Wildtier-Lexikon: Bison / Wisent | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Bison / Wisent

Die gewaltigsten Landsäugetiere in Europa und Nordamerika sind ganz leicht an ihrem Schulterbuckel zu erkennen. Lesen Sie hier Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung des Bison. Hätten Sie's gewusst?
 
Wildtier-Lexikon: Bison / Wisent © pixabay.com/skeeze (CC0 Public Domain)
Die Bisons sind Wiederkäuer.

Steckbrief

  • Körperlänge: Weibchen: 200 - 260 cm, Männchen: 300 - 350 cm
  • Gewicht: Weibchen: 300 - 500 kg, Männchen: 400 - 1000 kg
  • Lebenserwartung: 20 - 27 Jahre
  • Verbreitung: Reservate Nordamerikas, Polen, Estland, Lettland, Litauen, Weißrussland
  • Lebensraum: Wald, Grasland
  • Artbestand: Wisent stark gefährdet, Bison gering gefährdet

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Paarhufer
  • Familie: Hornträger
  • Gattung: Bisons
  • Art: Amerikanischer Bison (Bison bison) Wisent (Bison bonasus)

Aussehen

Die gewaltigsten Landsäugetiere in Europa und Nordamerika sind ganz leicht an ihrem Schulterbuckel zu erkennen. Ihr zotteliges schwarzes bis braunes Fell kann mitunter bis zu 50 Zentimeter lang werden. Am Kopf tragen sie einen "Bart" und eine Mähne, und beide Geschlechter haben recht kurze gebogene Hörner. Ihr ganzer vorderer Körperteil wirkt überdimensional. Da der amerikanische Bison und das europäische Wisent miteinander fruchtbare Nachkommen zeugen können, halten es einige Experten für falsch, die beiden als verschiedene Arten zu betrachten – allerdings ist das weitgehend üblich. Der äußerliche Unterschied zwischen den beiden Formen liegt vor allem in der Statur und der Dicke und Länge des Beinfells: Das Wisent ist schmaler und hat ein wenig längere Beine als der amerikanische Bison. Zusätzlich haben Wisente nicht soviel "Beinbehang". Ihre Vettern aus Amerika tragen regelrechte "Puffärmel" an den Beinen, die bis zu den Fesseln hinab reichen.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Brunftzeit der Bisons geht von Mai bis Juni. Dann vereinigen sich einzelne Bullen- und Kuhherden zu einer großen Gruppe von mehreren hundert Tieren. In dieser Zeit kommt es auch zu heftigen Rangordnungskämpfen. Nach einer "Kurzehe" von einigen Stunden oder Tagen kommt es zwischen Kühen und Bullen zur Paarung; danach löst sich die Großherde langsam wieder auf. Zirka neun Monate später bringt das Weibchen ein Junges zur Welt. Das Wisent-Kälbchen wird etwa ein halbes, das Kalb des amerikanischen Bisons ein ganzes Jahr gesäugt. Mit rund zwei Jahren sind die Jungtiere geschlechtsreif; die Männchen paaren sich aber meist erst fünf oder sechs Jahre später, da sie dann ausgewachsen und in den Kämpfen um die Weibchen erfolgreich sind.  

Lebensweise und Verhalten

Eine klassische Aktivitätszeit haben die massigen Huftiere nicht. Neben Fressen und Umherwandern steht ein weiterer Punkt ganz weit oben auf der Tagesordnung: Die Körperpflege. Dazu Wälzen sie sich in den staubigen Böden der Prärie oder scheuern ihren Körper an Baumstämmen, Ästen und allem, was sich sonst noch anbietet. Bullen tun das vermutlich auch, um in der Brunftzeit oder wenn sie in Kampfstimmung sind Erregung abzubauen.

Die riesigen Vierbeiner sind nicht gerade ungefährlich, und wenn sie sich in die Enge getrieben fühlen, können sie blitzschnell angreifen. Auch bei den Rangkämpfen untereinander, in denen sie ihre stumpfen Hörner benutzen, kann durchaus auch ein Tier umkommen. Eine weitere besondere Eigenschaft von ihnen ist eine auffällige Neugier. Fremde Gegenstände untersuchen sie immer mit aller Gründlichkeit, ebenso wie tote Artgenossen, die sie dann mit den Hörnern anstoßen - wahrscheinlich um sie zum Aufstehen zu animieren.

Sinnesleistungen

Beide Formen der Bisons haben eine sehr empfindliche Nase, mit der sie Gerüche auch noch in ein bis zwei Kilometern Entfernung wahrnehmen können. Der Biologe Garretson will vor mehr als 70 Jahren sogar beobachtet haben, dass sie "Wasser" riechen, und zwar auch wenn es sieben oder acht Kilometer weit weg ist. Das macht zwar Sinn, schließlich sind die Tiere sehr darauf angewiesen, jeden Tag welches aufzuspüren, aber ob die Streckenangabe tatsächlich zutrifft, ist eher fraglich.

Kommunikation

Während der Brunftzeit stoßen die Bullen oft ein grollendes Brüllen aus. Ist eine Herde von Männchen in Kampfstimmung, stimmen mehr und mehr Tiere mit ein, bis sich die Verständigung zu einem ohrenbetäubenden Brüllkonzert steigert, das dann kilometerweit zu hören ist.  In diesen Wochen sind auch schnaubende Laute und ein "niesendes" Geräusch von ihnen zu hören, besonders wenn sie erregt sind. Außerhalb der Paarungszeit geben die mächtigen Rinder meist nur dumpfes Grunzen von sich und sind eher schweigsame Zeitgenossen.

Ernährung

Die Bisons sind Wiederkäuer. Im Sommer fressen sie Gras und Kräuter; die Waldbisons im nördlichen Kanada genehmigen sich auch hin und wieder Triebe, Blätter und Rinden. In der kalten Jahreszeit müssen sie mit Moosen, Flechten und trockenem Gras vorlieb nehmen. Vor allem letzteres ist im Verbreitungsgebiet der Tiere oft von einer dicken Schneeschicht bedeckt, die die Tiere dann erst mit den Hufen wegscharren, um as Gras fressen zu können. Jeden Tag suchen sie mindestens einmal eine Wasserstelle auf, weil sie nicht lange ohne Wasser auskommen.

Hätten Sie's gewusst?

Wenn Wisente sich krank fühlen oder Schmerzen haben, knabbern sie die Rinde von Weidenbäumen ab. Dieses scheinbar instinktive Verhalten ist erstaunlich, da auch der Mensch schon zu Zeiten der griechischen Antike diesen Teil des Baums als Heilmittel kannte. Er enthält eine natürliche Form des Wirkstoffs moderner Aspirin-Tabletten, die Acteylsalicylsäure und ist daher schmerzlindernd.


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