Systematik der Schlangen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Systematik der Schlangen

Schlangen sind eine Unterordnung der Reptilien. Weltweit gibt es über 3.100 Arten. Sie kommen sowohl in den gemäßigten als auch tropischen Zonen mit Ausnahme der Polargebiete vor.
 
© Ernst Rose
Grüner Hundskopfschlinger (Corallus caninus).
Schlangen haben erfolgreich alle Habitate von der Wüste bis zum Regenwald erobert, vertikal von unterhalb Meereshöhe (Seeschlangen) bis in die Gebirge. Sie leben unter der Erde, im Sand, im Wasser und auf Bäumen. In der Natur sind sie überwiegend Einzelgänger. Sie meiden die Helligkeit und sind meist im Dunkeln aktiv, manche tagaktive lieben das Sonnen, einige Arten sind Kulturfolger. Diese nutzen die leichten Ernährungsmöglichkeiten, die Menschen bieten, z.B. Nagetiere auf Farmen.

Schlangen haben einen langgestreckten Körper und sind beinlos. Sie haben keine Augenlider und Trommelfelle. Durch besondere anatomische Eigenschaften des Kiefers kann das Maul extrem gedehnt werden. Sie sind komplett mit Schuppen bedeckt und müssen in bestimmten Abständen einen Hautwechsel durchführen. Schlangen sind überwiegend eierlegend, einige sind lebendgebärend.

Die systematische Einordnung der Schlangen folgt dem üblichen Weg: Überfamilie, Familie, Unterfamilie, Gattung und letztlich die Art mit eventuellen Unterarten. Die für jede Kategorie eigenen Merkmale sind nicht immer ersichtlich, sondern erschließen sich häufig anhand des inneren Aufbaus, wie der Organe und/oder des Knochenbaus. Die systematische Zuordnung erfolgt anhand von Forschungsergebnissen und deren Interpretation. Daher befindet sich die Einordnung immer im Wandel. Zudem gibt es verschiedene Ansichten, was erklärt, dass die Systematik nicht immer einheitlich gehandhabt wird.

Überfamilie Henophidia (Wühl- und Riesenschlangenverwandte)

Alle Mitglieder der Überfamilie sind ungiftig!

Familie Aniliidae (Rollschlangen)

Sie bestehen aus einer monotypischen Gattung und bewohnen nur das nördliche Südamerika. Die bodenbewohnende Art ist tagaktiv und sowohl im Wald als auch in kulturell genutzten Flächen anzutreffen. Sie erreicht maximal 100 cm Gesamtlänge und vermehrt sich durch das Absetzen von Jungtieren.

Familie Anomochilidae (Schildschwanz-Schlangen)

Sie siedeln in der Sunda-Region und erreichen Gesamtlängen bis 39 cm. Sie sind nahezu unerforscht und werden nicht in Menschenobhut gehalten. Keine Unterfamilien, nur eine Gattung mit zwei Arten.
  1. Boinae (Boaverwandte) sind in der Neuen Welt, auf Madagaskar und einigen Pazifikinseln verbreitet. Sie sind Bodenbewohner oder stark an ein Leben im Wasser angepasst. Als Nahrung dienen Wirbeltiere passender Größe. Die Fortpflanzung erfolgt durch das Absetzen von Jungtieren. Abgottschlange (Boa constrictor)
  2. Erycinae (Sandboaverwandte) haben getrennte Verbreitungen im westlichen Nordamerika und vom südlichen Europa und zentralen Afrika westlich durch das südliche Asien bis nach China. Die Bodenbewohner bevorzugen trockene Gebiete und werden bis 70 cm lang. Sie reproduzieren sich durch lebende Jungtiere.
  3. Pythoninae (Pythonverwandte) besiedeln Afrika südlich der Sahara, das südliche Asien, Südost-Asien, Australien und Neuguinea. Generell legen sie Eier, die einige Arten mittels Erhöhung der Körpertemperatur selbst bebrüten. Sie bewohnen alle Habitate, einige Arten sind gerne am und im Wasser anzutreffen. Königspython (Python regius)
Familie Bolyeridae (Mauritius-Boas)

Sind nur auf einigen kleinen Inseln nördlich von Mauritius zu finden. Mit 138 cm Gesamtlänge recht kleine „Riesenschlangenverwandte“. Nur wenig ist über die zwei monotypischen Gattungen bekannt, vermutlich sind beide Echsenfresser. Eine Art vermehrt sich durch Eiablage, bei der zweiten ist die Form der Vermehrung unbekannt.

Familie Cylindrophiidae (Walzenschlangen)

Sie sind in Sri Lanka, Südost-Asien und der Sunda-Region zu finden. Die bodenbewohnenden Tiere erreichen 90 cm Gesamtlänge und vermehren sich durch das Absetzen von lebenden Jungtieren. Sie haben stumpfe Schnauzen und kurze Schwänze, ihre Bauchseite ist immer weiß und schwarz gefleckt. Insgesamt eine Gattung mit zehn Arten.

