Nette Gesten bei Tieren | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin
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Nette Gesten bei Tieren

Wenn erst mal geklärt ist, wer welchen Rang innerhalb der Gruppe hat, sind die meisten Tiere darauf bedacht, friedlich miteinander auszukommen. Es wird gekuschelt und gelaust, gekrault und geschnäbelt.
 
Verständigung von Tieren © Thomas Brodmann / animals-digital.de
Häufig wird Anstarren in der tierischen Gesellschaft als Drohgeste verstanden

Die Begrüßungsformel "Pff"

Sibirische Tiger begrüßen sich untereinander mit einem kurzen Prusten: "Pff". Und so benutzt auch der Tiger-Experte Dr. Harald Schwammer diesen freundlichen Gruß, wenn er die Raubkatzen in einen Zoo besucht. Die Tiger verstehen sein "Pff" überall und grüßen - mit einem kurzen, prüfenden Blick - zurück. Artgrenzen müssen also kein Hindernis sein, um Nettigkeiten auszutauschen. Freundlichkeiten dienen dazu, andere (in der Regel Artgenossen) zu besänftigen, Freundschaften zu pflegen, Zuneigung zu demonstrieren, Streitigkeiten und Kämpfen ein Ende zu bereiten bzw. sie gleich von vornherein zu vermeiden. Ohne nette Gesten wäre ein Zusammenleben in komplexen Tiergesellschaften nicht möglich. Und wenn Singles sich um der Fortpflanzung willen näher kommen wollen, müssen sie alles tun, um dem Partner ihre friedlichen Absichten zu demonstrieren. 


Schnabel klappern und Kopf verrenken

Selbst wenn sich Weißstörche schon eine Weile kennen oder eine Familie gegründet haben, wird der Partner mit respektvollem Klappern begrüßt. Beide biegen, synchron oder abwechselnd, ihren Hals zurück und schließen und öffnen geräuschvoll den Schnabel. Im Vogelreich dienen Schnäbel oft auch als wirkungsvolle Waffen, die man tunlichst verbergen sollte. Das funktioniert unter anderem, indem man wegsieht, wie Lachmöwen das zu tun pflegen. Der Artgenosse wird nur dann fixiert, wenn er gerade den Kopf wegdreht.


Wer wegguckt, zeigt sich von der friedlichen Seite 

Anstarren verheißt überhaupt selten was Gutes. Häufig wird es in der tierischen Gesellschaft als Drohgeste verstanden. Bei Löwen etwa, Wölfen und Gorillas. Darum wird der direkte Blickkontakt möglichst vermieden, wie alles andere, das an irgendeine Form des Drohens oder Imponierens erinnern könnte. Ein kurzer Blick genügt, besser noch ein Blinzeln. Bei Katzen ist es ein Mittel zur Stimmungsübertragung geworden: Wer zurückblinzelt, meint das Gleiche. Wegschauen signalisiert vorsichtige Zurückhaltung: „Ich werde nicht angreifen“. Wenn nicht sogar: „Ich bin bereit zur Annäherung.“


Trampeln und nicken

Nette Gesten sollen Artgenossen friedlich stimmen. Auch Eidechsen verstehen sich darauf. Indem sie mit den Vorderbeinen auf den Boden trampeln und dabei mit dem Kopf nicken, vermitteln sie den Eindruck, als ob sie gleich weglaufen würden. Tun sie aber nicht. Stattdessen bremst dieses Auf-der-Stelle-Treten die Aggression des Gegenübers. Was wirkt und bei Vögeln und Säugetieren gleichermaßen gut ankommt, ist das Sich-kleiner-Machen. Solche Beschwichtigungsgesten sind das genaue Gegenteil von Chefallüren, wo man sich aufplustert oder aufbläst. Schimpansenmännchen begegnen rang-höheren Tieren in demütiger Haltung, wenn sie oder diese sich ihnen nähern. Sie machen sich körperlich kleiner und sogar einige schnelle Verbeugungen, vergleichbar unseren Knicksen.


Beruhigungs-Signale

Hunde geben sich viel Mühe, Konflikte zu lösen, und senden eine ganze Reihe von Beruhigungssignalen aus, die leider oft nicht durchschaut werden: Um Menschen zu besänftigen, schauen Hunde u.a. weg, manchmal werden dabei nur die Augen hin und her bewegt. Oder sie wenden sich ganz ab. Auch langsames Gehen gehört dazu (was aber oft eine ganz gegenteilige Reaktion des Menschen erreicht). Und das Schwanzwedeln natürlich.


Auf weite Entfernung erkennbar

Damit Signale, friedlich oder auch nicht, noch in größerer Entfernung wirken können, werden sie durch gebogene Hörner (Antilopen), auffallende Hauben (Schopfwachtel), Mähnen (Affen) und Zeichnungen wie bunte Augenringe verstärkt. Diese scheinbaren Schmuckstücke zeigen genau an, in welche Richtung das Tier schaut. Breitmaulnashörnern ist dafür sogar ein extra Horn gewachsen. Das große Vorderhorn dient offensichtlich als Waffe, das kleine hintere aber hat die Funktion, die Blickrichtung des Besitzers anzuzeigen: Starrt das Rhino her und ist bereit zum Angriff, ist nur das Vorderhorn sichtbar. In dem Augenblick, in dem es zögert, zur Seite blickt, erscheint das kleine Horn, das bis dahin vom großen Vorderhorn verdeckt war. So zeigt sich der Koloss weithin sichtbar von seiner friedlichen Seite.

Text: Nina Blersch
 

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Fotos: 
Thomas Brodmann / animals-digital.de
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