Ein Paradies für Schmetterlinge schaffen | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Ein Paradies für Schmetterlinge schaffen

Schaffen Sie ein Paradies für Schmetterlinge in Ihrem eigenen Garten oder auf dem Balkon. Wir geben Ihnen einige Tipps.
 
© uschi dreiucker / pixelio.de
Wo? Wie? Wann?-Tipps

Wundertüte für die Wiese

Im Handel bekommt man beispielsweise Mischungen von Wildpflanzen-Samen bzw. ihren nachgezüchteten, nahen Verwandten. Ihre Wuchsgewohnheiten sind also entsprechend „wild“. Das heißt: Keine der Blumen entwickelt eine Dominanz, eine Vorherrschaft, sondern jede wächst am liebsten in der dichten Gemeinschaft mit ihren Nachbarn. Die Folge ist (neben einer bunten Palette an Blüten) ein kleiner, für viele Tiere äußerst attraktiver Verhau. Im Schutz dieser Mini-Wildnis finden eine große Anzahl von Insekten eine Heimat. Sogar Vögel entdecken hier geeignete Verstecke für ihre Nester. Die Mischung enthält in der Regel Arten , die auf Heuwiesen und an Wegrändern gedeihen sowie bestimmte Ackerwildkräuter. Ausgebracht wird im Regelfall ein weitaus größeres Artenspektrum, als am betreffenden Ort wirklich wachsen kann. Das ist aber volle Absicht, weil so recht unterschiedliche Ansprüche abgedeckt werden können. Vorsicht, die Samen sind oft klitzeklein! Bevor Sie daran gehen, den Samen auszustreuen, sollten Sie den Zustand des Bodens diagnostizieren. Mit Hilfe eines Wildblumenbüchleins geht das verhältnismäßig einfach: Versuchen Sie die Pflanzen, die nach einigen Wochen Mähpause bei Ihnen wachsen, zu identifizieren. Sind es "Fettliebende" Pflanzen wie der Löwenzahn auch, dann ist eine Magerkur angesagt.

Diät macht müde Wiesen munter

Die zuverlässigste, schnellste, aber auch aufwändigste Methode hierzu besteht darin, den Rasen abzutragen, den Boden notfalls durch Beimischung von Sand weiter auszumagern und aufzulockern, um dann eine geeignete Mischung aus stickstoffbindenden Gräsern und Stauden auszusäen. Langwieriger, aber weniger arbeitsaufwändig ist dagegen folgender Weg: Bei gleichzeitigem Anpflanzen stickstoffbindender Stauden wird der Rasen durch besonders häufiges Mähen abgemagert. Wer nicht über ein Stück Garten verfügt, hat's da natürlich einfacher. Er verzichtet beim Vorbereiten der Pflanzbehälter auf Humus und Torf. Und da Torf bekanntlich aus Torfmooren gewonnen wird, zeugt der Verzicht auf dieses nährstoffreiche Substrat von aufgeklärtem Ökologie - Bewusstsein in doppelter Hinsicht! Magere Blumenerde gibt's auch in Gartencentern. Zur Not können Sie auch normale humöse Blumenerde mit Sand durchmischen.

Wo? Wie? Wann?-Tipps

Je größer und sonniger das ausgesuchte Plätzchen ist, je näher Ihr Balkon, Ihr Fensterbrett und Ihre Terrasse sich an einem Stadtpark oder einer Grünanlage befinden, desto früher werden sich die Besucher einstellen. Aber dann nicht erschrecken: es kommen wahrscheinlich nicht nur Schmetterlinge, sondern auch Schwebfliegen, Hummeln und Käfer. Eine schöne Abwechslung jedenfalls zu den Wespen, die einem den Spaß an Pflaumenkuchen und eisgekühlter Cola gründlich verderben können. Nun zeigen sich vielleicht auch Vögel wie Rotschwänzchen, Meisen, Bachstelze, Rotkehlchen und Dompfaff. Am platzsparendsten ist es natürlich, wenn die Blumenbehälter außen am Fensterbrett oder der Balkonbrüstung angebracht werden. Bei der Vorbereitung der Pflanzcontainer muss auf gute Entwässerung geachtet werden. Am besten gelingt dies durch eine Schicht Blähton-Kügelchen, die von dem Substrat durch ein Filzfliess getrennt wird.

Nachdem Sie die Erde geharkt haben (und das gilt für Garten-Gärtner ebenso wie für Container- Gärtner) , können die Samen endlich in die Erde. Die Aussaat findet zweckmäßigerweise zwischen März und Mai statt. Säen Sie nicht zu dicht, sondern in Reihen oder breitwürfig. Anschließend braucht der Samen nur noch flach eingerecht und fest angedrückt werden.

Rechtzeitig säen

Warten Sie mit der Einsaat nicht zu lange: Ein späterer Saattermin im Sommer reduziert die Blütenfülle im ersten Jahr. Apropos Blütenfülle: Erwarten Sie nicht gleich alles und vor allem nicht allzu viel. Etliche Arten setzen sich erst nach einigen Wachstumsperioden durch. Garten-Gärtner haben die schweißtreibende Auswahl zwischen zwei Aussaat-Methoden: Die völlige Neueinsaat oder die konzentrierte Nachsaat. Bei der Neueinsaat muss der Boden umgebrochen und gut aufgelockert sein. Die Wildblumensamen werden dann breitwürfig ausgebracht, oberflächig eingerecht und gut angedrückt. Die konzentrierte Nachsaat verläuft ebenso, nur eben an bestimmten Stellen, die Lücken aufweisen. Durch künstlich geschaffene Lücken (z.B. mit einem Rechen aufrauen) lassen sich auch bestehende Rasenflächen ökologisch aufwerten.

