Wildtier-Lexikon: Alpenmurmeltier | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Alpenmurmeltier

Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Murmeltier © animals-digital.de
Steckbrief
  • Körperlänge: Weibchen: 40 - 50 cm, Männchen: 40 - 50 cm
  • Gewicht: Weibchen: 6 - 8 kg, Männchen: 6 - 8 kg
  • Lebenserwartung: 12 Jahre
  • Verbreitung: Alpen, Karparten, Hohe Tatra
  • Lebensraum: Gebirgswiesen
  • Artbestand: gefährdet
Systematik
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Nagetiere
  • Familie: Hörnchen
  • Gattung: Murmeltiere
  • Art: Alpenmurmeltier (Marmota marmota)
Aussehen

Das Alpenmurmeltier hat einen gedrungenen, kegelförmigen Körper. Der Übergang vom Körper zum Kopf ist fließend. Der kleine Kopf ist an der Schnauze leicht abgerundet. Die Ohren sind klein, rund und liegen eng am Kopf an, die Augen sind dunkel. Das Murmeltier hat vier lange Nagezähne, die das ganze Leben über wachsen. Die Gliedmaßen sind kurz und kräftig. Die Pfoten sind unbehaart. An den Vorderpfoten befinden sich vier Zehen, an den Hinterpfoten fünf. Alle Zehen sind mit langen Krallen versehen. Der Schwanz ist kurz und buschig. Das Fell des Alpenmurmeltiers ist dicht und struppig. Die Farbtöne erstrecken sich von Hellgrau bis Graubraun. Der Schwanz ist in der Regel etwas dunkler, die Spitze ist schwarz. Um die Schnauze ist das Fell etwas heller. Männchen und Weibchen unterscheiden sich auf den ersten Blick kaum. Männchen sind unter Umständen etwas größer und dunkler.

Fortpflanzung und Entwicklung

Alpenmurmeltiere paaren sich im April und Mai, kurz nachdem sie aus dem Winterschlaf aufgewacht sind. Das ranghöchste Weibchen einer Gruppe paart sich mit mehreren Männchen. Auch rangniedrigere Weibchen werden oft gedeckt. Durch Kämpfe mit dem ranghöchsten Weibchen verlieren die anderen Weibchen ihren Fötus jedoch oft wieder. Das Weibchen ist etwa fünf Wochen trächtig. Dann bringt es im Bau zwei bis sieben Jungtiere zur Welt. Die Jungen sind nackt, blind, taub und wiegen etwa 30 Gramm. Die Mutter säugt ihren Nachwuchs sechs Wochen lang. Im Alter von einem Monat öffnen die kleinen Murmeltiere die Augen. Inzwischen haben sie auch schon ein Fell und Zähne. Jetzt verlassen sie mit der Mutter das erste Mal den Bau. Sie fangen schon früh an, feste Nahrung zu sich zu nehmen, um sich Winterspeck anzufressen. Bei Einbruch des Winters wiegen sie ungefähr halb so viel wie ein erwachsenes Alpenmurmeltier. Etwa ein Drittel der Jungtiere überlebt den ersten Winter nicht. Alpenmurmeltiere werden mit zwei Jahren geschlechtsreif.

Lebensweise und Verhalten

Alpenmurmeltiere sind gesellige, tagaktive Tiere. Sie leben in Familiengruppen, die von einem Männchen und einem Weibchen angeführt werden und bis zu 20 Tiere umfassen können. In einer Familie entwickeln sich starke Bande. Die Murmeltiere spielen miteinander und pflegen sich gegenseitig das Fell. Mehrere dieser Familien schließen sich oft zu einer lockeren Kolonie zusammen. Murmeltiere verbringen die meiste Zeit ihres Lebens unter der Erde. Sie legen weitläufige Bauten mit vielen Tunneln und Kammern an. Diese Bauten werden oft über Generationen hinweg ausgebaut. Sie dienen zum Schutz vor Feinden und der heißen Mittagssonne und darüber hinaus zur Aufzucht der Jungtiere. Alpenmurmeltiere sind territorial. Das Revier einer Gruppe umfasst etwa zwei Hektar. Die Tiere entfernen sich jedoch selten weit von ihrem Bau. Von Oktober bis März halten Murmeltiere Winterschlaf. In dieser Zeit nehmen sie keine Nahrung zu sich und wachen nur etwa alle vier Wochen auf, um Kot und Harn abzulassen. Die Sterblichkeitsrate während dieser Zeit ist sehr hoch.

Sinnesleistungen

Die Augen des Alpenmurmeltieres sitzen seitlich am Kopf. Dadurch sind die Tiere mit einem sehr guten Sehvermögen ausgestattet. Auch das Gehör ist sehr gut und empfindlich. So werden die Murmeltiere rechtzeitig vor Feinden gewarnt und können in ihren Bau fliehen. Der Geruchsinn hingegen ist schlecht entwickelt.

Ernährung:

Im Frühling ernährt sich das Alpenmurmeltier hauptsächlich von Wurzeln, jungen Trieben und Ästen. Im Sommer stehen verschiedene Pflanzen, die auf den Alpenwiesen wachsen, auf dem Speiseplan. Die Murmeltiere fressen vor allem Pflanzen, die reich an ungesättigten Fettsäuren sind. Dazu gehören Alpenklee, Mutterwurz und Bergwegerich. Damit fressen sie sich einen Fettvorrat für den Winter an. Auch Insekten und Würmer stehen auf dem Speiseplan der Murmeltiere. Obwohl das Nahrungsangebot in den Sommermonaten mehr als ausreichend ist, hat das Alpenmurmeltier oft nur wenig Zeit zur Nahrungsaufnahme. Bei zu großer Hitze verlassen sie ihren Bau nicht, und Fressfeinde sowie Menschen vertreiben sie oft von den Alpenwiesen.

Hätten Sie's gewusst?

Das Alpenmurmeltier hat viele Namen. Je nach Gebiet wird es anders genannt. Die Bayern haben ihm den klangvollen Namen "Mankei" gegeben, und im Allgäu werden sie liebevoll als "Mumele" bezeichnet. Die Franzosen haben es "Marmotte" getauft und die Schweizer sprechen vom "Murmeli". Bei den Alten Römern war das Murmeltier nichts weiter als eine "Alpenmaus", da es wie ein Mäuschen pfiff und in Erdhöhlen lebte. 


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