Sandregenpfeifer - Spartanisch im Sand | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Sandregenpfeifer - Spartanisch im Sand

Als Brutplatz mag der Sandregenpfeifer Sandstrand – doch leider beansprucht den allzu gerne auch der Mensch für sich. Frühjahrsbeobachtungen an den Stränden der Nord- und Ostsee.
 
© pixabay.com/LisaRedfern (CC0 Public Domain)
Der Sandregenpfeifer ist eine Vogelart aus der Familie der Regenpfeifer.
Wenn im Februar die ersten Sandregenpfeifer aus ihren Winterquartieren an die Strände von Nord- und Ostsee zurückkehrten, ist an Brut und Nachwuchs noch nicht zu denken. Zu unbehaglich sind dafür die Witterungsbedingungen, selbst wenn der Sand nicht von Eis und Schnee bedeckt ist.

Zur Balz mit vollem Magen

An erster Stelle steht zunächst der Nahrungserwerb, um Kälte und Stürme unbeschadet zu überstehen. Mit schnellen Trippelschritten jagt der Sandregenpfeifer am Spülsaum nach Insekten und Weichtieren. Trotz seines bunten Aussehens mit den typisch gelb-orangen Beinen ist er zwischen den Steinen, Pflanzen und dem, was am Strand angespült wird, meist nur durch seine schnellen Bewegungen zu entdecken. Zum Frühlingsanfang, wenn die Tage wärmer werden, nimmt das Sandregenpfeifer-Pärchen sein Brutrevier in Besitz. Das Männchen vollführt dann einen kühnen Balzflug, bei dem es sich dicht über dem Strand taumelnd bald auf die eine, bald auf die andere Seite wirft und weithin hörbar ein heiseres „tjü-eh, tjü-eh“ ruft. Es lässt sich an verschiedenen Stellen nieder, um Nestmulden in den Sand zu drücken, die das Weibchen jedoch kaum überzeugen können. Das Männchen täuscht sogar bereits ein Brutverhalten vor, setzt sich in ein leeres „Nest“, um das Weibchen endlich zur Paarung und Brut anzuregen. Schließlich wird von beiden gemeinsam die ernst gemeinte Nestmulde in den Sand geformt und mit Muschelschalen ausgekleidet – komfortabler bekommen es ihre Jungen nicht.

Sandregenpfeifer-Pärchen, die meist lebenslang miteinander verbunden sind, bleiben auch ihrem einmal gewählten Brutplatz. Im April legt das Weibchen im Abstand von ein bis zwei Tagen nacheinander vier kleine, dunkelbraun gesprenkelte und damit gut getarnte Eier in die Mulde. Während dieser Zeit schützt das Männchen das Gelege, das erst gewärmt wird, als es komplett ist.

Wie nach wundersamer Heilung

Beide Elternvögel brüten abwechselnd 24 Tage lang. Die Jungvögel verlassen das Nest sofort und folgen ihren Eltern über den Sandstrand, wo sie gefüttert und gehudert werden. Droht dem Nachwuchs Gefahr, zeigen die Vögel ein seltsames Verhalten. Während sich die Küken reglos auf den Boden ducken und auf ihre Tarnung vertrauen, lenken die Altvögel mögliche Feinde durch „Verleiten“ von ihnen ab. Sie täuschen in einiger Entfernung mit großem Spektakel eine Verletzung vor und stellen sich flügellahm, um dem neugierig gewordenen Angreifer im letzten Moment wie nach wundersamer Heilung plötzlich zu entfliehen. So ein Glück auch. Trotzdem: Der Bruterfolg des Sandregenpfeifers ist gering, viele Jungvögel gehen schon in den ersten Tagen verloren. Um seine Nachkommenschaft zu sichern, brütet der Sandregenpfeifer deshalb – im Gegensatz zu anderen Watvögeln – mit hoher Regelmäßigkeit zweimal in jedem Sommer. Auch „unser“ Pärchen wird hoffentlich im Juni wieder so ein spartanisches Nest für seine Brut anlegt haben. (Sebastian Conradt)
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