Familie Loxocemidae (Spitzkopf-Pythons)

Nur eine Gattung mit einer Art, die das nordwestliche Zentralamerika bewohnt. Sie wird bis 157 cm lang, ist nachtaktiv und besiedelt Waldböden. Die Reproduktion erfolgt durch Eiablage.

Familie Tropidophiidae (Zwergboa-Verwandtschaft)

Es werden drei Unterfamilien gewertet: 
  1. Tropidophiinae (Eigentliche Zwergboas) erreichen eine Gesamtlänge von bis zu 100 cm. Sie sind mit zwei Gattungen auf den Westindischen Inseln und in Zentral- und Südamerika zu finden, wo sie bodenbewohnend sind, aber auch gerne klettern. Sie setzen lebende Jungschlange ab.
  2. Ungaliophiinae (Zentralamerikanische Zwergboas) sind mit zwei Gattungen vom südlichen Mexiko mit Unterbrechungen bis zum nördlichen Kolumbien verbreitet. Die nachtaktiven Zwergboas fressen Frösche und Echsen und sind ebenfalls lebendgebärend.
  3. Xenophidioninae (Stachelkiefer-Schlangen) sind bislang nur durch zwei Exemplare in zwei Arten einer Gattung bekannt. Sie sind Bodenbewohner des Regenwaldes in Malaysia. Ein Weibchen enthielt einige Eier, die weitere Biologie ist unbekannt.
Familie Uropeltidae (Schildschwanz-Schlangen)

Die Mitglieder der Familie sind nur im südlichen Indien und auf Sri Lanka zu finden, wo sie im und auf dem Boden leben. Die maximale Gesamtlänge beträgt 42 cm, ihre Nahrung könnten Würmer und andere Wirbellose sein, vermutlich setzen sie fertige Jungtiere ab.

Familie Xenopeltidae (Regenbogen- oder Erdschlangen)

Sie besiedeln Südost-Asien und die Sunda-Region. Die bodenbewohnenden und nachtaktiven Schlangen werden bis 114 cm lang und zeigen einen irisierenden Glanz. Sie ernähren sich von Fröschen, Echsen sowie kleinen Schlangen und sind eierlegend. Nur eine Gattung mit zwei Arten.

Überfamilie Xenophidia (Nattern- und Vipernartige)

Teils ungiftig, teils giftig.

Familie Acrochordidae (Warzenschlangen)

Die im Süß-, Brack- und Meerwasser lebenden ungiftigen Warzenschlangen (eine Gattung mit drei Arten) sind von Südindien über Südostasien, die Sunda-Region, Neuguinea, das nördliche Australien bis zu den Salomonen verbreitet. Sie sind mit kleinen körnerartigen Schuppen bedeckt. Die Hauptnahrung der massigen Schlangen ist Fisch, weiterhin fressen sie Krustentiere, Amphibien und Mollusken. Sie werden bis zu 290 cm lang und vermehren sich durch das Absetzen von Jungtieren.

Familie Atractaspididae (Erdvipernverwandte)

Hierbei handelt es sich um Schlangen mit deutlich ausgebildeten Giftdrüsen. Ihre giftführenden Zähne sind unterschiedlich entwickelt. Dennoch sollte man sie wie Giftschlangen behandeln. Sie sind in Afrika südlich der Sahara und auf der südwestlichen Arabischen Halbinsel sowie in Israel und Jordanien anzutreffen. 110 cm ist ihre maximale Gesamtlänge. Sie sind bodenbewohnend und vermehren sich durch Eiablage und auch fertige Jungtiere.

Familie Colubridae (Nattern)

Sie stellen die zahlenmäßig größte Gruppe aller Schlangen. Gewöhnlich sind sie nicht giftig, allerdings gibt es Ausnahmen. Einige Arten haben Giftdrüsen, aber keine giftführenden Zähne und andere Arten besitzen – meist weiter hinten im Kiefer – Zähne mit einer Rinne, durch die beim Biss das Gift eingeleitet wird. Nattern sind in allen Biotopen mit Ausnahme der arktischen und subarktischen Regionen rund um die Welt verbreitet. Sie sind boden-, baum-, oder wasserbewohnend und reproduzieren sich durch Eiablage oder lebendgebärend. Als Nahrung dient von Wirbellosen bis zum Säugetier alles, was überwältigt werden kann. Sie stellen den größten Anteil in der Schlangenpflege. Sie sind in folgende Unterfamilien eingeteilt: Colubrinae (Eigentliche Natternverwandte), Homalopsinae (Wassertrugnatternverwandte), Lamprophiinae (Hausschlangenverwandte), Natricinae (Wassernatternverwandte), Pareatinae (Schneckennatternverwandte), Xenodermatinae (Höckernatternverwandte), Xenodontinae (Ungleichzähnige Natternverwandte)
Familie Elapidae (Giftnattern)

