Steckbrief Maurische Landschildkröte | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief Maurische Landschildkröte

Die Maurische Landschildkröte ist diejenige Europäische Landschildkröte, bei der in den vergangenen Jahren neue Untersuchungsmethoden zur Beschreibung neuer, bereits bekannter Varianten führte. Erfahren Sie im Steckbrief Details zu Aussehen, Nachwuchs, Lebensweise, Ernährung und Haltung der Maurischen Landschildkröte.
 
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Die Maurische Landschildkröte ernährt sich überwiegend von vegetarischer Kost.

Steckbrief

  • Körperlänge: Panzerlänge bis 30 cm
  • Lebenserwartung: 60 - 80 Jahre
  • Verbreitung: Südl. Europa von Spanien bis Türkei, Transkaukasus, Iran, Irak, Israel, nördl. Afrika
  • Lebensraum: trockene Gebiete
  • Lebensweise: tagaktiv
  • Artbestand: gefährdet laut EU-Artenschutz- verordnung, WA Kategorie A

Systematik

  • Klasse: Reptilien (Kriechtiere)
  • Ordnung: Testudines (Schildkröten)
  • Familie: Testudinidae (Landschildkröten)
  • Gattung: Testudo (Europäische Landschildkröte)
  • Art: Testudo graeca (Maurische Landsschildkröte)

Aussehen

Die Maurische Landschildkröte läst sich anhand des ungeteilten Schwanzschildes sowie der gut sichtbaren, seitlich des Schwanzes gelegenen Höckerschuppen leicht von der Griechischen Landschildkröte unterscheiden. Weibchen erreichen bis zu 5 kg Masse und 30 cm Panzerlänge, die Männchen bleiben kleiner und leichter. Der gewölbte Panzer ist von ovaler Form, und die Grundfärbung ist variabel von Gelb bis Schwarz. Gewöhnlich sind dunklere Flecken vorhanden, bei einigen Exemplaren fehlen sie jedoch. Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Jungtiere gefärbt. Männchen sind an dem deutlich längeren Schwanz und einem konkaveren Bauchpanzer zu erkennen.

Nachwuchs und Aufzucht

Nach der Überwinterung (ein Muss!) verfolgen die Männchen die Weibchen und bedrängen sie durch Rammen und Schieben mit dem Panzer wie auch durch Beißen in die Gliedmaßen und den Kopf. Stoppen die Weibchen, reiten die Männchen auf. Zwei Gelege pro Jahr sind der Regelfall, ein drittes seltener. Ein Gelege enthält gewöhnlich drei bis acht weiße, leicht längliche Eier. Sie haben Maße von 30 bis 42,5 x 24,5 bis 35 mm und wiegen 17 bis 20 g. Als Substrat eignet sich Vermiculit oder Sand, in dem die Eier bei 28 bis 32° C, leichter Nachtabsenkung und einer Luftfeuchte von 70 bis 95 Prozent in einem Inkubator gezeitigt werden. Mit der Eischwiele öffnen die Jungen die Eischale nach 55 bis 100 Tagen. Der Schlupf ist anstrengend und kann sich bis zu zwei Tage hinziehen. Sie werden in Gruppen von drei bis zehn Tieren in gut beleuchteten Zimmerterrarien unter Verwendung von ausreichend UVB-Licht aufgezogen. Wann immer es möglich ist, sollten die Jungen der Sonne ausgesetzt werden.

Lebensweise und Verhalten

Aufgrund ihrer großen Verbreitung verteilt sich ihre Jahresaktivitätszeit je nach Herkunft von Anfang März bis Anfang Dezember, dazwischen findet die Winterruhe statt. Sie bewohnt trockene Gebiete, sofern sie genügend Verstecke und Schattenplätze aufweisen. Dazu gehören landwirtschaftlich genutzte Flächen ebenso wie Buschlandschaften, Berghänge und Sanddünen. Je nach Unterart hat sie eine vertikale Verbreitung von Meereshöhe bis zu 2.000 m über dem Meeresspiegel. Daher sind auch ihre Tages- und Jahresaktivitäten recht unterschiedlich. In den Sommermonaten hält sie sich über die Mittagszeit versteckt oder führt sogar eine Sommerruhe durch.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Wie die anderen Arten der Europäischen Landschildkröte kann auch sie früh Erschütterungen des Untergrundes wahrnehmen. Besonders Geruchssinn und Sehvermögen sind gut ausgeprägt, daher kann sie schon früh auf Bewegungen reagieren. Geschlechtspartner sowie Futter werden gezielt durch den Geruch registriert. Vor der Eiablage wird die Bodenbeschaffenheit von den Weibchen ausgiebig durch Riechen und durch Probegraben geprüft. Die Männchen stoßen bei der Kopulation im Stoßrhythmus heisere, piepsende Laute aus.

Ernährung

Die Maurische Landschildkröte ernährt sich überwiegend von vegetarischer Kost. Sie ist wenig wählerisch und nimmt gern frische und angewelkte Kräuter wie Klee, Wegerich, Löwenzahn, Luzerne, Brennnessel und Disteln, dazu aber auch Gemüse und Obst wie Mohrrüben, Kohl, Chicoree und andere. Harte Sorten sollten in geriebener Form angeboten werden. Gern fressen sie auch Regenwürmer. Im Herbst ist es von Vorteil, das Nahrungsangebot zu welkem und trockenem Futter wie Heu zu ändern, denn damit wird auf die Winterruhe vorbereitet. Vitamin- und Kalkpräparate sollten regelmäßig zur Verfügung stehen.

Haltung

Maurische Landschildkröten sollten auch im Freiland gepflegt werden, allerdings sind ihre Temperaturansprüche bisweilen höher als bei der Griechischen Landschildkröte. Daher sollte das Gelände nach Süden ausgerichtet sein und unbedingt über ein Frühbeethaus und ein beheizbares Schutzhaus verfügen. Sonnenflächen und Schattenplätze sowie ein Wassergefäß dürfen nicht fehlen. Grundsätzlich sollte eine Zuchtgruppe immer mehr Weibchen als Männchen beinhalten, z. B. 2,3 bis 4 (zwei Männchen, drei bis vier Weibchen). Bei der Zimmerhaltung ist unbedingt auf ausreichend starke UVB-Beleuchtung in Verbindung mit nächtlichen Temperaturschwankungen zu achten. Je nach Unterart und Herkunft ist eine kurze bis mehrmonatige Überwinterung notwendig, die kontrolliert im Keller oder Kühlschrank bei 8 bis 10° C durchgeführt werden sollte. Züchter sind zu einer Fotodokumentation der Individuen verpflichtet.

Hätten Sie's gewusst?

Die Maurische Landschildkröte ist diejenige Europäische Landschildkröte, bei der in den vergangenen Jahren neue Untersuchungsmethoden zur Beschreibung neuer, bereits bekannter Varianten führte. Dies hatte zur Folge, dass jetzt 13 Unterarten allgemein anerkannt werden. Sicherlich wird das in Zukunft noch zu weiteren Änderungen führen.
 

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