Wildtier-Lexikon: Breitmaulnashorn | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Breitmaulnashorn

Das Breitmaulnashorn wird übrigens auch "Weißes Nashorn" genannt. Diesen Namen verdankt es einem Übersetzungsfehler. Lesen Sie hier Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Wildtier-Lexikon: Breitmaulnashorn © EcoView / Fotolia
Die beiden Unterarten des Breitmaulnashorns, das südliche und das nördliche, sind sich sehr ähnlich.

Steckbrief

  • Körperlänge: Weibchen: 320 - 360 cm, Männchen: 350 - 375 cm
  • Gewicht: Weibchen: 1,5 - 1,7 t, Männchen: 2 - 3,5 t
  • Lebenserwartung: ca. 45 Jahre
  • Verbreitung: Zentral- und Südafrika
  • Lebensraum: Steppe
  • Artbestand: 12.000

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Unpaarhufer
  • Familie: Nashörner
  • Gattung: Ceratotherium
  • Art: Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum)

Aussehen

Das Breitmaulnashorn ist das größte aller Nashörner. Es hat einen schweren und massigen Körper. Männchen werden mit fast vier Metern Körperlänge und einem Gewicht von bis zu dreieinhalb Tonnen etwas größer und deutlich schwerer als Weibchen. Das Nashorn hat einen langen Kopf mit einem breiten Maul, kleinen Augen und abgerundeten Ohren. Beide Geschlechter tragen über dem Maul zwei Hörner. Das vordere ist deutlich größer als das hintere. Es kann beim Männchen (Bullen) bis zu 1,50 Meter lang werden. Im Nacken hat das Nashorn einen Höcker aus Muskeln und Bindegewebe. Die Gliedmaßen sind stämmig und kräftig. Breitmaulnashörner haben einen dünnen Schwanz, der bis zu 70 Zentimeter lang wird. Außer an den Ohren und an der Schwanzspitze besitzen die Tiere keinerlei Haare. Die dicke Haut hat eine schiefergraue Farbe.

Fortpflanzung und Entwicklung

Ein paarungswilliges Breitmaulnashorn-Weibchen sondert sich von seiner Gruppe ab und markiert seine Umgebung häufig mit Urin. Ist ein Bulle interessiert, beginnt ein ausgiebiges Vorspiel. Die Nashörner beschnüffeln sich, reiben sich aneinander und führen Scheinkämpfe aus. Die eigentliche Paarung kann über eine Stunde dauern. Nach einer Tragzeit von über 16 Monaten bringt das Weibchen ein Junges zur Welt. Das Jungtier wiegt etwa 80 Kilogramm und ist bereits wenige Stunden nach der Geburt in der Lage, der Mutter zu folgen. Obwohl das junge Nashorn bereits im Alter von einer Woche beginnt, Gras zu fressen, wird es etwa ein Jahr lang von der Mutter gesäugt. Ist der Nachwuchs etwa zwei Jahr Jahre alt, wird das Weibchen wieder paarungsbereit und vertreibt ihr Junges. Oftmals stößt dieses jedoch wieder zur Gruppe der Mutter, sobald das neue Geschwisterchen einige Wochen alt ist. Weibchen werden mit etwa sechs Jahren geschlechtsreif, Männchen erst einige Jahre später.

Lebensweise und Verhalten

Breitmaulnashörner sind tagsüber aktiv. Sie gehen vor allem in den kühlen Morgen- und Abendstunden auf Nahrungssuche. Weibchen leben in der Regel in kleinen Gruppen mit gleichgeschlechtlichen Artgenossen und mit ihrem Nachwuchs. Der Zusammenhalt in diesen Gruppen ist stark. Droht Gefahr, bilden die Weibchen einen schützenden Kreis um ihre Jungtiere. Erwachsene Männchen hingegen sind Einzelgänger. Sie leben in festen Revieren, die bis zu zwei Quadratkilometer umfassen können. Auch die Gruppen der Weibchen leben meist in ein und demselben Gebiet. Die Gebiete mehrerer Gruppen können sich jedoch überlappen. Obwohl sich Nashörner in der Regel gelassen fortbewegen, können sie bei Gefahr bis zu 40 Stundenkilometer schnell laufen.

Sinnesleistungen

Der Geruch ist der wichtigste Sinn des Breitmaulnashorns. Er hilft beim Auffinden von Nahrung und beim Erkennen von Artgenossen. Aufgrund der kleinen Augen ist der Sehsinn nur sehr schwach ausgeprägt. In einer Entfernung von 20 Metern kann das Nashorn kaum noch etwas sehen. Auch das Gehör ist nicht gut entwickelt.

Ernährung

Das Breitmaulnashorn ist ein reiner Vegetarier. Es ernährt sich fast ausschließlich von vielen Arten verschiedener Gräser, die in seiner Heimat wachsen. Wasser ist für diese Tiere sehr wichtig. Sie halten sich am liebsten in der Nähe von Gewässern auf. Ist keine Wasserstelle in der Nähe, nehmen sie große Wanderungen in Kauf, um ihren Wasserbedarf zu decken.

Hätten Sie's gewusst?

Die beiden Unterarten des Breitmaulnashorns, das südliche und das nördliche, sind sich sehr ähnlich. Sie unterscheiden sich jedoch in ihren Verbreitungsgebieten. Das südliche Breitmaulnashorn ist vor allem im südlichen Afrika beheimatet, während das nördliche hauptsächlich in Uganda und im Kongo lebt. Es gilt jedoch inzwischen in freier Wildbahn als ausgestorben. Das Breitmaulnashorn wird übrigens auch "Weißes Nashorn" genannt. Diesen Namen verdankt es einem Übersetzungsfehler. Die Buren bezeichneten es wegen seines breiten Maules als "wijde". Die Briten übersetzen diesen Begriff einfach mit "white" (=weiß). Deswegen ist dieses Nashorn bis heute noch das "Weiße Nashorn".

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