterschiedlich stark bis gänzlich schwarz, oder auch fehlend. Die Weichteile sind gelblich bis graubraun, bei Jungtieren dunkel. Der gelbe Bauchpanzer weist auf jedem Schild schwarze Flecken auf, die miteinander zu Streifen verschmelzen können. Männchen haben einen deutlich längeren Schwanz mit einem größeren Hornnagel am Ende sowie einen konkaveren Bauchpanzer als die Weibchen.

Nachwuchs und Aufzucht

Für eine erfolgreiche Vermehrung ist eine Überwinterung ein Muss. Die Männchen animieren die Weibchen durch Rammstöße und Bisse zur Flucht, verfolgen sie dann und reiten auf. Ein Gelege enthält gewöhnlich zwei bis elf (selten mehr) Eier. Die rundlichen Eier haben einen Durchmesser von 24 bis 33 mm und wiegen 10,5 bis 15,5 g. Zwei Gelege pro Jahr und Weibchen sind normal, ein drittes eher selten. Auf Vermiculit, Sand oder Seramis-Granulat werden die Eier bei 26 bis 32° C und leichter Nachtabsenkung (Luftfeuchte 70 bis 95 Prozent) in einem Inkubator gezeitigt. Die Eihüllen werden nach 54 bis 73 Tagen mithilfe der Eischwiele geöffnet. Der Schlupf selbst ist für die Jungen anstrengend und kann sich bis zu zwei Tage hinziehen. Jungtiere haben eine Panzerlänge von 30 bis 35 mm und wiegen 7 bis 15 g. Sie werden in Gruppen von drei bis zehn Tieren in gut beleuchteten Zimmerterrarien aufgezogen. Selbst ein nur eine Stunde dauernder Aufenthalt in der Sonne ist zu bevorzugen.

Lebensweise und Verhalten

Die Jahresaktivitätszeit der Griechischen Landschildkröte reicht je nach Herkunft von März bis November, eine Winterruhe füllt die restliche Zeit aus. Sie bewohnt bevorzugt trockene Areale wie Wiesen, offene Wälder und Hänge sowie Dünenlandschaften in Meeresnähe, ist aber auch in Kulturlandschaften und sogar auf Schuttplätzen zu finden. Im Frühjahr und Herbst ist sie an Vor- und Nachmittagen, im Sommer dagegen in den Morgenstunden und eventuell am Abend aktiv. Die Mittagshitze verbringen sie versteckt im Boden oder unter Büschen.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Erschütterungen des Bodens können frühzeitig registriert werden. Sehvermögen und Geruch sind sehr gut ausgebildet, besonders Bewegungen werden früh wahrgenommen. Mittels des Geruchssinnes finden sie in der Natur Futter und auch Geschlechtspartner. Vor der Eiablage riechen die Weibchen ausgiebig den Boden nach der geeignetsten Ablagestelle ab, zuzüglich wird auch durch Probegrabungen die Bodenbeschaffenheit überprüft. Bei der eigentlichen Paarung bringen die Männchen im Rhythmus des Stoßens heisere, piepsende Laute hervor.

Ernährung

Griechische Landschildkröten werden überwiegend vegetarisch ernährt. Daher sollte die Hauptnahrung aus frischem und angewelktem Grün bestehen. Dazu eignen sich diverse Kräuter wie Löwenzahn, Brennnessel, Luzerne, Klee, Wegerich und verschiedene Disteln sowie Heu, Mohrrüben, Chicoree und andere Gemüsesorten, wobei harte Sorten gerieben angeboten werden können. Zum Herbst hin ist das Angebot in Richtung welkes, trockenes Futter wie Heu zu ändern, um den Tieren die Vorbereitungen auf die Winterruhe zu erleichtern. Kalkpräparate wie Sepiaschalen und Vitaminprodukte können untergemischt werden. Gerne wird getrunken, daher ist auf einen Wasserbehälter zu achten.

Haltung

Griechische Landschildkröten sollten auch im Freiland gepflegt werden. Das Gelände sollte vollsonnig nach Süden liegen und freie Flächen zum Sonnen sowie Stauden und Büsche zum Verstecken aufweisen. Ein Frühbeethaus und beheizbares Schutzhaus sowie eine Wasserstelle sind notwendig. Bei einer Pflege von 2,2 bis 3 (zwei Männchen, zwei bis drei Weibchen) sollte das Gelände mindestens 10 m2  betragen. Ist eine Zimmerhaltung unvermeidlich, sollte unbedingt auf starke UVB-Beleuchtung und deutliche Temperaturschwankungen geachtet werden. Eine mehrmonatige Überwinterung ist notwendig und sollte unter kontrollierten Bedingungen im Keller oder Kühlschrank bei 8 bis 10° C durchgeführt werden. Züchter müssen eine Fotodokumentation der einzelnen Individuen vornehmen.

Hätten Sie's gewusst?

Lange Zeit betrachtete die Wissenschaft die östliche Unterart der Griechischen Landschildkröte als die ursprüngliche und nannte sie daher Testudo hermanni hermanni. Die westliche Unterart wurde als Testudo hermanni robertmertensi bezeichnet. Später fand man heraus, dass die westliche Unterart die zuerst beschriebene Form war, und muss diese nun als T. hermanni hermanni bezeichnen. Für die östliche Unterart stand der Name Testudo hermanni boettgeri zur Verfügung.
 

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