Wildtier-Lexikon: Fledermaus | EIN HERZ FÜR TIERE Magazin

Wildtier-Lexikon: Fledermaus

Steckbrief, Systematik, Aussehen, Fortpflanzung, Entwicklung, Lebensweise, Verhalten und Ernährung. Hätten Sie's gewusst?
 
Fledermaus © Thomas Brodmann / animals-digital.de
Fledermäuse essen hauptsächlich Insekten, die sie während ihres Fluges erbeuten.

Steckbrief

  • Körperlänge: 4 - 14 cm, Spannweite 60 cm
  • Gewicht: bis zu 200 g
  • Lebenserwartung: bis zu 30 Jahre
  • Verbreitung: Weltweit, bevorzugt in tropischen Klimazonen
  • Lebensraum: Baumbewohner, wenige Arten Höhlenbewohner
  • Artbestand: 24 Fledermausarten kommen in Deutschland vor, nur zwei davon gelten derzeit als ungefährdet. In Europa gibt es 30 unterschiedliche Arten, weltweit leben etwa 950 Fledermausarten.
     

Systematik

  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Fledertiere
  • Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
  • Familie: 17 Familien, sieben Überfamilien
     

Aussehen

Fledermäuse haben ein dichtes und meist seidiges Fell in den Farben braun bis grau oder schwarz. Bei allen Arten ist die Bauchseite heller als der Rücken. Fledermäuse sind berühmt für ihre extrem auffälligen spitzen Ohren und einen hundeartigen Kopf (es gibt allerdings auch Arten, die deutlich von dieser typischen Fledermausoptik abweichen). Sie haben große Augen mit einer spezialisierten Netzhaut. Die Augenlieder sind wimpernlos. Der Schwanz ist meist sehr kurz oder gar keiner vorhanden. Die kleinste Fledermaus ist die Schweinsnasenfledermaus. Sie zählt (mit einer Kopfrumpflänge von gerade einmal vier Zentimetern) neben der Etruskenspitzmaus (35 bis 48 Millimeter) auch zu den kleinsten Säugetieren der Welt. Der größte Vertreter ist die Australische Gespensterfledermaus, die eine Flügelspannweite von 60 Zentimetern hat.

Fortpflanzung und Entwicklung

Die Tragzeit ist bei den einzelnen Fledermausarten sehr unterschiedlich: Sie liegt zwischen 40 und 220 Tagen. Die meisten Arten bringen nur ein Junges pro Jahr zu Welt, sehr selten sind es zwei. In Europa findet die Paarung meist in den Winterquartieren statt. Das Männchen beißt das Weibchen in den Nacken, dadurch erwacht das Weibchen aus dem Winterschlaf. Nur das Männchen verhält sich dabei aktiv, während das Weibchen in der Aufwachphase steckt. Das Weibchen kann mehrmals begattet werden. In den südlicheren Regionen paaren sich Fledermäuse meist im Frühjahr. Eine Trächtigkeit muss nicht sofort erfolgen: Die Samen des Männchens kann das Weibchen einige Monate im Fortpflanzungstrakt aufbewahren.

Lebensweise und Verhalten

Fledermäuse sind in der Regel nachtaktive Tiere. Wenn sie schlafen wollen, ziehen sie sich in Höhlen, Baumhöhlen, Dachböden, Ruinen und andere Verstecke zurück. Es gibt Fledermäuse, die in Gruppen leben, andere Arten sind lieber als Einzelgänger unterwegs.

In den kühleren Regionen beheimatete Fledermäuse halten in der Regel einen Winterschlaf. Es gibt aber auch Fledermäuse, die zur kalten Jahreszeit in eine wärmere Region fliegen. Die meisten europäischen Vertreter halten allerdings Winterschlaf und beziehen wegen der unterschiedlichen Temperaturen, denen sie dabei ausgesetzt werden, auch unterschiedliche Sommer- und Winterquartiere. Die Hauptbewegungsform der Fledermäuse ist das Fliegen, wobei die Form der Flügel die Maximalgeschwindigkeit bestimmt. Schmale Flügel begünstigen eine hohe Geschwindigkeit. Fledermäuse mit breiten Flügeln hingegen zählen zu den Langsamfliegern.

Sinnesleistungen

Fledermäuse werden zu Recht als die "Meister der Sinne" bezeichnet. Als fliegende und nachtaktive Säugetiere haben Fledermäuse ein System entwickelt, das ihnen hilft, ihre Umwelt wahrzunehmen, ohne ihre Augen einsetzen zu müssen. Sie senden sehr hohe Rufe aus, die Menschen nicht hören können. Der Ruf wird im Kehlkopf erzeugt, indem die Luft zwischen zwei Membranen durchgepresst wird. Auf diese Weise können auch unterschiedliche Tonhöhen erzeugt werden. Der Fledermausruf besteht meist aus einer Serie von fünf oder mehr Rufen in verschiedenen Tonhöhen. Die Schallwellen des ausgestoßenen Signals werden von der Umwelt reflektiert und von der Fledermaus wieder registriert. Die Ohren der Fledermaus sind sehr empfindlich, denn die Tiere orientieren sich anhand dieser reflektierten Schallwellen. Durch die Ultraschallortung sind sie in der Lage, die unterschiedlichen Einzelsignale komplexer Gebilde, wie etwa eines Baumes, zu einem Gesamtbild zu verrechnen. Außerdem können sich noch die Richtung, die Entfernung und die Bewegungen der angepeilten Objekte feststellen. Fledermäuse können sogar UV-Licht wahrnehmen und haben ein sehr gutes Gedächtnis.

Ernährung

Fledermäuse essen hauptsächlich Insekten, die sie während ihres Fluges erbeuten. Außerdem stehen auch noch kleine Wirbeltiere auf ihrem Speiseplan. Es gibt sogar drei Arten von Fledermäusen, die sich von Blut ernähren. Diese drei Arten gehören zu den "Vampirfledermäusen". Sie kommen in den südlichen Teilen von den USA und in den südlichen Teilen Südamerikas vor. In den Tropen und Subtropen leben größtenteils vegetarische Fledermäuse. Diese ernähren sich zum Beispiel von Früchten, aber auch von Blüten oder sogar Pollen.

Hätten Sie's gewusst?

Die Zwergfledermaus erkennt Drähte aus mehr als einem Meter Entfernung, selbst wenn der Draht nur 0,28 Millimeter dünn ist. Sie jagt am Tag etwa 500 bis 1.200 Taufliegen. Fledermäuse können Frequenzen zwischen neun und 200 kHz wahrnehmen. Im Vergleich: Der Mensch nimmt nur Geräusche mit einer Frequenz von 16 Hz bis 18 kHz wahr. Durch die Ultraschallortung ist es den Tieren möglich, Gegenstände die nur zehn Millimeter auseinander liegen, zu unterscheiden.
 

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