Ausgestorbene Tiere | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Ausgestorbene Tiere

Der Mensch dominiert viele Lebensräume und verändert ganze Landschaften und Ökosysteme. Alle Lebewesen sind auf bestimmte Bedingungen in ihren Lebensräumen angewiesen.
 
© pixabay.com/DariuszSankowski (CC0 Public Domain)
Viele Tierarten leben heute leider nicht mehr.
Können sie sich nicht schnell genug an die neuen Umweltbedingungen anpassen, sterben nach und nach einzelne Populationen, dann einzelne Unterarten und mit ihnen schließlich die letzten Vertreter der ganzen Art aus. Selbst wenn Arten in zoologischen oder botanischen Gärten nachgezüchtet werden und so noch einzelne Exemplare der Art am Leben sind, kann die Art in der Wildnis schon endgültig ausgestorben sein.

Säugetiere

  • Auerochse (Bos primigenius):
    Der Auerochse, auch Ur genannt, ist eine der bekanntesten ausgestorbenen Tierarten. Unsere Vorfahren zeichneten seine Silhouette auf Höhlenwände und jagten die bis zu zwei Meter hohen Tiere. Domestikation und Zucht durch den Menschen seit der Steinzeit führten den Auerochsen zu den heute bekannten Rinderrassen. Doch die Domestikation nützte der kräftigen, wildlebenden Art nicht: Sie starb 1627 aus. Seit dem 20. Jahrhundert versuchte man immer wieder, aus unserem Hausrind ein auerochsenähnliches Rind rückzuzüchten. Selbst wenn das Äußere einer Rinderrasse dem Auerochsen nach solch einer Züchtung ähnlich sehen würde, ist das genetische Material des echten Auerochsen mit seinem Aussterben nun für immer verloren.
  • Bali-Tiger (Panthera tigris balica):
    Von den insgesamt acht Unterarten des Tigers sind heute bereits drei ausgestorben: Java-, Kaspischer- und Bali-Tiger. Bis heute wurden etwa 95 Prozent der Tigerlebensräume zerstört. Aufgrund seines Fells und der Knochen, die als Trophäen oder für die traditionelle Medizin in Asien begehrt sind, wird der Tiger auch heute noch gejagt. Der letzte Bali-Tiger starb im Jahr 1935. Heute sind alle verbleibenden fünf Unterarten des Tigers vom Aussterben bedroht oder stark gefährdet.
  • Quagga (Equus quagga):
    Diese in Südafrika lebende Zebraverwandte war gelbbraun, hatte aber nur an Kopf, Hals und Brust Streifen. Das Quagga war sehr aggressiv und wurde oft beim Zusammentreiben von Rinderherden genutzt, einige nach England exportierte Quaggas wurden von berittenen Soldaten in Kämpfen eingesetzt. In der Wildnis der afrikanischen Wüsten starben die Quaggas 1870 aus. Die letzten Individuen starben in Europa um 1880 in menschlicher Obhut.
  • Stellers Seekuh (Hydrodamalis gigas):
    Die bis zu 10 Meter großen Meeressäuger sahen Seelöwen ähnlich, waren jedoch näher mit den Elefanten verwandt. Sie ernährten sich von Algen und wurden vor allem von Schiffbrüchigen in der Beringsee wegen ihres Fleisches gejagt. Nur 27 Jahre nach ihrer Entdeckung im Jahr 1741 waren die friedvollen Tiere ausgestorben.
  • Tasmanischer Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus):
    Die hundeähnliche Beuteltierart mit tigerartigem Streifen im hinteren Rückenbereich war auch als „Tasmanischer Tiger“ bekannt. Er hatte einen Ruf als blutrünstiger nachtaktiver Jäger, weil er gewöhnlich den Schädel der Beute mit seinen kräftigen Klauen zertrümmerte und auch Aas aus Fallen raubte. Zunächst lebte er auch auf dem australischen Festland, wurde dann aber vom anspruchsloseren Dingo immer mehr verdrängt, bis er schließlich nur noch auf der Insel Tasmanien vorkam. Hier wurde er ab 1850 wegen seiner nächtlichen Raubzüge besonders von Schafzüchtern gejagt, und die Bestandszahlen gingen schnell zurück. Seit 1936 gilt der Tasmanische Beutelwolf als ausgestorben, doch immer wieder werden Sichtungen gemeldet. 1961 soll ein Tier bei einem Unfall getötet worden sein. Diese Funde wurden jedoch nie bestätigt.
  • Waldrons Roter Stummelaffe (Procolobus badius waldronae:
    Die dunkelrote Affenart aus Ghana und der Elfenbeinküste gilt seit dem Jahr 2000 als verschollen. Die Hauptgründe für seine Bedrohung waren Jagd und Lebensraumzerstörung durch Waldrodungen Straßenbau und Landwirtschaft. Die ursprünglich unberührten Lebensräume des Roten Stummelaffen sind heute maßgeblich vom Menschen beeinflusst, was auch viele andere Primatenarten und besonders die Menschenaffen maßgeblich gefährdet.

