Erkrankungen der Atemwege bei Vögeln | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Erkrankungen der Atemwege bei Vögeln

Wenn Vögel niesen, würgen oder den Kopf schleudern, könnte die Ursache dafür Atemnot sein. Diese Erkrankungen der Atemwege sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.
 
Erkrankungen der Atemwege bei Vögeln © Thomas Brodmann / animals-digital.de
Besonders junge oder frisch importierte Vögel aller Vogelordnungen können von verschiedenen Pilzen befallen werden.
Alle Erkrankungen der Atemwege zeigen in etwa die gleichen Symptome, auch wenn sie ganz verschiedene Ursachen haben. Selbst die zu den Infektionen zählenden Erkältungen und Lungenentzündungen zeigen sich mit ähnlichen Krankheitszeichen. Damit ist es für den Laien kaum möglich, von den Symptomen auf die jeweilige Erkrankung zu schließen. Auch der Tierarzt kann häufig erst nach Labortests die Ursachen und geeignete Behandlungsmethoden finden. Von den vielen verschieden Atemwegserkrankungen werden hier zwei der häufigsten beschrieben.

Aspergillose

Besonders junge oder frisch importierte Vögel aller Vogelordnungen können von verschiedenen (Schimmel)Pilzen befallen werden, da sie noch keine oder kaum Abwehrkräfte gegen die Pilze haben. Gefährdet sind auch Tiere, die durch die Aufzucht der Jungen oder durch eine Krankheit geschwächt sind. Schimmelpilze wachsen am besten in feuchter Wärme. Die Pilzsporen können von schlechter Kolbenhirse, feuchtem Kot und faulenden Holzteilen hoch gewirbelt werden und in die Lunge und die Luftsäcke gelangen. Dort vermehren sie sich stark und können zu regelrechten Pilzrasen heranwachsen. Die befallenen Vögel atmen schwer und oft mit geöffnetem Schnabel. Sie magern ab und sterben schließlich durch Ersticken, Schwäche oder auch an einer durch die Schimmelpilze hervorgerufenen Vergiftung. Um leichter zu atmen und die Luftröhre etwas freier zu bekommen, hängen sich Papageien und Sittiche mit dem Oberschnabel ins Gitter. Ein wirksames Medikament gegen den Pilzbefall gibt es leider noch nicht. Darum sollten vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden, um die Pilzbildung in Käfigen, Volieren, Zubehör und Futter zu vermeiden. Dazu gehört eine umfassende Desinfektion sowie das Lüften und Trocknen zu feuchter Räume.

Luftsackmilben

Nicht nur bei Prachtfinken wie der Gouldamadine, sondern auch bei Kanarien, Wellensittichen und Unzertrennlichen wurden inzwischen Luftsackmilben festgestellt. Sie leben in der Luftröhre und in den Luftsäcken von den dort vorhandenen Säften. Wochen- und monatelang kann nichts von ihrer Existenz bemerkt werden, doch sie vermehren sich so stark, dass die befallenen Vögel an Stimmverlust und Atemnot leiden. Typische Merkmale sind piepsende Atemgeräuschen, Niesen, Würgen und Kopfschleudern, um den Schleim loszuwerden, der sich bildet. Werden die Milben nicht bekämpft, magern die Vögel ab, sitzen lustlos herum und sterben schließlich. Die Behandlung gegen Luftsackmilben erfolgt mit einer Lösung von Ivomec-Propylenglykol, die der Tierarzt als Tropfimpfung vornimmt. Bei dem Mischverhältnis von 120 zu 1 ist die Behandlung einmal monatlich erforderlich, bis die Vögel keine Symptome mehr zeigen. Hinzugekaufte Vögel sollten behandelt werden, bevor sie zu den anderen gelassen werden. Die Übertragung der Luftsackmilben ist von „Schnabel zu Schnabel“, aber auch über das Futter oder Wasser möglich. Altvögel sollten vor der Zucht behandelt werden, denn sonst ist eine Übertragung durch erwürgtes Futter möglich. (Horst Bielfeld)
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