Sänger haben bessere Chancen bei Vogelweibchen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Sänger haben bessere Chancen bei Vogelweibchen

Je mehr Arien ein Kanarienvogel im Repertoire hat, desto heftiger wird er von den Weibchen „umschwärmt". Optisch allerdings lieben es die Damen eher schlicht.
 
© chickenstock / Fotolia
Sänger haben bessere Chancen bei Vogelweibchen.
Die ersten Tage trällerte der neue Kanarienvogel fröhlich vor sich hin. Doch plötzlich „geht nichts mehr“. Falls Ihnen das passiert, kann es sein, dass Sie statt eines Männchens ein Weibchen gekauft haben. Zwar sind Weibchen normalerweise keine „Meistersinger“, sondern zwitschern nur leise vor sich hin, aber es gibt immer wieder Exemplare, die einzelne Strophen beherrschen. Zumindest so gut, dass man sie mit einem jungen Hahn verwechseln kann, der noch am Üben ist.

Probesingen im Januar oder Februar

Nehmen Sie sich daher Zeit bei der Wahl und hören Sie sich die einzelnen Sänger genau an. Im Januar oder Februar ist die beste Zeit, sich einen Jungvogel ins Haus zu holen. Die jungen Männchen haben bereits die ersten „Arien“ gelernt und sind nicht so leicht zu verwechseln. Die Geschlechtsbestimmung ist nämlich selbst für Experten schwierig, da sich Männchen und Weibchen äußerlich und vom Temperament her kaum unterscheiden. Und während der Mauser verstummen auch die Männchen. Durch wissenschaftliche Untersuchungen weiß man, dass dann Nervenzellen, die zwei bestimmte Zentren im Gehirn verbinden, absterben. Es müssen erst neue Neuronen wachsen, damit die Vögel wieder singen können.

Berühmtester Sänger: Der Harzer Roller

Nicht alle Kanarienvögel sind stimmgewaltig. Während man in Deutschland seit jeher mit Vorliebe besonders begabte Sänger züchtet, haben französische, holländische und englische Vogelliebhaber eher Freude an Gestalts- und Farbkanarien. Inzwischen werden Kanaris in Hunderten Varietäten gezüchtet, von Schneeweiß über Gelb, Orange bis Dunkelrot. Der berühmteste Sänger ist der Harzer Roller. Er wurde vor allem im 19. Jahrhundert von Harzer Bergleuten gezüchtet und zeichnet sich durch seinen typischen Gesang aus. Sein Lied besteht hauptsächlich aus vier Strophen: Hohlrolle, Knorre, Pfeife und Hohlklingel, von Experten „Touren“ genannt.

Die Liebeslieder der Kanaris

Während Zebrafinken zum Beispiel nur bis zu einem gewissen Alter singen lernen, sind Kanarienhähne während ihres ganzen Lebens begeisterte Schüler, die in der „richtigen Gesellschaft“ immer noch ein Liedchen dazulernen. Und was sie einmal gelernt haben, vergessen sie nie mehr. Die Pavarottis unter ihnen wechseln zwischen verschiedenen Strophen ab und können bis zu fünf Minuten ohne Pause trillern, glucksen, schlagen oder jubilieren. Es ist übrigens ein Irrglaube, dass männliche Kanarienvögel nicht singen, wenn sie zusammen mit einem Weibchen gehalten werden. Gerade das animiert sie zu den schönsten Liebesliedern. Wie Studien zeigen, haben Männchen mit größerem Gesangsrepertoire bessere Chancen beim „schwachen Geschlecht“. Außerdem fordern Weibchen ihre Männer bei bestimmten Gesangsphrasen (sog. „sexy song syllables“) öfter zur Paarung auf als bei anderen Phrasentypen. Aufbauend auf diesen Studien testete Dagmar Szakasits aus Wien in ihrer Diplomarbeit die Wirkung der Gefiederfarbe. Unabhängig von der eigenen Farbe „flogen“ die Hennen eher auf Hähne mit dunklerer Färbung, die der natürlichen Farbe der Wildvögel nahe kam.

Nicht jede kann mit jedem

Zwar kann man Kanarienvögel auch einzeln halten, aber mit Artgenossen an der Seite fühlen sie sich wohler. Da sich zwei Hähne leicht in die Wolle kriegen, sollten Sie besser ein Pärchen oder einen Hahn mit mehreren Weibchen halten. Doch nicht jede kann mit jedem. Daher sollten Sie mit dem Züchter oder Zoohändler abmachen, eines der Tiere austauschen zu können. Denn wenn ein Paar nicht harmoniert, kann es „zu Mord und Totschlag“ kommen. Bei mehreren Tieren sollte der Käfig sehr groß sein, damit es nicht zu Revierkämpfen kommt. In einer größeren Voliere können Sie Kanaris auch mit anderen Sperlingsvögeln, Wellensittichen oder Prachtfinken halten.

Unser Tipp

Wollen Sie Ihren Kanaris während der „Flitterwochen“ noch etwas besonders Gutes tun, verwöhnen Sie sie doch mit frischen Barbarazweigen z.B. von (ungespritzten!) Kirschbäumen, Vogelgrün aus dem Fachhandel, Äpfel- oder Gurkenstückchen oder auch frischen Feigen und Datteln. (Saskia Brixner)
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren