Steckbrief: Strumpfbandnatter | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Steckbrief: Strumpfbandnatter

In einer Höhle in Manitoba (Kanada) überwintern jedes Jahr ungefähr 10.000 Strumpfbandnattern zusammen mit mehreren hundert Schlangen anderer Arten. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Nachwuchs, Lebensweise, Kommunikation, Ernährung und Haltung der Strumpfbandnatter.
 
© Thomas Brodmann / animals-digital.de
Strumpfbandnattern fressen Fische, Amphibien, Regenwürmer, Nacktschnecken und kleinere Mäuse.

Steckbrief

  • Körperlänge: 70 cm, selten 110 cm
  • Lebenserwartung: maximal 15 Jahre
  • Verbreitung: Kanada bis Mexiko
  • Lebensraum: Gärten, Wälder, Prärien, meist in Gewässernähe
  • Lebensweise: tagaktiv
  • Artbestand: nicht gefährdet, allerdings zwei Unterarten geschützt

Systematik

  • Klasse: Reptilien (Kriechtiere)
  • Ordnung: Squamata (Schuppenkriechtiere)
  • Familie: Colubridae (Nattern)
  • Gattung: Thamnophis (Stumpfbandnattern)
  • Art: Thamnophis sirtalis (Gewöhnliche Stumpfbandnattern)

Aussehen

Strumpfbandnattern sind kleinere, stark gebaute Nattern, die einen runden Kopf und große Augen besitzen. Ihre Schuppen sind stark gekielt, was den Tieren ein stumpfes, raues Aussehen verleiht. Die Gewöhnliche Strumpfbandnatter hat stets mehrere Längsstreifen über den ganzen Körper. Die Bauchseite ist in der Regel heller gefärbt als der Rest des Körpers. Obwohl die helle Streifung auf dunklem Grund im Terrarium sehr auffällig erscheint, wird dadurch im Biotop das genaue Gegenteil erreicht, man spricht hier vom sogenannten „Zebra-Effekt“. Natürlich gibt es mittlerweile alle vorstellbare Farbzuchten durch Auslese in Menschenobhut. Interessant ist der auffallend lange Schwanz bei allen Tieren.

Nachwuchs und Aufzucht

Es ist relativ einfach, diese Schlangen zu vermehren, da sie lebendgebärend sind. Die Geschlechter lassen sich ziemlich einfach an der Schwanzlänge auseinanderhalten, wenn man sich einige Zeit mit diesen Reptilien beschäftigt, gelingt dies sogar schon bei frisch geborenen Tieren. Nach der Winterruhe, die natürlich der geografischen Herkunft der Unterart angemessen sein muss, kommt es bald zur Kopula, wobei die Größenverhältnisse der Geschlechter auffallen : Bei manchen Unterarten erscheint das Weibchen doppelt so groß wie das Männchen. Die Paarung kann mehrere Stunden dauern. Nach zehn bis zwölf Wochen kommen die Jungen zur Welt. Dies geschieht, indem die Eihüllen der Kleinen kurz nach dem Ausstoßen aus der Kloake des Weibchens platzen. Egal worin wir die Tiere aufziehen, ob separiert oder als Gruppe, der Behälter muss absolut dicht sein! Die Ausbruchfähigkeit der jungen Nattern ist in Terrarianerkreisen sprichwörtlich, schon der Spalt zwischen den Schiebescheiben eines Terrariums reicht aus. Meist schon vor der ersten Häutung nehmen sie das erste Mal Nahrung auf. Halten wir sie gemeinsam, ist das Futter, z.B. aufgetaute Süßwasserfische, so klein zu schneiden, dass sich nicht zwei Tiere in dasselbe Stück verbeißen können.

Lebensweise und Verhalten

Strumpfbandnattern sind tagaktive Schlangen, die einen großen Teil ihrer Zeit mit Sonnenbaden und Jagen verbringen. Im Gegensatz zu den altweltlichen Wassernattern scheinen sie nicht so stark an das Wasser gebunden zu sein Es wurden schon Tiere Dutzende von Kilometern vom nächsten freien Wasser gefunden. Die meisten Tiere klettern weniger, meistens wird bei Gefahr die Flucht ins Wasser angetreten. In der Paarungszeit werden einzelne Weibchen oft von mehreren Männchen stürmisch bedrängt. Da diese Art von den meisten Menschen in Ruhe gelassen wird, findet man sie auch in Gärten und Parks.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Zweifelsfrei sind die Augen für diese Schlangen, die viel im und unter Wasser jagen, das wichtigste Sinnesorgan. Das Züngeln, das ja eigentlich den Geruchssinn der Strumpfbandnattern darstellt, ist ebenfalls sehr wichtig,. So wird nicht nur Beute, sondern auch die Paarungspartnerin - besser gesagt, deren Fährte - verfolgt. Motorische Kommunikation zeigt sich sowohl bei Stress durch Zuckungen als auch vor der Paarung. Wird eine Strumpfbandnatter bedrängt, wird eher die Analdrüse entleert als zugebissen. Mitunter fallen die Tiere in einen Totstellreflex (Akinese), um einen eventuellen Angreifer zu verwirren.

Ernährung

Strumpfbandnattern fressen Fische, Amphibien, Regenwürmer, Nacktschnecken und kleinere Mäuse. Selbst Wildfänge nehmen tote Süßwasserfische bzw. deren Stücke an. Keinesfalls darf Seefisch verabreicht werden, da dies den Tod der Schlangen zur Folge haben könnte. Interessanterweise gibt es Bestände, die Mäuse bevorzugen, und solche, die Warmblüter komplett ablehnen. Werden die Tiere gemeinsam gefüttert, müssen die Futterbrocken sehr klein sein, damit nicht ein Tier das andere mitfrisst.

Haltung

Für ein Pärchen genügt ein Terrarium in den Maßen 120 x 60 x 80 cm (Länge x Tiefe x Höhe). Im Gegensatz zu vielen anderen Nattern kann ein solches Becken ziemlich intensiv ausgeleuchtet werden. Zimmertemperatur mit einem Hot-Spot um 30° C reicht vollkommen aus. Wie in jedem Schlangenterrarium darf keinerlei Technik für die Tiere erreichbar sein. Kletteräste und Liegeplateaus neben einem großräumigen Wasserbecken gehören ebenfalls hinein. Als Bodengrund eignet sich z.B. ein Sand-Erde-Gemisch. Obwohl Strumpfbandnattern ziemlich elegant lebende Fische fangen, ist ihre Haltung in einem Paludarium (Aquaterrarium), in dem sie nie richtig trocken werden können, unzweckmäßig, da die Tiere dann zu Hautkrankheiten (sogenannte Schlangenpocken) neigen und Atmungsprobleme bekommen. Viele Terrarianer halten die Tiere, manchmal ganzjährig, im Freiland; auch hier gilt, was weiter oben schon über die Entweichungskünste der Nattern gesagt wurde. Des Weiteren müssen die Tiere vor Beutegreifern geschützt werden und überwintern können.

Hätten Sie's gewusst?

In einer Höhle in Manitoba (Kanada) überwintern jedes Jahr ungefähr 10.000 Strumpfbandnattern zusammen mit mehreren hundert Schlangen anderer Arten. Daraus auf ein eigentlich schlangenuntypisches Sozialverhalten zu schließen, wie es früher oft geschah, ist falsch, da es sich ausschließlich um das Ausnutzen natürlicher Gegebenheiten handelt.
 
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