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Was Schmetterlinge nicht brauchen

Hier erfahren Sie, was Schmetterlinge wohl von Ihrem Garten oder Ihrem Balkon abschrecken wird, anstatt sie anzulocken und wie Sie diese Fehler beheben können.
 
© Wolfgang Dirscherl/pixelio.de
Das brauchen Schmetterlinge nicht

Wer in einem Wildblumenbuch blättert, der lernt, dass jede Pflanze auf bestimmte Standortverhältnisse angewiesen ist. Aus der Art des Bewuchses kann man dann umgekehrt natürlich auch auf die Vorgeschichte der Böden schließen, auf denen die Pflanzen gedeihen, und in welcher Verfassung sich das Land befindet. Die Geschichte, die der Löwenzahn erzählt, ist relativ eindeutig. So hübsch diese Pflanze aussehen mag und so lustig es ist, wenn man im Sommer die Pusteblumen pflückt und ihre Samen mit einem kräftigen Pusten verteilt, steht sie gleichzeitig auch für ökologischen Niedergang.

Monokulturen schrecken Schmetterlinge ab

Denn Löwenzahn-Monokulturen gefallen außer wenigen Insekten (wie etwa den Honigbienen) nur den Kühen. Schmetterlingen bringen solche Viehfutter-Äcker nichts. Warum? So wie die Kühe nämlich Löwenzahn lieben, liebt der Löwenzahn den Kuhfladen. Die Ausscheidungen der Rinder sind mit ein Grund, warum Löwenzahn auf der Weide so gut wächst. Löwenzahn braucht „fette" Standorte. Und „fett" ist gleichbedeutend mit einem Überangebot an Nährstoffen, sprich Überdüngung – einem der größten Übel unserer Landschaft. Doch solche Landschaften sind von der Natur meist nicht vorgesehen. Es gibt also auch nur verhältnismäßig wenig Wildtiere, die sich dort glücklich fühlen würden. Gerade auf die nährstoffarmen Graslandtypen, wie die extensiven Trocken- und Halbtrockenrasen, aber auch die Feucht- und Nasswiesen, haben sich besonders viele Falter spezialisiert.

Ausweichlebensräume schaffen

Das Übel der Überdüngung kann durch Ausweichlebensräume geschmälert werden. Besonders dann, wenn diese Lebensräume durch die geeigneten Maßnahmen ausgemagert werden würden. Solche Lebensräume gibt es mehr, als man denkt. Auch Pflanzflächen in Blumencontainern und Balkonkästen zählen dazu. Doch diese Rechnung geht nicht auf. Das Potenzial für Schmetterlinge und viele andere Tiere wird überhaupt nicht genutzt, im Gegenteil: Getreu dem Motto „Viel hilft viel" beträgt der Düngemittel- Eintrag in Gärten und Schrebergärten pro Quadratmeter oft ein Vielfaches der aus wirtschaftlichen Gründen genau dosierten Düngergaben von Landwirten.

Traurige Gärten

Zu der Überdüngung kommt ein weiteres Übel und treibt den Artenschwund voran: das Mähen. Egal, ob man als Landwirt bis zu sechsmal im Jahr Wiesen für Viehfutter mäht oder als Freizeitgärtner doppelt so oft den Rasenmäher surren lässt. Häufiges Mähen macht artenreiche Wiesen zu artenarmen Grasäckern. Gerade die Gärten und Vorgärten sind in dieser Beziehung ein trauriges Kapitel: Am Stadtrand und in den Vorstädten, wo im Frühjahr Lerche und Kuckuck singen könnten, hört man – besonders an Samstagen – das Rattern und Brummen der Rasenmäher. Ohne Rücksicht auf Artenverlust.

Den Wildblumen eine Chance geben

In einem fleißig gemähten Vielschnittrasen bekommen die wenigsten Wildblumen eine Chance, ihre Entwicklung bis zur Samenreife abzuschließen. Neben den gezüchteten Vielschnittgräsern haben hier nur Pflanzen wie Wegerich oder Gänseblümchen eine Entfaltungsmöglichkeit. Wegen ihrer niedrig liegenden Blattrosette können sie sich nämlich auch trotz häufiger Rasenmäherrasur rasch regenerieren. Manchmal zwingt ja der psychologische Druck der Nachbarschaft förmlich, den Rasenmäher anzuwerfen. Da haben es diejenigen besser, die keinen "echten" Garten haben. Doch wird auf Fensterbrett, Balkon und in Kübeln eher angepflanzt, was Schmetterlinge brauchen?

Leider nichtt: Wer sich auf den Balkonen, Fenstersimsen und Terrassen in seiner Nachbarschaft umsieht, wird jede Menge Fuchsien, Petunien, Begonien und Tagetes antreffen. Auch immergrüne Bäumchen wie Zwergwacholder und Zuckerhutfichten finden sich oft in den Pflanzcontainern. Doch diese Arten, so hübsch sie auch aussehen, sind kaum geeignet, Schmetterlingen eine Heimat zu bieten.

Triste Monotonie auch auf Balkonien

Die "heiligen drei R" dominieren in trister Monotonie: Rasen, Rosen und Rhododendren. Aus tierischer Sicht betrachtet ist das ziemlich unmenschlich. Der Standardbewuchs deutscher Gärten kommt geradezu einer Katastrophe gleich: Von Hochzuchtrosen leben allenfalls Blattläuse. Rhododendren sehen nur gut aus und ersetzen nicht die nutzbare und nützliche Vielfalt heimischer Sträucher, von denen doch die meisten bereits in mittelgroßen Balkoncontainern gedeihen könnten.

Schmetterlingsschutz leicht gemacht

Artenarmut – ob bei Schmetterlingen oder Wildblumen – ist keine Einbahnstraße. Sie lässt sich rückgängig machen. Aufgeschlossene Grünplaner haben erkannt, dass sich in Dörfern und Städten jede Menge Platz für die Natur findet. Es konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass in aufgelockerten Wohngebieten immerhin 120 Tierarten vorkommen, in Parks und Grünanlagen gar 330 und am Stadtrand 650. Naturschutz fängt also auf der Fensterbank und vor der Balkontür an. Jeder, der Verfügungsgewalt über einen Garten oder Vorgarten hat, selbst jeder, der irgendwo ein Plätzchen für Pflanzcontainer hat, kann mit wenig Aufwand etwas für die Schmetterlinge tun. Durch einfache Maßnahmen kann für viele Falterarten eine kleine Oase geschaffen werden.



Foto: © Wolfgang Dirscherl/ www.pixelio.de
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