So klappt es mit der Vogelzucht | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

So klappt es mit der Vogelzucht

Brüten und ihren Nachwuchs großziehen müssen Vogeleltern zwar alleine. Züchter können jedoch eine Menge Vorbereitungen treffen und den Gefiederten viele Hilfen bei der Zucht geben.
 
© Ekaterina Krasnikova / Fotolia
So klappt es mit der Vogelzucht.

Äußere Bedingungen

Der Zuchtraum ist zu säubern und am besten auch zu desinfizieren, bevor die Vögel in die vorbereiten Käfige oder Volieren eingesetzt werden. Es dürfen darin weder Zugluft noch stark schwankende Temperaturen vorkommen. Eine Luftfeuchtigkeit von 50 bis 70 Prozent ist ideal – dann brauchen die Eier kurz vor dem Schlupf der Küken nicht extra mit lauwarmem Wasser besprüht zu werden. Befinden sich die Zuchträume auf dem Boden, werden diese Luftfeuchtigkeitsgrade nicht ohne einen Luftbefeuchter erreicht. Eine andere Möglichkeit der Luftbefeuchtung ist es, Wasser im Raum und auf großblättrigen Pflanzen zu versprühen. In Kellerräumen ist es dagegen oft zu feucht, so dass auf Schimmelbildung zu achten ist. Auch für Frischluftzufuhr sollte gesorgt sein. Dennoch dürfen die Vögel keiner Zugluft ausgesetzt sein. 

Die Nestfrage

Ein Zuchtkäfig sollte so gebaut und eingerichtet sein, dass wir jederzeit leicht an die Wasserspender und Futternäpfe gelangen, ohne die brütenden Vögel zu beunruhigen. Der Zuchtkäfig sollte möglichst zwei Türen haben: eine nahe des Bodens für die Versorgung und eine in der Nähe des Nestes, also meistens oben. Körbchen oder Nistkästen können drinnen oder sogar außen vor die Tür gehängt werden. Die Körbchen sind dann die sogenannten Kaisernester, die gern von Kanarienvögeln und anderen Girlitzen angenommen werden. Die Nistkästen von der Größe für Wellensittiche werden auch von Unzertrennlichen, Grassittichen und anderen kleinen Papageien angenommen. Sogar viele Prachtfinken wie die Gouldamadinen bauen darin ihr Nest. Wenn die Nistkästen außen aufgehängt werden, ist die Möglichkeit einer Nestkontrolle viel einfacher. Sofern die Vogeleltern die Störung akzeptieren, braucht der Deckel nur leicht angehoben zu werden.

In einer Zimmervoliere mit zwei oder mehr verträglichen Paaren kann es dennoch bei der Nistkasten- oder Nistkörbchensuche zu Streit kommen. Daher ist es ratsam, zwei Nistgelegenheiten pro Paar anzubringen. Ähnlich ist es in Gartenvolieren mit Schutzhaus. Da gehören die Nisthilfen unter das Dach, auch um die Vögel vor Regen und zu viel Sonne zu schützen. Manche mögen es trotzdem, draußen zu brüten. Auch dafür sollte Vorsorge getroffen werden. Viele Sittiche und Papageien dulden keinen Mulm, Sägespäne oder anderes Nistmaterial in ihrer Nisthöhle. Sie tragen es wieder heraus. Für viele andere Vögel kann verschiedenes Nistmaterial in unterschiedlichen Mengen bereitgelegt werden. Ideal wäre es, grüne Gräser, Moos, Blätter, Reisig, Wurzel-, Sisal- und Kokosfasern zur freien Auswahl bereitzulegen. Kleine Vögel nehmen durchschnittlich 500 Einzelteile für den Nestbau.

Stress und Aggressionen abbauen

Viele Sittiche, Papageien und auch andere Vögelpärchen möchten während der Brutzeit alleine in der Voliere sein. Manche dulden noch nicht einmal ein Paar der eigenen oder einer verwandten Art in der Nachbarvoliere. In diesem Fall ist für einen größeren Abstand der Volieren voneinander zu sorgen. Auch das Saubermachen von Käfig und Voliere sollte auf ein Minimum beschränkt werden, Nestkontrollen sind möglichst gar nicht oder nur im Bedarfsfall durchzuführen. Die sonst so  friedlichen, Vögel sind oft nicht wiederzuerkennen, wenn sie Eier oder Junge zu betreuen und zu „verteidigen“ haben.

Ebenso verhält es sich mit der geschlossenen Beringung. Von Verbänden und Naturschutzämtern wird auf Ausstellungen als Beweis der Selbstzucht die Beringung von kleinen Nestlingen verlangt. Da sich die Ring nach dem Anlegen nicht mehr über das Fußgelenk streifen lassen soll, die Ringe aber trotzdem so groß sein müssen, dass sie den sich noch im Wachstum befindenden Vogel nicht einschneiden, sollten rechtzeitig Ringe mit den passenden Weiten bestellt werden.  Bei vielen Vogelarten tolerieren die Eltern solche Eingriffe nicht und der Züchter steht vor der Entscheidung, durch den Versuch der Beringung die Vögel vielleicht zu verlieren oder sie nicht zu beringen und sich damit dem Verdacht auszusetzen, die Vögel nicht selbst gezüchtet zu haben.

Die Ernährung der Nestlinge

Das Futter für die Aufzucht der Nestlinge ist rechtzeitig zu beschaffen und in kleiner Menge auch einige Tage vor dem Schlupftermin zu geben. Es muss den Eltern möglichst schon bekannt sein, schließlich wollen sie wie fast alle Eltern für ihre Jungen nur das Beste. Mit der Gabe von tierischer Nahrung sollten Züchter vor dem Schlupf sehr sparsam sein, sonst kommen die Altvögel plötzlich in Brutstimmung und vergessen die Eier oder frisch geschlüpften Nestlinge.

Einige wenige Vogelarten nehmen tiefgefroren gelieferte, portionsweise aufgetaute Ameisenpuppen oder andere Futtertiere an. Besser ist es, eine Quelle für lebende Futtertiere ausfindig zu machen oder eine eigene Futtertierzucht aufzubauen. Dies wird bei vielen Vögeln mit hohem  Bedarf an tierischem Eiweiß notwendig sein. Große Mengen an Heimchen, Grillen, Heuschrecken, Wachsmotten-, Mehlkäferlarven und Fliegenmaden werden von den Jungen einiger Vogelarten nur so verschlungen, so dass ein Mangel an Nachschub die Aufgabe der Brut nach sich ziehen könnte. (Horst Bielfeld)
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