Rachenzeichnung als Schutz vor Brutparasiten | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Rachenzeichnung als Schutz vor Brutparasiten

Die unverkennbare Rachenzeichnung ihrer Kinder hilft den Prachtfinken, Nestschmarotzer, sogenannte Kuckuckskinder, sofort zu entlarven.
 
© pixabay.com/ginger (CC0 Public Domain)
Die dunkle Punkt- und Linienzeichnung des Sperrrachens bei den Prachtfinken ist einzigartig in der Vogelwelt.
Doch die Eltern haben ihre Rechnung ohne die schlauen Witwen gemacht, deren Kinder den Prachtfinkenjungen zum Verwechseln gleichen. Ein Blick genügt, das Muster stimmt: Fünf schwarze Punkte auf der Unterseite des Gaumens, zwei dunkle Flecken links und rechts der Zunge und ein Halbmond im Unterschnabel. Die Rotbrustsamenknacker würgen das Futter hoch und stopfen es ihrem Sprössling in den aufgerissenen Schnabel. Die Rachenzeichnung wirkt auf die Vogeleltern einfach unwiderstehlich.

Einzigartige Zeichnung

Die dunkle Punkt- und Linienzeichnung des Sperrrachens bei den Prachtfinken ist einzigartig in der Vogelwelt. Neben dem Grundmuster, wie es die Rotbrustsamenknacker tragen, gibt es verschiedenste Variationen. Bei Nonnen und Elsterchen zum Beispiel sind die Gaumenpunkte zu einem Hufeisen verschmolzen. Jede Art hat ihr besonderes Muster und verwandte Arten ähneln sich darin.

Kennzeichen soll vor Brutparasiten schützen

Die Antwort auf die Frage, welchen Sinn wohl solch ein auffallendes, kompliziertes Muster macht, fanden Forscher bei den Witwen, einer in Afrika beheimateten Vogelfamilie, die ihre Eier, wie das der Kuckuck ebenfalls gerne macht, in die Nester von Prachtfinken legt. Um sich vor den Brutparasiten zu schützen, so wird vermutet, haben Prachtfinken im Laufe ihrer Entwicklungsgeschichte arttypische Kennzeichen in der Kehle entwickelt.

Schlaue Witwen

Doch haben sie die Rechnung ohne die Witwen gemacht. Die haben nämlich nachgezogen: Im Laufe der Evolution sind Doppelgänger entstanden, die den jungen Prachtfinken wie ein Ei dem anderen gleichen und sich auch täuschend ähnlich verhalten. So wachsen die jungen Witwen unter den Stiefgeschwistern unerkannt auf: Etwa die Küken der Paradieswitwe beim Buntastrild oder die der Strohwitwe beim Veilchenastrild. Denn auch ihre Rachenzeichnungen sind mustergültig. (Nina Blersch)
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren