Wildtier-Lexikon: Dachs | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Dachs

Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Dachs © Chris Crafter / iStockphoto
Dachse gehören zu den begabtesten Baumeistern unserer Natur.

Steckbrief

  • Körperlänge: 60 - 90 cm
  • Gewicht: 10 - 20 kg
  • Lebenserwartung: bis zu 15 Jahre
  • Verbreitung: Europa bis Ostasien
  • Lebensraum: Wälder
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere
  • Familie: Marder
  • Gattung: Europäischer Dachs (Meles)
  • Art: Europäischer Dachs (Meles meles)

Aussehen

Der Dachs ist der größte Marder Mitteleuropas. Eines seiner charakteristischen Merkmale sind die beiden schwarzen Streifen, die sich über seinen eigentlich weißen Kopf von der Nase über die Augen bis hin zu den Ohren erstrecken. Sein Rückenfell ist graubraun meliert und die Bauchseite schwarz. Wegen seiner kurzen Beinen wirkt die Gestalt des Dachses recht stämmig. Lange Krallen dienen ihm zum Graben, die Kopfform ist kegelförmig und seine kleinen, rundlichen Ohren stehen leicht vom Kopf ab.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die eigentliche Paarungszeit liegt zwischen Juli und August. Die befruchtete Eizelle entwickelt sich jedoch nicht sofort weiter, sondern durchlebt eine so genannte Keimruhe. Dadurch kommen die zwei bis vier Jungtiere erst im Februar oder März auf die Welt, obwohl die eigentliche Tragzeit nur etwa acht Wochen beträgt. Nach der Geburt sind die Tiere blind und haben ein dünnes, weißes Fell, die schwarzen Stellen sind aber schon leicht erkennbar. Nach etwa fünf Wochen öffnet der Nachwuchs erstmals die Augen und wird für zirka zwei Monate gesäugt. Innerhalb eines Jahres sind die Jungen dann selbst geschlechtsreif. Die männlichen Nachkommen verlassen den elterlichen Bau, die weiblichen hingegen bleiben meist und gliedern ihre Kammern an den bereits bestehenden Bau an.

Lebensweise und Verhalten

Der Dachs ist eigentlich ein dämmerungs- und nachtaktives Tier, doch sonnt er sich auch gerne einmal tagsüber vor seinem Bau. Dachse beanspruchen kein bestimmtes Revier, sind aber trotzdem territorial gebunden und markieren ein Gebiet in einer Größenordnung von bis zu 150 Hektar. In diesem Territorium lebt der Dachs in einem Familienverband und lebenslanger Ehe mit einem Partner. In großen Gemeinschaften bewohnen sie so genannte "Dachsburgen", die in den Waldboden gegraben werden. Sie bestehen aus zahlreichen Kammern und Tunnels und können über Generationen gepflegt und ausgebaut werden. In sehr kalten Monaten bleibt der Dachs oft für Wochen in seinem Bau und hält Winterruhe. In dieser Zeit zehrt er von seinen im Herbst angefressenen Fettvorräten.

Ernährung

Dachse können als Allesfresser bezeichnet werden, allerdings machen Pflanzen etwa zwei Drittel ihrer Nahrung aus. Besonders gerne fressen sie Wurzeln, Obst, Samen und Pilze. Doch auch Kleintiere wie Mäuse, Insekten, Würmer, Schnecken und kleine Reptilien stehen auf ihrem Speiseplan. Auch junge Hasen oder am Boden brütende Vögel und deren Gelege werden von Dachsen nicht verschont. Grundsätzlich findet die Nahrungssuche bei Dunkelheit statt. Da der Sehsinn der Dachse wie bei den meisten nachaktiven Tieren weniger gut ausgeprägt ist, verlässt er sich dabei auf seinen hervorragenden Geruchssinn.

Hätten Sie's gewusst?

Dachse gehören zu den begabtesten Baumeistern unserer Natur. In England fand man einen Dachsbau mit 50 Kammern und 178 Eingängen, die durch insgesamt 879 Meter Tunnel miteinander verbunden waren. Dieses außerordentliche Talent weiß auch der "schlaue Fuchs" zu schätzen. Nicht selten kommt es nämlich vor, dass Füchse die von Dachsen angelegten Bauten einfach übernehmen oder sogar gemeinsam mit der Dachsfamilie in einem Zuhause leben.


Hier ein Dachs-Video:


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