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Wildtier-Lexikon: Chinesischer Muntjak

Das Muntjak zu der kleinsten Hirschart. Wegen ihres Warn-Rufs werden sie auch Bell-Hirsche genannt. Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Chinesischer Muntjak © Philip Colmer / iStockphoto
Wenn Muntjak einen Feind entdecken lösen sie einen Warnruf aus, der an das Bellen eines Hundes erinnert.

Steckbrief

  • Körperlänge: 75 - 95 cm (Geweihlänge bis 15 cm)
  • Gewicht: 11 - 16 kg
  • Lebenserwartung: In Gefangenschaft bis 17 Jahre
  • Verbreitung: Asien
  • Lebensraum: Wälder bis Busch- und Grassteppen, mittlere Gebirgshöhen, Kultur- und Parklandschaften in China
  • Artbestand: bedroht


Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Paarhufer
  • Familie: Hirsche
  • Gattung: Muntiacus
  • Art: Chinesischer Muntjak (Muntiacus reevesi)


Aussehen

Bei einer Schulterhöhe von 45 Zentimetern zählt das Muntjak zu der kleinsten Hirschart. Das Männchen besitzt ein einfaches, sehr spitzes, 15 Zentimeter langes Geweih mit ein bis zwei Enden. Es wird nach der Paarungszeit abgeworfen. Danach wächst ein neues Geweih nach. Außerdem hat das Muntjakmännchen, als einziger Hirsch im Oberkiefer verlängerte Eckzähne, die aus dem Maul herausragen. Sie sind zwei bis fünf Zentimeter lang und dolchartig. Die Fellfärbung der Tiere ist, je nach Art von gelblich über graubraun bis dunkelbraun. Manchmal ist eine helle Fleckenzeichnung vorhanden.


Fortpflanzung und Entwicklung

Muntjaks erreichen ihre Geschlechtsreife mit zwölf Monaten. Die Paarungszeit ist an keine feste Jahreszeit gebunden. Ein Muntjak hat eine Tragzeit von sieben Monaten. Danach bringt das Weibchen im Unterholz ein bis zwei Jungtiere zur Welt. Die Kitze haben die für Hirsche typische, weiß gesprenkelte Fellfärbung. Dadurch sind sie gut an ihre Umgebung angepasst und somit vor Feinden geschützt. Die Säugezeit beträgt zwei Monate. Nach sechs Monaten verlassen die Jungtiere ihre Mutter.


Lebensweise und Verhalten

Muntjaks sind Einzelgänger und nur selten in kleinen Gruppen zu sehen. Sowohl männliche als auch weibliche Muntjaks verteidigen ihre Reviere. Das Männchen markiert sein Revier mit Hilfe einer Drüse am Kopf. Nähert sich ein anderes Männchen seinem Revier kommt es zum Kampf, wobei mehr die Eckzähne als die Geweihe als schmerzhafte Waffe dienen. Auch die Hufe des Muntjaks werden in Kämpfen eingesetzt. Diese sind sehr kantig und können tiefe Wunden verursachen. Muntjaks sind sowohl tag- als auch nachtaktiv. Viele Arten sind jedoch zur Dämmerungszeit am aktivsten. Neben Menschen zählen Tiger, Rothunde, Krokodile und Riesenschlangen zu ihren Hauptfeinden. Wenn Muntjak einen Feind entdecken lösen sie einen Warnruf aus, der an das Bellen eines Hundes erinnert. Daher werden sie auch Bellhirsche genannt.


Ernährung

Die Nahrung der Muntjaks ist hauptsächlich vegetarisch. Sie besteht aus Kräutern, Knospen, Früchten, Samen, Beeren, Blättern, Rinden und Blüten. Auch harte Gräser und Nüsse stehen auf dem Speiseplan. In seltenen Fällen verspeist ein Muntjak auch Eier, Kleintiere oder Aas.


Hätten Sie's gewusst?

Muntjaks sind in der freien Wildbahn wegen der Vegetation schwer zu beobachten. Freilebende Muntjaks könnte man jedoch mit etwas Glück bei einem Englandaufenthalt zu Gesicht bekommen. Dort entliefen Ende des 19. Jahrhunderts Tiere aus dem Woburn Park, Bedfordshire. Deren Nachkommen leben nun im Südosten Englands.


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Fotos: 
Philip Colmer / iStockphoto
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