Wie der Trivialname bereits sagt, sind Giftnattern giftig! Sie weisen weit vorn im Oberkiefer stehende röhrenartige und gefurchte Giftzähne auf, die mit den Giftdrüsen in Verbindung stehen. Sie sind in Afrika, von Kleinasien über das südliche Asien bis nach Australien, vom südlichen Nordamerika bis ins südliche Südamerika sowie in großen Teilen der tropischen Ozeane verbreitet. Typisch ist das Fehlen von Lorealschildern. Überwiegend sind es schlanke, elegante Schlangen von kleiner bis sehr großer Endgröße (unter 50 cm bis maximal 585 cm). Sie sind in zwei Unterfamilien geteilt:
  1. Elapinae (Echte Giftnattern) vermehren sich gewöhnlich durch Eiablage. Es sind überwiegend bodenbewohnende Arten, einige wenige sind Baumbewohner, und nur eine Art ist an das Leben im Wasser angepasst.
  2. Hydrophiinae (Seeschlangen) sind in terrestrisch lebende Arten, die Eigentlichen Seeschlangen und die Seekraits unterteilt. Erstere sind bodenbewohnende Schlangen, die ihre Eier oder Jungtiere an Land ablegen. Die Eigentlichen Seeschlangen sind vollkommen an das Leben im Wasser angepasst und bringen alle lebende Junge zur Welt, und das ausschließlich im Wasser. Die letzte Gruppe lebt im Meereswasser, geht aber zur Eiablage an Land.
Familie Viperidae (Vipern)

Hier handelt es sich ebenfalls um giftige Schlangen, von kleiner bis mittelgroßer (bis 375 cm) Gesamtlänge, allerdings sind sie mit einem anderen Giftzahnsystem ausgestattet. Sie weisen vollständig röhrenartige Zähne auf, die beim Biss wie Injektionsnadeln wirken. Bei geschlossenem Maul liegen sie längs des Schädeldachs umgeklappt in Hauttaschen. Zumeist sind es gedrungen wirkende Schlangen mit deutlich abgesetztem Kopf. Drei Unterfamilien werden anerkannt:
  1. Azemiopenae (Fea-Vipern) sind nur im südzentralen China und den angrenzenden Teilen von Myanmar und Vietnam in einer monotypischen Gattung (nur eine Art) verbreitet. Wie den Eigentlichen Vipern fehlt ihr eine Lorealgrube. Sie wird bis zu 925 mm lang und ist zumeist dämmerungs- und nachtaktiv. Sie besiedelt Regenwälder in 800 bis 1.000 m Höhe und ernährt sich wahrscheinlich von Nagern. Ihre Vermehrung erfolgt durch Eiablage.
  2. Crotalinae (Grubenottern) sind durch die Präsenz des Grubenorgans (Name!) gekennzeichnet. Dabei handelt es sich um ein hochspezialisiertes Organ zur Wahrnehmung von Temperaturunterschieden. Gewöhnlich wird ihre Beute – meist Vögel oder Säugetiere – nach dem Biss losgelassen und anschließend mithilfe des Grubenorgans gesucht. Zumeist sind es Bodenbewohner, einige Arten sind baumbewohnend. Die Reproduktion erfolg durch Eiablage und fertige Jungschlangen. Zu ihnen zählen die Klapperschlangen und die Lanzenottern.
  3. Viperinae (Eigentliche Vipern) sind tag- oder nachtaktiv und haben kein Grubenorgan. Ihre Nahrung besteht aus Säugern, kleinere Arten fressen auch Frösche. Sowohl eiablegende als auch lebendgebärende Arten gehören zu ihnen.

Überfamilie Typhlopoidea (Blindschlangenartige Schlangen)

Diese nicht giftigen Schlangen mit wurmähnlichem Habitus, einer Gesamtlänge von maximal 95 cm, drehrunden Körpern und extrem kurzen Schwänzen werden gewöhnlich nicht in Terrarien gepflegt. Sie führen überwiegend eine unterirdische, grabende Lebensweise.

Familie Anomalepidae (Amerikanische Blindschlangen)

Die Verbreitung erstreckt sich über Zentral- und Südamerika. Sie erreichen Gesamtlängen von bis zu 40 cm, leben in den Böden von Wäldern und legen Eier.

Familie Typhlopidae (Gewöhnliche Blindschlangen)

Sie sind überwiegend in allen tropischen Regionen der Welt anzutreffen. Es sind kleine bis mittlere Blindschlangen (18 - 95 cm Gesamtlänge), zumeist sind es Eierleger, einige Arten sind lebend gebärend. Überwiegend ernähren sie sich von Ameisen, Termiten und deren Larven und Eiern. Eine Art (Rhamphotyphlops braminus) ist die einzige bislang bekannte Schlange, die sich parthenogenetisch (ohne Männchen) vermehrt.

Familie Leptotyphlopidae (Schlank-Blindschlangen)

Sie besiedeln die tropischen und subtropischen Gebiete Amerikas, Afrikas und Südwestasiens. Die maximale Gesamtlänge beträgt 40 cm, meist jedoch um 20 cm. Die eierlegenden Arten leben in der Erde und bilden keine Unterfamilien.
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