Pflege und Ambiente

Vor allem am Anfang ist regelmäßiges Gießen wichtig. Je kleiner das Gefäß, umso häufiger muss bei Hitzeperioden gegossen werden. Bewährt haben sich automatische Befeuchter mit Messfühlern. Klar, dass Dünger und Unkrautvernichter fehl am Platze sind. Denn Schmetterlingsschutz bedeutet nicht nur Verzicht auf Düngemittel, sondern natürlich auch auf Unkrautvertilgungsmittel und andere Chemikalien. Einige Arten unserer Mischung werden bis in den Oktober hinein blühen, andere wiederum werden ihre Blütezeit bereits im Sommer abgeschlossen haben. In den übersichtlicheren Kästen können Sie die abgeblühten Pflanzen mit einer Gartenschere entfernen. Es ist aber ökologisch auch nichts dagegen einzuwenden, wenn Sie etliche der noch blühenden Blumen für einen Strauß pflücken, um damit den eingangs zitierten Frühstückstisch zu schmücken.

Wenn Sie Ihren Garten oder größere Teile davon mit den Samen gesegnet haben, dann artet die Pflege mit der Gartenschere natürlich in eine Sisyphos-Arbeit aus, die Sie sich und Ihrem Rücken nicht unbedingt zumuten sollten. Mit einer Sense oder Sichel tun Sie sich da erheblich leichter. Je nach Wuchskraft können Sie den ganzen Zauber ein bis zweimal im Lauf des Sommers mähen. Diese Form der Mahd lässt langwüchsige Arten zugunsten der kürzeren verschwinden und verhindert eine Verholzung, also eine selbstständige Versamung und Verbreitung von Büschen und Bäumchen. Das Schnittgut wird abgerecht und – wenn möglich – kompostiert. Achtung: Der entstandene Kompost sollte nur für Gemüsebeete oder Rabatten mit Blumen wie Tulpen und Osterglocken genutzt werden. Auf den Standorten der neugepflanzten Wildblumen hat auch Biodünger aus Kompost selbstverständlich nichts zu suchen.

Üben Sie sich in Geduld

Auch wenn die Mischung noch so schön erblüht, kann es sein, dass Insekten eine Zeit lang nicht einmal ein müdes Lächeln dafür übrig haben. Sie brauchen nämlich neben den geeigneten Pflanzen auch ein möglichst windgeschützes, warmes Areal. Bietet das Grundstück genug Platz, so ist es von Vorteil, wenn Sie Hecken und Sträucher heimischer Gehölze pflanzen. Geeignete Sträucher sind beispielsweise: Roter Hartriegel, Waldhasel, Pfaffenhütchen, Gemeiner Liguster, Rote Heckenkirsche, Kreuzdorn, Hundsrose, Wilde Brombeere, Salweide, Schwarzer Holunder, Gemeiner Schneeball. Solche Sträucher sind wichtiger (Teil-) Lebensraum für viele Schmetterlingsarten, aber auch für andere Kleintiere wie Frösche und Kröten, Vögel, Spitzmäuse und Igel.

Paradies für viele Tiere

Achten Sie darauf, heimische Arten auszuwählen! Nur sie bieten einer großen Fülle Schmetterlingsraupen Nahrung. Es gibt natürlich auch Ausnahmen: Pflanzen Sie den nichtheimischen Schmetterlingsflieder (Buddleia). Seine schönen Blütenstände enthalten sehr viel Nektar und locken zahlreiche Schmetterlinge an. Durch das neuentstandene Buschwerk werden natürlich nicht nur Schmetterlinge angezogen, sondern auch etliche andere Insekten. Aber keine Angst vor einer Insekten- lnvasion: Meist halten sich die Brummer und Krabbler selbst in Schach. Beispiel: Mücken und Fliegen werden von Wespen gefressen (die dann vielleicht von Ihrem Pflaumenkuchen ablassen) und die Wespen wiederum verfangen sich im Spinnennetzen, die die fleißigen (nicht zu den Insekten gehörenden) Achtbeiner an höherwüchsigen Pflanzen gespannt haben.

Alternativen zum Garten

Wenn Sie – wie die Mehrheit der Einwohner im täglich enger werdenden Mitteleuropa – weder über einen Garten noch ein Gärtchen verfügen, gibt es trotzdem etliches, wie Sie Schmetterlingen und Co. ein nettes Ambiente schaffen können. Den dringend notwendigen Windschutz erhalten Insekten beispielsweise durch Schlinggewächse wie das Geißblatt (das nebenbei eine hervorragende Nahrungspflanze für Nachtfalter ist). Geißblatt, aber auch andere Kletterpflanzen können mit Hilfe eines Rankgerüsts schnell zu einer schützenden grünen Mauer emporwachsen.

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Foto: ©uschi dreiucker / www.pixelio.de
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