Wie Tiere um ihre Partner werben | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wie Tiere um ihre Partner werben

Mit Musik geht alles leichter – auch das Werben um den Traumpartner. Das wussten die Barden im Mittelalter genauso wie die Boygroups von heute. Aber wissen das auch unsere Verwandten im Tierreich? Verschiedene Forscher haben Erstaunliches herausgefunden
 
© Taronga Zoo Sydney/C. Meißner
Ob auch Gorillas singen?
Musik und Tiere, geht das zusammen? Wo hören bloße „Geräusche“ auf, und wo fängt „Musik“ an? Lange Zeit schien klar zu sein, dass die Musik zu den kulturellen Errungenschaften des Menschen gehört. Aber wenn man Musik als eine Folge von Klängen definiert, die zu einem bestimmten Zweck eingesetzt werden, dann sind dazu sehr wohl auch Tiere fähig: Sie musizieren zur Verständigung, für den Gruppenzusammenhalt oder für ihr Liebeswerben.

Und manche Arten können noch mehr. Sie erfüllen die Annahme, dass Musik aus bestimmten Tonfolgen besteht, die wiederholt, aber auch verfeinert und ausgeschmückt werden. Die absoluten Künstler auf diesem Gebiet kommen, wie könnte es anders sein, aus der Vogelwelt. Meistens sind es ja die Vogelmännchen, die besonders schön singen können und mit ihren Liedern den Hormonspiegel der Weibchen in die Höhe treiben. Die Anstrengung lohnt sich – je besser der Gesang, desto höher der Hormonspiegel. Spannend ist, dass Untersuchungen zeigen, dass auch wir Menschen denjenigen Vogelgesang als besonders schön empfinden, der die Hormone der Vogeldamen am meisten anregt. Da scheint es also einen gemeinsamen Geschmack zu geben – oder sogar ein universelles Verständnis von Musik? In diesem Fall bestimmt, aber natürlich gibt es auch tierische Musik, die in Menschenohren alles andere als schön klingt. Die musikalischen Erkenntnisse verschiedener Forscher sind auf jeden Fall spannend – gerade auch, weil sie ganz verschiedene Arten betreffen.

Virtuose Duette: begabte Zaunkönige 

Wissenschaftler staunten sehr, als sie zum ersten Mal die komplizierten und künstlerischen Gesänge der Fraser- Zaunkönige zu hören bekamen. Besonders daran ist nicht nur die musikalische Qualität, sondern auch ihre Ausdauer sowie die Tatsache, dass Männchen und Weibchen gemeinsam singen. Die Duette dauern etwa zwei Minuten, in denen vier Strophen abgewechselt und wiederholt werden. Dabei haben Weibchen und Männchen ihre festen Rollen – das heißt, sie wiederholen jeweils ihre eigenen Strophen. Die Fraser-Zaunkönige sind in den Tropen Südamerikas zu Hause. Dort ist zu beobachten, dass Vogelweibchen häufiger singen als in gemäßigten Klimazonen. Nur von den Fraser-Zaunkönigen ist aber bisher bekannt, dass sie derart komplexe Duette singen. Noch ist nicht ganz klar, wozu sie das tun. Die Vermutung liegt aber nahe, dass es mit Partnerschaft und Fortpflanzung zu tun hat. Bestimmte äußere Zeichen, dass es Zeit für die Paarung wird, wie zum Beispiel die Tageslänge, gibt es in den Tropen nicht. Vielleicht wollen sich die Vögel also mit ihren kunstvollen Liedern gegenseitig versichern, dass sie bereit sind, sich zu paaren.

Töne in anderen Sphären: musikalische Mäuse

Eigentlich war die musikalische Entdeckung ein Zufall, denn die Lieder sind für menschliche Ohren nicht wahrnehmbar. Doch mit speziellen Mikrofonen gelang es zwei Neurobiologen (die eigentlich etwas ganz anderes untersuchen wollten), Laute ihrer Labormäuse einzufangen, die sie verzückten: Das Gezwitscher ihrer Mäuse klinge wie Vogelgesang, und die kleinen Nager seien außerdem in der Lage, zwischen unterschiedlichen Tonfolgen abzuwechseln, berichteten sie. Das ist interessant, weil es die Vermutung nahelegt, dass auch andere Nagetiere musizieren, und zwar auf für uns Menschen nicht wahrnehmbaren Frequenzen. Der Grund der Gesänge scheint Liebeswerben zu sein, denn die Sänger sind ausschließlich Männchen, die versuchen, Weibchen zu beeindrucken.

Treue Sänger: monogame Primaten

Bei den Affen sind musikalische Männchen übrigens besonders treu. Diejenigen Affen, die singen, leben monogam. Zum Beispiel die Weißohrigen Springaffen, die besonders innige Zweierbeziehungen pflegen. Oder die Siamang-Gibbons, bei denen Paare, die sich frisch gefunden haben, ihre Gesänge erst einmal aufeinander abstimmen. Dadurch entsteht gleich ein besonderer Zusammenhalt. Gut aufeinander abgestimmte Gesänge haben eine deutliche Signalwirkung nach außen: Sie zeigen Zusammengehörigkeit und untermauern den Revieranspruch eines Paares. Wer schlecht zusammen singt, muss also unter Umständen um sein Revier fürchten. Deshalb bleiben gesanglich gut aufeinander abgestimmte Paare lieber zusammen. Ob das auch bei uns Menschen klappen könnte?

Unterwasser-Sonaten: kreative Buckelwale

In den Werbegesängen von Buckelwalen entdeckten Forscher Ähnlichkeiten zur menschlichen Musik: Rhythmus, Aufbau und auch Länge der musikalischen Passagen erinnern an symphonische Klänge in Sonaten. Das könnte daran liegen, dass Wale mit ihren großen Gehirnen sich lange konzentrieren können und deshalb Lieder produzieren, die ähnlich lang sind wie die Sätze einer Sonate. Eine überraschende Entdeckung gelang australischen Forschern von der Universität in Sydney. Sie stellten fest, dass Wale aus dem Westpazifik andere, vorbeiziehende Wale aus dem Indischen Ozean „belauscht“ und daraufhin deren Lieder nachgeahmt hatten. Das beweist, wie lernfähig die Wale auf musikalischem Gebiet sind – und dass sie sich durchaus inspirieren lassen.

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