Wildtier-Lexikon: Delfin | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin
Lexikon

Wildtier-Lexikon: Delfin

Mit ihren 40 Arten bilden Delfine nicht nur die  größte, sondern auch die vielfältigste Familie unter den Walen. Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Delfin © Karin Schnirch / Fotolia
Wie alle Wale bringen Delfine nicht mehrere Junge gleichzeitig zur Welt.

Steckbrief

  • Körperlänge: 1,5 - 8 m (Schwertwal)
  • Gewicht: 80 - 120 kg
  • Lebenserwartung: 20 - 40 Jahre
  • Verbreitung: in allen Weltmeeren
  • Lebensraum: Hochsee; Küstengewässer
  • Artbestand: vom Aussterben bedroht


Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Wale
  • Familie: Delfine (Delphinidae)
  • Gattung: 17
  • Art: 40


Aussehen

Der stromlinienförmige Körper der Delfine ist perfekt an ihre hohe Schwimmgeschwindigkeit angepasst. Die Rückenseite setzt sich deutlich durch eine dunklere Färbung, das so genannte "Cape" ab. Die Farben reichen von Schwarz über Grau bis hin zu Weiß. Lediglich zwei Delfinarten sind anders gefärbt: der bläuliche "Blau-Weiße Delfin" und der braun-gelbe "Gemeine Delfin". Dadurch, dass die Säugetiere alle zwei Stunden alte und abgestorbene Hautzellen abstoßen, reduzieren sie den Strömungswiderstand ihrer glatten Haut beträchtlich und können schneller schwimmen. Die Kiefer sind meist klar vom restlichen Körper abgesetzt und bilden einen lang gezogenen Schnabel. Die Zähne von Delfinen sind im Gegensatz zu denen von anderen Zahnwalen stumpf. Im Kopf befindet sich bei Delfinen ein rundes Organ: die so genannte "Melone". Es wird vermutet, das die Säuger mit der Hilfe dieses Organs die "Echolokation" durchführen, eine Ortung nach dem Echoprinzip.


Fortpflanzung und Entwicklung

Erst mit sieben Jahren sind Delfine geschlechtsreif, auch wenn sie schon früher mit Paarungsspielen beginnen. Nach einem ausgedehnten Liebensspiel dauert der eigentliche Fortpflanzungsakt lediglich fünf bis 20 Sekunden. Während der elf- bis 13-monatigen Trächtigkeit bleibt das Weibchen sehr aktiv. Erst etwa zwei Tage vor der Geburt wird es ruhiger und sucht sichere Gewässer auf, wie Buchten oder Lagunen. Delfine leben in Gruppen, und andere Delfine bleiben während der Geburt stets in der Nähe der werdenden Mutter, vor allem Weibchen. Oft unterstützen sie die Geburt, indem sie helfen, das Junge aus dem Mutterleib zu ziehen. Wie alle Wale bringen Delfine nicht mehrere Junge gleichzeitig zur Welt. Das Jungtier kann bei der Geburt – abhängig von der Art – bereits einen Meter lang sein. Da Delfine keine Lippen haben, mit denen sie die Zitzen der Mutter umschließen können, spritzt die Delfinmutter mittels der Muskulatur in ihren Drüsen die Milch direkt in das Maul ihres Jungen. Der junge Delfin bleibt teilweise bis zu sechs Jahre bei der Mutter in der Gruppe.


Lebensweise und Verhalten

Delfine leben in Gruppen, so genannte Schulen, die bis zu 1.000 Tiere stark sein können. Die Größe ist aber nicht statisch. Jederzeit können neue Delfine dazukommen oder andere die Gruppe verlassen. Die Verständigung untereinander läuft über Klicklaute, Schnattern und Pfeifen ab. Aber auch der Körperkontakt spielt bei der Kommunikation eine wichtige Rolle. Das Sozialverhalten ist sehr stark ausgeprägt, kranke oder verletzte Tiere werden von ihren Artgenossen unterstützt und vor Feinden beschützt. Delfine sind sehr schnell und können bis zu 55 Stundenkilometer erreichen. Ihre hohen Sprünge aus dem Wasser als puren Spieltrieb abzutun, greift zu kurz: Zum einen ermöglicht ihnen dieses Verhalten eine schnellere Fortbewegung. Zum anderen können sie beim Springen Möwenschwärme erspähen, die auf der Jagd nach Fischen sind. Das erleichtert ihnen die Suche nach Futterplätzen. Auf der Jagd tauchen sie bis zu 300 Meter tief und 15 Minuten lang.


Sinnesleistungen

Delfine besitzen ein sehr gutes Gehör, das sie Frequenzen zwischen 12 und 220.000 Hz wahrnehmen lässt – also bis weit in den Ultraschallbereich hinein. Zum Vergleich: Menschen hören nur Geräusche mit einer maximalen Frequenz von 20.000 Hz. Zwar haben die Meeressäuger äußere, reduzierte Ohröffnungen, doch wahrscheinlich nutzen sie diese gar nicht. Bei der Wahrnehmung ihrer Umwelt spielt die "Echolokation" eine entscheidende Rolle: Mittels einer Klappe zwischen Lunge und speziellen Luftsäcken, die in Schwingung gebracht werden, senden Delfine Töne aus. Die, etwa von Beutetieren, reflektierten Ultraschallwellen werden vom schallleitendem Gewebe des Unterkiefers aufgenommen, an das Innenohr weitergeleitet und ausgewertet. Auch wenn Delfine keine Farben wahrnehmen können, ist ihr Sehvermögen gut und perfekt an das Sehen unter Wasser angepasst. Nur Flussdelfine sind zum Teil blind. Nachts leuchten die Augen der Delfine wie bei Katzen. Über dem Wasser können die Tiere nur Gegenstände bis zu einer Entfernung von 15 Metern scharf erkennen. Über einen Geruchssinn verfügen die Tiere nicht.


Ernährung

Nicht nur bei der Orientierung, auch bei der Jagd ist die Echoortung äußerst hilfreich. Mit ihrer Hilfe können Delfine auch im trüben Wasser wahrnehmen, wo sich Beute befindet. Als Raubtiere essen die Meeressäuger meist Fische oder Kalmare, die Beute wird fast immer in einem Stück verschlungen. Daher ist der Geschmackssinn auch nicht so gut ausgeprägt. Delfinarten mit vielen Zähnen ernähren sich hauptsächlich von Fisch, die mit wenigen Zähnen bevorzugen Kalmare. Die intelligenten Tiere nutzen bestimmte Strategien, um ihre Beute zu fangen. In Gruppen kreisen sie etwa Fischschwärme gezielt ein und treiben sie zusammen, oder sie lenken sie Richtung Küste, um Ihnen Fluchtmöglichkeiten zu nehmen.


Hätten Sie's gewusst?

Mit ihren 40 Arten bilden Delfine nicht nur die  größte, sondern auch die vielfältigste Familie unter den Walen. Delfine schlafen, indem sie eine Gehirnhälfte "ausschalten" und die andere wach halten. Die Mobilität der Meeressäuger ist dann zwar deutlich eingeschränkt, doch ein Auge bleibt immer offen, um mögliche Angreifer wahrzunehmen.Nahe dem Weißenhäuser Strand, an der Ostsee, hat sich eine kleine Sensation ereignet: Es wurden im Sommer 2015 Delfine gesichtet!  Mehr dazu  



Das könnte Sie auch interessieren

Fotos: 
Karin Schnirch / Fotolia Video: YouTube
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren