Was tun mit dem kranken Findling? | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin
Ratgeber

Was tun mit dem kranken Findling?

Wie päppeln Sie einen untergewichtigen Findling wieder auf? Und wie versorgen Sie einen kranken oder verletzten Igel am besten?
 
Kranke Igel-Findlinge pflegen © Thomas Brodmann / animals-digital.de
Der richtige Umgang mit Findlingen ist für das Überleben der Tiere sehr wichtig

Ein bisschen Bürokratie muss sein

  • Fundort, Funddatum mit Uhrzeit und das Gewicht unbedingt noch am gleichen Tag notieren. Damit beginnt der Pflegebericht – wichtig für Tierarzt bzw. Igelstation.
  • Wärmen fühlt sich die Igel-Bauchseite deutlich kühler an als die eigene Hand, wird das Tier in ein angewärmtes Frotteehandtuch gehüllt. Oder es wird, wie „Pro Igel e.V.“ rät, eine mit gut handwarmem Wasser gefüll - te Gummiwärmflasche mit einem Frotteehandtuch umwickelt und in einen hochwandigen Karton ge - legt. Darauf setzt man den Igel und deckt ihn mit einem weiteren Handtuch zu. Auf keinen Fall darf ein schwacher oder verletzter Igel am gleichen Tag noch gebadet werden – das würde zusätzlichen Stress bedeuten.
  • Füttern Kuhmilch ist für die Insektenfresser grundsätzlich tabu – auch im Notfall: Sie bekommen davon Durchfall und als Folge Darmentzündungen, oft mit tödlichem Ausgang. Ebenfalls nicht erlaubt sind in menschlicher Obhut: Regenwürmer, Schnecken, Schweinefleisch, Süßigkeiten. Für die erste Igel- Mahlzeit wird man in der Regel seine Haushalts-Vorräte durchforsten müssen. Davon zur Erstversorgung empfehlenswert: Bananenscheibchen, ungewürztes Rührei (in minimal Pflanzenfett), zerkleinerter Butterkeks (sehr beliebt), ungeschwefelte Rosinen, kleingehackte Erdnüsse (ungesalzen). Ideal sind natürlich Katzen- oder Hundedosenfutter. Zum Trinken gibt es lauwarmes Wasser – manche Igelexperten empfehlen, einige Tropfen Honig darin aufzulösen. Sobald man Katzendosenfutter und Igeltrockenfutter (Zoofachhandel) besorgt hat, kann man verschiedene Menüs zubereiten.


Rezepte für den Igel-Gaumen

Die folgenden Rezepte dazu stammen von Pro Igel e.V. (Mengenangaben für einen mittelgroßen Igel):

a) Fettarmes Rührei (von einem Ei) vermischt man mit 2 Eßlöffeln Igeltrockenfutter.
b) 2 Esslöffel Hühnerfleisch (salzlos gekocht und kleingeschnitten) werden mit der gleichen Menge Igeltrockenfutter verrührt.
c) 2 Esslöffel frisches Rinderhack oder Tatar ver- mengt man mit 2 Esslöffeln Igeltrockenfutter.
d) 2 Esslöffel Katzendosenfutter werden mit der gleichen Menge Igeltrockenfutter vermischt. Übrigens zeigte eine Studie, dass Igeltrockenfut - ter nicht empfehlenswert ist als Alleinfuttermittel. Erstens trifft es wohl nicht den Igel-Geschmack, zweitens ist es nicht energiereich genug und enhält zu wenig Protein. Zum Mischen ist es aber gut geeignet.

Leckerbissen zum Knabbern und darum ein prima Zahnputzmittel sind Garnelenschrot (aus dem Zoofachhandel, ins Futter mischen) oder gekochte Hühnerflügel (keine Röhrenknochen!) – mindestens 2 mal pro Woche. Ein Tipp von den Münchner Igelschützern: Avocado-Stückchen eignen sich vor allem als fettreiche Leckerbissen für kleine Herbstigel. Gefüttert wird einmal pro Tag, und zwar abends. Nur kleine Jungtiere und stark geschwächte Pfleglinge bekommen auch tagsüber mehrere kleine Portionen. Futterreste wegwerfen, die Näpfe (aus Glas, Porzellan) täglich heiß spülen.


Richtiger Umgang mit Findlingen

  • Gesundheit und Hygiene: Sobald wie möglich Kontakt aufnehmen zu Igelschützern und/oder Tierarzt, um sich kostenlosen Rat zu holen und den Findling untersuchen bzw. medizinisch behandeln zu lassen. Hier erfährt man auch, wie Igel-Parasiten (Flöhe, Zecken, Lungen - würmer) beseitigt werden.
  • Unterbringung im Haus: Als Übergangsquartier (!) für den ersten Tag dient ein geräumiger, hochwandiger Karton, ausgelegt mit Zeitungspapier bzw. Haushaltsrolle-Blättern. Jeder erwachsene Igel braucht sein eigenes Quartier (nur Jungigel aus einem Wurf können bis zur Geschlechtsreife zusammenbleiben) und viel Auslauf. Igel mit zu wenig Bewegungsfreiheit zeigen bald Lähmungserscheinungen! Die Haltung in Käfig, Karton, Badewanne, Terrariumglas oder ähnlichem ist also Tierquälerei.
  • Standort: Als wärmeliebende Tiere vertragen (vor allem kranke oder gesundheitlich geschwächte) Igel keine anhaltende Kälte oder Feuchtigkeit. Gut gewählt ist ein zugfreier, belüftbarer, ruhiger Raum mit einer Temperatur von etwa 18 Grad Celsius. Bleibt der Pflegling mehr als ein/zwei Tage in Ihrer Obhut, dann muss das Igelgehege mindestens 2 m 2 groß sein. Die Höhe der Seitenwände darf nicht unter 45 cm sein, da Igel überraschend gut klettern können. Entweder baut man das Gehege aus Holz oder Spanplatten (niemals Maschendraht) oder man verbindet mehrere geräumige Kartons (Fernsehgröße) und schneidet in die aneinanderstoßenden Seitenwände kleine Durchgänge. Der Gehege-Boden wird mit mehreren Lagen Zeitungspapier bedeckt, die täglich ausgewechselt werden. In den Auslauf kommt ein oben verschließbares Schlafhäuschen. Gut geeignet ist eine Schachtel aus starkem Karton mit den Maßen von ca 30 x 30 x 30 cm, in die man seitlich ein 12 x 12 cm großes Schlupfloch schneidet. Zum Auspolstern dient in Stücke gerissenes und zerknülltes Zeitungspapier, das mindestens einmal wöchentlich gewechselt wird. Von dem zusätzlich im Gehege ausgelegten Papier (Haushaltsrolle) kann sich der Igel noch selbst bedienen, falls er mehr Polsterung wünscht.
  • Winterschlaf im Haus Ende November ist der Igel meist bereit zum Winterschlaf. Ob Ihr Pflegling dick und gesund genug dafür ist, wo er schlafen soll und wie er während dieser Zeit versorgt werden muss, sollten Sie mit einer Igelberatungsstelle klären, denn die Überwinterung erfordert viel Erfahrung. Die Igelschutzvereine bieten dazu Merkblätter an.
 

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Thomas Brodmann / animals-digital.de
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