Vögel

  • Amerikanische Wandertaube (Ectopistes migratorius):
    Fast immer ist es eine Konstellation von mehreren Faktoren, die letztlich zum Aussterben einer Art führen. Bei der amerikanischen Wandertaube sind diese Gründe außerordentlich gut erforscht. Das Schicksal dieser Vogelart vollzog sich im Zuge der Besiedlung und wirtschaftlichen Erschließung Nordamerikas durch die Europäer. 1914 starb die letzte Wandertaube als Käfigvogel im Zoo von Cincinatti, während das letzte wildlebende Tier schon 1899 erbeutet worden war. Primäre Ursache des Aussterbens war die maßlose Jagd auf das Fleisch der Tauben. Die einst Milliarden von Individuen zählende Art wurde so auf wenige Tausend Tiere reduziert. Trotz dieser relativ großen Population erholte sich der Bestand nicht wieder. Die Vögel waren unterschiedlichen neuen Bedrohungen ausgesetzt: Wegen intensiver Waldrodungen fiel es ihnen immer schwerer, geeignete Nistplätze zu finden. Bei sozial brütenden Arten wie der Wandertaube, die oft zu Hunderten auf einem Baum brütete, wirkt die Anwesenheit von Artgenossen stimulierend auf das Brutgeschäft. Bei einem ohnehin schon drastisch reduzierten Bestand sank zusätzlich die Anzahl der Nachkommen, weil Einzelpaare nicht mehr in Brutstimmung kamen. Die dezimierte Population war zudem anfälliger für Fressfeinde und Krankheiten, so dass die Art ausstarb.
  • Riesenalk (Alca impennis):
    Die bis etwa 1,50 Metern großen Seevögel waren völlig flugunfähig, konnten aber sehr gut tauchen. Ihr Gefieder war schwarzweiß, ähnlich dem eines Pinguins. Während sich die Riesenalke meistens im Wasser aufhielten, nutzten sie die felsigen Steilküsten als Brut- und Rastplatz. Ein einziges Ei wurde ohne Nest auf schwer zugänglichen Felskanten abgelegt. Die einstmals im nördlichen Atlantik verbreitete Art wurde vom Menschen durch Fang der Altvögel und Jungen und durch Absammeln der Gelege wirtschaftlich genutzt. Erleichtert wurden die vollständige Übernutzung der Riesenalke bis zu ihrem Aussterben durch die soziale Lebensweise und das Leben der Vögel in Brutkolonien, sowie die Zutraulichkeit der Tiere am Brutplatz. Die letzten Individuen starben 1844.
  • Spix Ara (Cyanopsitta spixii):
    Die türkisblau gefärbte Papageienart lebte in einem sehr begrenzten Gebiet im Nordosten Brasiliens. Bis vor 10 Jahren galt die Art als in der Wildnis ausgestorben, bis sich der Bestand durch Nachzüchtung und Auswilderung zu erholen schien. Die aufwendigen und kostspieligen Bemühungen der letzten Jahre, die Art in ihrem Lebensraum zu retten, scheinen jedoch endgültig fehlgeschlagen zu sein. Bis vor kurzem existierte nur noch ein einziger wildlebender Spix Ara, der seit Januar 2001 aber spurlos verschwunden ist. Es handelte sich um ein Männchen, das mit nachgezüchteten Weibchen verpaart werden sollte. Mit dem Verschwinden dieses Individuums gilt die Art in freier Wildbahn als ausgestorben.
  • Waldmoa (Megalapteryx didinus):
    Moas waren flugunfähige Vögel auf Neuseeland, welche Ähnlichkeit mit Straußen hatten. Sie wurden bis drei Meter groß und 250 Kilogramm schwer. Trotz ihrer Größe hatten sie einen gedrungenen Körper mit kräftigen Beinen und großen Krallen. Die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, die um 1000 nach Christus nach Neuseeland kamen, begannen bald die intensive Jagd auf die Riesenvögel. Insgesamt sind 29 Moa-Arten beschrieben worden, die meisten von ihnen sind jedoch schon seit vielen Jahrhunderten ausgestorben. Man vermutet, dass der Waldmoa als eine der letzten Arten noch bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts überlebt hat.

