Steckbrief: Kettennatter | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief: Kettennatter

Alle Kettennattern benötigen eine mehr oder weniger intensive Winterruhe, damit eine Nachzucht erfolgen kann. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Nachwuchs, Lebensweise, Kommunikation, Ernährung und Haltung der Kettennatter.
 
© Jake Holmes / iStockphoto
In manchen Gegenden sind sie als Klapperschlangenvernichter besonders geschützt und gerne gesehen.

Steckbrief

  • Körperlänge: je nach Unterart von 100 bis (selten) 150 cm
  • Lebenserwartung: bis 20 Jahre
  • Verbreitung: mittleres bis südliches Nordamerika
  • Lebensraum: Halbwüsten, Prärien, Busch- und Waldlandschaften, Siedlungsränder
  • Lebensweise: tag- und dämmerungsaktiv
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Reptilien (Kriechtiere)
  • Ordnung: Squamata (Schuppenkriechtiere)
  • Familie: Colubridae (Nattern)
  • Gattung: Lampropeltis (Königsnattern)
  • Art: Lampropeltis getula (Kettennatter)

Aussehen

Die Kettennatter ist eine kräftige, meist mittelgroße Schlange, deren Kopf kaum vom Körper abgegrenzt ist. Neben den unvermeidlichen Terrarienfarbzuchten sind alle Unterarten verschieden gezeichnet, allerdings dominieren schwarze Ringe, Streifen, Ozellen oder andere Musterformen auf hellerem Untergrund. Manche Unterarten sind komplett schwarz gefärbt, während der Bauch immer heller erscheint. Die Schuppen sind eher klein und nicht gekielt, der Kopf wirkt in der Proportion kleiner als z.B. bei Kletternattern.

Nachwuchs und Zucht

Alle Kettennattern benötigen eine mehr oder weniger intensive Winterruhe, damit eine Nachzucht erfolgen kann. Meistens reicht eine Verringerung von Licht und Wärme im Zimmerterrarium aus, um die Tiere zur Kopula zu bewegen. Die Paarung verläuft häufig recht stürmisch und kann sich über Stunden hinziehen. Oft setzt das Männchen dabei einen Nackenbiss bzw. verbeißt sich an irgendeiner Stelle des Körpers in das weibliche Tier. Nach 40 bis 70 Tagen, in denen es einen unglaublichen Appetit an den Tag legt, setzt das Weibchen ein Gelege von meist etwa zehn Eiern an einer feuchten, geschützten Stelle im Behälter ab. Die Eier werden in einem geeigneten Inkubator gezeitigt (95 Prozent Luftfeuchte, 26 bis 28° C bei Nachtabsenkung um ca. 5° C) – im Terrarium bestünde die Gefahr des Kannibalismus. Wenn die Jungen nach durchschnittlich 60 Tagen geschlüpft sind, d. h. wenn sie das Ei vollständig verlassen haben, zieht man sie bestenfalls einzeln in Kleinstterrarien oder Fauna-Boxen auf. Sie sollten es im Mittel etwas wärmer als die Alttiere haben und gehen problemlos an nackte Futtermäuse.

Lebensweise und Verhalten

Die neun Unterarten der Kettennatter bewohnen völlig unterschiedliche Biotope. Allen gemein ist, dass sie eine bestimmte Temperatur benötigen, um aktiv sein zu können. Es gibt Unterarten in der Wüste, die ausschließlich nachts unterwegs sind, um Beute zu machen, während der Großteil der Tiere tag- und dämmerungsaktiv ist. Kettennattern sind im Allgemeinen recht ungeschickte Kletterer, obschon sie im Frühjahr versuchen, an Vogelnester zu gelangen. Sie durchstreifen lange ihr Revier auf der Suche nach Fressbarem oder einem Partner, um nach erfolgreicher Jagd in der Sonne zu verdauen. Bei Gefahr verschwinden sie im nächsten Versteck. Werden sie ergriffen, entleeren sie ihre Analdrüsen oder die Kloake und beißen bisweilen auch herzhaft zu. Aufgrund ihres weit gefächerten Beutespektrums trifft man Kettennattern an den unglaublichsten Stellen an, so auch in Getreidesilos, wo sie sich an Schadnagern gütlich tun.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Wie alle Schlangen sind auch Kettennattern taub, spüren aber Erschütterungen und Schallwellen. Ihr Gesichtsinn ist gut entwickelt, die größte Rolle jedoch spielt der Geruch, wobei durch das Züngeln winzige Einheiten von Duftstoffen im Jacobssonschen Organ (zwischen Nasenlöchern und Augen gelegen) als Information verarbeitet werden. Untereinander zeigen sie Stress durch rhythmische Zuckungen an.

Ernährung

Abgesehen von einigen wenigen spezialisierten Individuen fressen Kettennattern buchstäblich alles, was sie überwältigen können: Nager, Vögel, Eier, Reptilien und Amphibien und sogar Aas. Im Terrarium spielen Nager aller Arten, je nach Größe der zu fütternden Schlange, die wichtigste Rolle. Diese Schlangen sind unvorstellbar gierig und recht plump bei der Nahrungsaufnahme. So kann es geschehen, dass sie sich selbst beißen. Daher sollten sie während der Fütterungen nicht allein gelassen werden. Es ist durchaus empfehlenswert, diese Tiere wegen des vorhandenen Hangs zum Kannibalismus einzeln zu pflegen. Hält man sie doch zusammen, müssen sie während der Fütterung unbedingt separiert werden. Mitunter wird es erforderlich, die Tiere nach dem Fressen abzuwaschen, da die anhaftenden Duftstoffe der Nager in Kombination mit der Bewegung der Schlange zum Beuteangriff reizen kann.

Haltung

Für eine einzelne Kettennatter sollte das Terrarium die Maße 120 x 70 x 80 cm (Länge x Tiefe x Höhe) aufweisen. Als Bodengrund eignen sich Sand-Erde-Gemische. Eine Versteckmöglichkeit muss angeboten werden. Erhöhte Ablageflächen werden gern angenommen, die Kletteräste müssen stark und stabil montiert sein. Eine Trinkmöglichkeit sollte groß genug zum Baden sein, manche Unterarten baden z.B. bei sehr hohem Luftdruck ausgesprochen gern. Durch Bodenheizung oder Strahler wird ein Hot-Spot von 26 bis 28° C angeboten, die Beleuchtung kann durch Energiesparlampen oder Leuchtstoffröhren erfolgen.

Hätten Sie's gewusst?

Während bei uns unter dem deutschen Namen „Königsnatter“ die Dreiecksnattern (Lampropeltis triangulum sp.) verstanden werden, heißt die Kettennatter in den USA „Kingsnake“ – nicht wegen ihres spektakulären Aussehens (was eher für die Dreiecksnattern zutreffen würde), sondern weil sie sozusagen als König der Schlangen alle anderen Schlangenarten in ihren Biotopen fressen. In manchen Gegenden sind sie somit als Klapperschlangenvernichter besonders geschützt und gerne gesehen.

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