Wildtier-Lexikon: Flamingo | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Flamingo

Flamingos leben in riesigen Gruppen von bis zu Zehntausenden. Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Flamingo © Thomas Brodmann / animals-digital.de
Flamingos wurden von Indianern oft wegen ihres Fleisches gejagt.

Steckbrief

  • Körperhöhe: 90 - 155 cm
  • Gewicht: bis zu 4,1 kg
  • Lebenserwartung: 20 - 30 Jahre
  • Verbreitung: Afrika, Süd- und Mittelamerika, Asien, Südfrankreich, Spanien, Sardinien
  • Lebensraum: tropisch, warme Regionen
  • Artbestand: nicht gefährdet

Systematik

  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Flamingos
  • Familie: Flamingos (Phoenicopteridae)

Aussehen

Flamingoarten sehen sich einander sehr ähnlich. Sie haben lange dünne Beine und stehen sehr aufrecht. Dadurch können sie eine Höhe von 90 bis 155 Zentimetern erreichen. Der Flamingo hat einen sehr kleinen Kopf mit kleinen, hellen Augen und einem großem Schnabel. Die Ohren sind nicht sichtbar. Das Gefieder färbt sich durch die Ernährung von Krebstieren und Algen, die bestimmte Farbpigmente enthalten, rot. Im Zoo bekommen Flamingos eine andere Nahrung. Daher ist das Gefieder nicht so stark gefärbt, wie bei ihren Verwandten in der Wildnis. Männchen und Weibchen sehen gleich aus.

Fortpflanzung und Entwicklung

Hat sich ein Paar gefunden suchen sie sich ein Nest, finden sie kein freies Nest so muss es erst noch gebaut werden. Die Nester der Flamingos sind aus kegelförmigen Schlammhäufchen gebaut und können einen Durchmesser von 35 bis 56 Zentimetern haben. Bei sehr großen Kolonien können es bis zu fünf Nester pro Quadratmeter sein. Ein Paar legt meistens nur ein Ei. Beide Partner wechseln sich beim brüten ab, bis nach 27 bis 31 Tagen das Jungtier, mit einem grauen Dunenkleid und einem geraden Schnabel, auf die Welt kommt. Dann bleiben die jungen Flamingos noch etwa fünf bis 12 Tage im Nest. Während dieser Zeit werden sie mit einer Kropfmilch, die im oberen Verdauungstrakt erzeugt wird, versorgt. Diese Kropfmilch ist sehr fetthaltig. Endlich verlässt der Nachwuchs das Nest und geht mit anderen Jungtieren gemeinsam schwimmen. Die Elternvögel erkennen ihre Kinder durch ihre Lautgebung und übernehmen die Fütterung. Im Alter von zehn bis zwölf Wochen hat sich der Schnabel fertig entwickelt und das Jungtier ist nicht mehr auf die Milch der Eltern angewiesen.

Lebensweise und Verhalten

Flamingos leben in riesigen Gruppen von bis zu Zehntausenden Flamingos. Sie sind tag- aber auch nachtaktiv. Wittern die Flamingos Gefahr, strecken sie ihren Hals empor. Durch Drohgebärden, wie das Aufstellen des Rückengefieders, versuchen sie ihre Angreifer oder Artgenossen aufzuhalten. Schafft der Flamingo das nicht, dann greift er zur letzten Maßnahme, dem so genannten "neck-swaying threat". Dabei schwenkt der Flamingo den Kopf auf und ab, stellt sein Rückengefieder auf und gibt knurrende Laute von sich. Danach kann ein Kampf folgen. Dieses Verhalten tritt meistens bei der Suche nach einer Niststätte auf.

Ernährung

Die großen Flamingos haben einen ovalen Oberschnabel, der nicht genau auf den Unterschnabel passt, sondern eine zirka sechs Milimeter große Lücke freilässt, wo die Zunge durchpasst. Flamingos haben so genannte Lamellen an ihrem Schnabel, auf denen feine Härchen sitzen. Bei den großen Flamingos befinden sich die Lamellen innen. Bei der Nahrungsaufnahme wird der Schnabel halb geöffnet durch das Wasser geschwungen. Die Zunge fährt immer vor und zurück, um Wasser in den Schnabel und wieder hinaus zu befördern. Dabei geraten auch Nahrungspartikel in den Schnabel. Die Lamellen sind jeweils 0,5 Millimeter von einander entfernt. Die Nahrungspartikel haben eine Größe von 0,5 bis 6 Millimeter, das sind vor allem Kleinkrebse, Mückenlarven und Ringelwürmer. Flamingos haben verschiedene Vorlieben, beispielsweise werden in Europa vor allem Kiemenfüßler gefressen. Dagegen werden in der Karibik am liebsten kleine Schnecken vertilgt.

Kleine Flamingos haben im Gegensatz zu ihren großen Verwandten einen Oberschnabel, der perfekt auf den Unterschnabel passt. Außerdem hat der Schnabel äußere Lamellen, so dass zu große Nahrungspartikel gar nicht erst aufgenommen werden können. Da die Nahrung kleiner als 0,5 Millimeter sein muss, kommen nur Kieselalgen oder Cyanobakterien in Frage. Diese unterschiedlichen Anpassungen haben zur Folge, dass sich große und kleine Flamingos bei der Futtersuche nicht im Weg sind, denn das Futter der Großen ist für die Kleinen zu groß und umgekehrt.

Hätten Sie's gewusst?

Flamingos wurden von Indianern oft wegen ihres Fleisches gejagt; dagegen waren die Federn nie begehrt, da sie beim Rupfen ihre schöne Rosa Farbe verlieren. Auch bei den Römern wurden Flamingos gejagt, jedoch nicht wegen ihres Fleisches sondern ihrer Zungen; diese Delikatesse konnten sich jedoch nur die Reichsten leisten.

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