Reptilien

  • Jamaica Wirtelschwanzleguan (Cyclura collei):
    Seit 1940 galt die bis zu 50 Zentimeter große, bis zu sieben Kilogramm schwere Echse als ausgestorben. Doch 1990 wurden einige Individuen im Südosten Jamaicas wiederentdeckt. Heute zählt die Population etwa 100 Exemplare. Streunende Katzen und Hunde stellen die größte Bedrohung für diese Art dar, weil sie auch ausgewachsene Tiere angreifen und töten können.

Amphibien

  • Goldkröte (Bufo periglenes):
    Die Verbreitung der Goldkröte war auf ein wenige Kilometer großes Gebiet in Costa Rica in Höhenlagen von etwa 1.500 bis 1.600 Meter beschränkt. Seit 1989 wurde die Goldkröte nicht mehr beobachtet und seit 2004 gilt sie nach der Roten Liste der IUCN als „ausgestorben“. Die Hauptursache für das Verschwinden der Art wird in der Infektion mit Chytridiomykose gesehen, eine der verheerendsten Infektionskrankheiten innerhalb der Amphibienpopulationen. Verursacht wird die Krankheit durch den Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis. In einigen Populationen zieht Chytridiomykose den Tod von nur einigen Individuen nach sich, andere Bestände werden gänzlich ausgelöscht wie im Fall der Goldkröte. Der vermehrte Ausbruch der Infektion wird auch auf die globale Klimaerwärmung zurückgeführt. Besonders in Mittel- und Südamerika schaffe der Treibhauseffekt günstige Wachstumsbedingungen für den Chytridpilz. Seit den 1970er Jahren machen Wissenschaftler die Entdeckung, dass selbst in unberührten Lebensräumen die Populationen von Amphibienarten drastisch zurückgingen. Mittlerweile ist nachgewiesen, dass es sich dabei nicht um Populationsschwankungen sondern um ein weltweites Amphibiensterben handelt. Als Ursachen dafür konnten Lebensraumverlust, Umweltschadstoffe, erhöhte UV-Strahlung, Pilzeinfektionen und Klimaveränderungen identifiziert werden. 

Insekten

  • Knolliger Neuseeland-Rüsselkäfer (Hadramphus tuberculatus):
    1910 starb der bis zu 3 cm große Rüsselkäfer aus. Das Einführen von Ratten nach Neuseeland durch den Menschen war die wesentliche Ursache für das Aussterben dieser Insekten. Ratten fraßen die Käfer, bis die Art mit dem letzten Individuum ausgestorben war.



Foto:   pixabay.com  © DariuszSankowski (CC0 Public Domain)
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