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Steckbrief: Landeinsiedlerkrebs

Landeinsiedlerkrebse besitzen fünf Beinpaare und drei Körpersegmente. Erfahren Sie im Steckbrief alles zu Systematik, Nachwuchs, Aufzucht, Sinnesleistungen, Ernährung und Haltung des Landeinsiedlerkrebs.
 
© haveseen / iStockphoto
Landeinsiedlerkrebse sind sozial lebende Krebse.

Steckbrief

  • Körperlänge: bis 10 cm
  • Lebenserwartung: bis 20 Jahre
  • Verbreitung: weltweit innerhalb der Tropen
  • Lebensraum: Küstennähe
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Malacostraca (Höhere Krebse)
  • Ordnung: Decapoda (Zehnfußkrebse)
  • Familie: Coenobitidae (Landeinsiedlerkrebse)
  • Gattung: Coenobita (Landeinsiedlerkrebse)
  • Art: Coenobita sp. (Landeinsiedlerkrebs)

Aussehen

Landeinsiedlerkrebse besitzen fünf Beinpaare und drei Körpersegmente. Am Kopf und am Mittelteil ist das Exoskelett hart, während der Schwanz (das dritte Körperteil) aus weichem Körpermaterial besteht. Gleichzeitig ist der Schwanz ein gebogener, kräftiger Muskel, der in den künstlichen Schutz - meist ein leeres Schneckenhaus - eingeführt wird und diesen hält und trägt. Von den fünf Beinpaaren tragen die vorderen Scheren oder Zangen, die jeweils unterschiedlich groß sind. Das hintere Beinpaar ist klein und wird benutzt, um sich im Haus zu verankern. Die beiden Augen befinden sich auffällig am Vorderkopf und werden von zwei Paar Fühlern gerahmt. Das Exoskelett besteht aus Chitin und muss abgelegt werden, damit der Krebs wachsen kann. Nach der Häutung ist der neue Chitinpanzer noch weich und der Krebs daher sehr verletzlich. Das Gehäuse ist kein Teil des Krebses, sondern ein künstlicher Schutz, der aufgrund des Wachstums immer wieder gewechselt werden muss.

Nachwuchs und Aufzucht

Weibliche Landeinsiedlerkrebse setzen ihre Eier im Meer ab. Die nach der Eientwicklung schlüpfenden Larven verbleiben zunächst im Wasser, bis sie sich zu kleinen Krebschen entwickeln. Nach der Umwandlung suchen sie sich ihre ersten, noch kleinen Schneckenhäuser und verlassen das Meer, um ihr weiteres Leben – mit Ausnahme des Laichens – ausschließlich an Land zu verbringen. Ihre Vermehrung im Terrarium ist bislang nicht gelungen und dürfte aufgrund der zuvor geschilderten Umstände sehr schwierig sein.

Lebensweise und Verhalten

Landeinsiedlerkrebse der Gattung Coenobita haben sich nahezu vollständig an ein Landleben angepasst. Die Ausnahme davon stellen ihre Larvenstadien dar, die im Wasser leben. Die Tiere bewohnen die Uferregionen am Meer innerhalb der Tropen. Dabei sind die Habitate recht unterschiedlich. So siedeln sie z.B. direkt an Sandstränden bzw. in der ersten Vegetation dahinter, wobei sie auf kleinen Koralleninseln ebenso wie in Mangrovengebieten anzutreffen sind. In der Natur werden Landeinsiedler in Kolonien angetroffen, was bei ihrer Pflege berücksichtigt werden sollte. Ein wichtiger "Teil" des Krebses ist sein Gehäuse; es passt zur jeweiligen Größe und wird immer mit herumgetragen. Es dient in erster Linie dem Schutz des ungepanzerten Hinterleibs, jedoch kann sich der gesamte Krebs bei Gefahr darin zurückziehen. Ferner wird im Haus auch Süßwasser gespeichert, das die Tiere an entsprechenden Stellen aufnehmen. In Meeresnähe decken sie mit Salzwasser ihren Mineralhaushalt.

Kommunikation und Sinnesleistungen

Ihre beiden Zangen benutzen sie nicht nur zur Verteidigung, sondern auch beim Klettern und weiterhin als Halte- und Löffelwerkzeug bei der Nahrungs- und Wasseraufnahme. Dank der spitzen Enden an den Beinen können sie ausgezeichnet klettern, sich abstützen und festhalten. Durch den Abstand und die Möglichkeit, beide Augen unabhängig voneinander zu bewegen, haben die Landeinsiedler zwei unterschiedliche Sichtfelder. Die beiden Fühlerpaare tragen dem Tast-, Geschmacks- und Geruchssinn Rechnung. Dadurch werden Geruchsspuren wahrgenommen, die ihnen die Nahrungssuche ermöglichen. Am Mund befinden sich zwei kleine Scheren, die zur Reinigung der Fühlerpaare und zur Nahrungsaufnahme verwendet werden.

Ernährung

Landeinsiedlerkrebse sind Allesfresser. Daher wird ihre Ernährung im Terrarium aus pflanzlichen und tierischen Komponenten gebildet. In Frage kommen verschiedene Früchte und Gemüse ebenso wie Fisch und Fleisch, denn sie bedienen sich eines sehr breiten Nahrungsspektrums. Es ist ratsam, so abwechslungsreich wie möglich zu füttern, damit die Krebse sich optimal und ausgewogen ernähren können. Sie akzeptieren rohes und gegartes Futter und können auch mittels kleiner Mengen menschlicher Nahrung gefüttert werden. Allerdings gibt es sogar fertiges Dosenfutter für Einsiedler, das sich mit Zierfischtrockenfutter und frischer Nahrung gut ergänzt. In kleinen Näpfen sollten (jeden Tag frisch) unterschiedliche Futtersorten angeboten werden.

Haltung

Landeinsiedlerkrebse sind sozial lebende Krebse. Daher sollten mindestens zwei Exemplare zusammen gehalten werden, noch mehr Tiere im Terrarium sind besser. Ein Becken für vier bis sechs Krebse sollte die Maße 60 x 30 x 30 cm (L x T x H) nicht unterschreiten. Für weitere Exemplare muss die Grundfläche entsprechend größer (ca. 100 x 40 cm) sein. Bewährt hat sich das Einrichten von zwei verschiedenen Bodenzonen: ein Teil aus kalziumhaltigem Sand, der andere Teil aus schwach feuchtem Humus. Die Sandschicht wird besonders während der Häutung zum Eingraben und Schützen des Hinterleibs genutzt.

Es müssen sich mehrere flache Wasserbehälter im Becken befinden, die mit kalziumhaltigem und normalem Süßwasser gefüllt sind. Mindestens eine Schale muss Meerwasser (fertige Meersalzmischung aus dem Handel) enthalten. Das derart gemischte Salzwasser muss etwas abgestanden sein und sollte erst nach rund drei Tagen Verwendung finden. Weiterhin sollten sich Kletter- und Versteckmöglichkeiten für die Krebse im Terrarium befinden. Ferner müssen immer ausreichend leere „Häuser“, also Gehäuseschnecken in den nötigen Größen, vorhanden sein. Eine schwache Beleuchtung reicht aus. Die Temperaturen sollten ganztags zwischen 25 und 28° C betragen. Besonders wichtig ist eine hohe relative Luftfeuchtigkeit, die zwischen 70 und 90 Prozent betragen sollte. Da die Landeinsiedler nachtaktiv sind, ist ein schwaches Nachtlicht zur Beobachtung anzuraten. Wichtig ist das tägliche Entfernen der übrig gebliebenen Nahrung!

Hätten Sie's gewusst?

Der Palmendieb (Birgus latro) ist mit bis zu 40 cm Körperlänge, einem Gewicht von bis zu vier Kilo und einer Beinspannweite bis zu 100 cm der größte Landeinsiedlerkrebs und zugleich auch der größte landbewohnende Krebs auf der Erde. Er klettert auch auf Palmen, wo er mit seinen Scheren sogar Kokosnüsse knacken kann.

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