Steckbrief: Kornnatter | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief: Kornnatter

Man kann Kornnattern in allen Kombinationen halten, dennoch ist die Trennung nach Geschlechtern bzw. das Zusammensetzen im Frühling ein entscheidender Punkt für die Paarungsfähigkeit der Tiere. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Nachwuchs, Lebensweise, Kommunikation, Ernährung und Haltung der Kornnatter.
 
© pixabay.com/sipa (CC0 Public Domain)
Kornnattern sind wie alle Schlangen taub und nehmen lediglich Erschütterungen, und zu einem sehr geringen Teil Schallwellen wahr.

Steckbrief

  • Körperlänge: 120 - 160 cm, in Menschenobhut selten bis 180 cm
  • Lebenserwartung: 15 - 20 Jahre
  • Verbreitung: USA, Nordmexiko
  • Lebensraum: Prärien, Halbwüsten, Wälder, Buschlandschaften
  • Lebensweise: dämmerungs- und nachtaktiv, gute Kletterer
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Reptilien (Kriechtiere)
  • Ordnung: Squamata (Schuppenkriechtiere)
  • Familie: Colubridae (Nattern)
  • Gattung: Pantherophis (Neuweltkletternattern)
  • Art: Pantherophis guttatus guttatus (Kornnatter)

Aussehen

Kornnattern sind schlanke, dennoch kräftige Kletternattern, deren Kopf sich deutlich vom Hals absetzt. Obwohl sie zweifelsfrei die Schlange mit den meisten, durch Züchtungen entstandenen, Farbvarianten ist, sind sie auch in ihrer natürlichen Form ausgesprochen schön gezeichnet. Auf orange-hellrotem Grund befinden sich Muster, Rauten und Ozellen desselben Farbtones in dunklerer Form, die braun-schwarz umrandet sind. Die querliegenden Bauchschuppen sind schmutzig- bis fast leuchtend-weiß und bei manchen der drei Unterarten mit viereckigen dunklen Flecken verziert. Die Körperschuppen tragen nur teilweise schwache Kiele. Ob die Kornnatter so heißt, weil ihre Bauchschuppen teilweise an einen Maiskolben erinnern (amerikanisch: corn = Mais), oder ihre Kopfzeichnung so aussieht bzw. sie schnell in den Maisfeldern der ersten Siedler auftauchte, ist umstritten.

Nachwuchs und Aufzucht

Man kann Kornnattern in allen Kombinationen halten, dennoch ist die Trennung nach Geschlechtern bzw. das Zusammensetzen im Frühling ein entscheidender Punkt für die Paarungsfähigkeit der Tiere. Kornnattern werden schon so lange in Terrarien vermehrt, dass eine richtige Winterruhe meist nicht mehr vonnöten ist. Die Geschlechter lassen sich mit einiger Übung an den Schwanzlängen unterscheiden, die männlichen Tiere haben deutlich längere Schwänze, die an den Seiten leichte Ausbeulungen haben, in denen sich die Geschlechtsorgane befinden. Die Paarung erfolgt durch das Einführen eines der beiden Hemipenis des Männchens und kann mehrere Stunden andauern. Bildet das Weibchen Eier aus, wird es einen deutlich erhöhten Nahrungsbedarf an den Tag legen. In der Regel eine Woche vor der Eiablage fängt das Weibchen an zu suchen und die Nahungsaufnahme einzustellen. Durchschnittlich einen Monat nach der erfolgreichen Paarung werden die Eier in einen vorbereiteten Behälter, z.B. einen Eimer mit Einstiegsloch im Deckel, gelegt. Als Substrat dient feuchtes Terrarienmoos. Entsteht der Eindruck, das Männchen stört das Weibchen oder will sich mit in die Legekiste drängen, wird es separiert. Die Anzahl der Eier kann zwischen vier und 40 Stück betragen, die im Inkubator bei 26 bis 29° C und nahezu 100 Prozent Luftfeuchtigkeit ausgebrütet werden. Eine starke Nachtabsenkung der Temperatur verzögert zwar den Schlupf, bringt aber kräftigere Jungtiere hervor. Abhängig von der Temperatur schlüpfen die Jungen nach 45 bis 70 Tagen. Das Weibchen bleibt meist bis zur nächsten Häutung an seinem Platz und muss danach Extra-Futtergaben erhalten. Die Jungen werden in (ausbruchssicheren) Kleinstterrarien oder Fauna-Boxen gehalten und nach der ersten Häutung (einzeln) mit einer aufgetauten Babymaus gefüttert.

Lebensweise und Verhalten

Kornattern sind dämmerungs- und nachtaktiv und müssen an zahlreichen Orten ihrer riesigen Verbreitung als teilweise kulturfolgend angesehen werden. Nachdem sie ihre Aktivitätstemperatur durch Sonnenbaden erreicht haben, durchstreifen sie ihr Habitat auf der Suche nach Nahrung. War diese erfolgreich, kann man sie auch tagsüber in der Sonne verdauen sehen. Auf der Suche nach Vögeln bzw. deren Brut klettern sie hervorragend, es sind Exemplare auf Mammutbäumen in einer Höhe von über 40 Metern beobachtet worden. Je nach Vorkommensgebiet verbringen sie die kalte Jahreszeit, oft in Gesellschaft anderer Schlangen, in frostfreien Unterschlupfen.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Kornnattern sind wie alle Schlangen taub und nehmen lediglich Erschütterungen, und zu einem sehr geringen Teil Schallwellen wahr. Dafür sind ihre Augen sehr gut ausgebildet und auch zu einem bestimmten Teil in der Lage, zumindest bewegliche Objekte unabhängig voneinander wahrzunehmen. Zweifelsohne aber ist der Geruch der wichtigste und auch am besten ausgeprägte Sinn. Durch permanentes Züngeln werden winzige Duftstoffe aufgenommen und im Jacobsonschen Organ, zwischen den eigentlichen Nasenöffnungen und den Augen gelegen, ausgewertet. So werden Feinde ausgemacht, Beute aufgespürt und auch Fortpflanzungspartner gefunden. Innerartliche Kommunikation läuft durch Bewegungen ab, vom Männchen gestresste Weibchen zucken ruckartig und stoßen schlimmstenfalls nach dem Störenfried. Junge Kornnattern täuschen Bisse vor, wenn sie sich bedroht fühlen. Dies soll vielleicht eine Giftschlange imitieren und verhindert, dass sie mit ihren kleinen Zähnen am Feind hängen bleiben und aus der Deckung gezogen werden würden.

Ernährung

Im Habitat fressen diese Nattern alles, was sie überwältigen können, und spezialisieren sich auch bei einem permanenten Angebot bestimmter Beutetiere. Im Terrarium müssen allerdings weder bestimmte Echsen noch Vögel angeboten werden, die üblichen Futternager (aufgetaut) wie Mäuse, kleine Ratten, Vielzitzenmäuse oder Wüstenrennmäuse, bei erwachsenen Tieren ca. alle zehn Tage dargereicht, genügen vollkommen. Alle Schlangen müssen bei der Fütterung separiert werden! Babys füttert man mindestens einmal in der Woche.

Haltung

Für ein bis zwei Kornnattern sollte ein Terrarium von 120 x 60 x 80 cm (Länge x Tiefe x Höhe) zur Verfügung stehen. Klettermöglichkeiten, ob als stabile verankerte Äste oder an der Rückwand, müssen vorhanden sein. Die unbedingt erforderliche Wasserschale sollte so groß sein, dass sie auch zum Baden genutzt werden kann. Plateaus, die den Schlangen das Liegen an erhöhter Stelle ermöglichen, dürfen ebenso wie ein Unterschlupf nicht fehlen. Als Bodengrund kann Terrarienhumus verwendet werden. Der Hot-Spot sollte 28 bis 30° C aufweisen, der Rest des Terrariums ist mit 22 bis 24° C richtig beheizt. Nachts kann die Temperatur auf Zimmerniveau fallen. Keinerlei elektrische Installationen darf von den Nattern erreicht werden, da ihnen Hautwärmerezeptoren fehlen und sie sich schwere Verbrennungen zuziehen könnten. Eine sogenannte Wet-Box, ein Gefäß mit feuchtem Terrarienmoos, erleichtert uns das Hantieren, sodass das Terrarium nur ein- bis zweimal wöchentlich übersprüht werden muss. Für die meisten Kornnattern genügt eine Winterruhe von Oktober bis Februar im abgedunkelten, unbeheizten Terrarium. Wenn dies nicht nötig ist, ist es völlig normal und unbedenklich, wenn speziell die Männchen für einige Monate die Nahrungsaufnahme einstellen.

Hätten Sie's gewusst?

Alle Farbformen, die zu Zehntausenden weltweit die Terrarien der Liebhaber bevölkern, stammen von fünf oder sechs Tieren ab, die in den siebziger Jahren gefangen wurden. Die meisten von diesen Farbschlägen wären in der Natur wegen ihrer geradezu signalartigen Farben nicht lebensfähig, da sie Beutegreifer direkt anlocken würden.

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